Sonntag, 14. August 2016

34.Tag: Von Heidenau nach Dresden

Karte bis Dresden

Von Heidenau nach Dresden. Quasi ein Ruhetag.Aber ein Tag mit vielen Highlights. Und das Wetter spielt mit. Zumindest regnet es nicht.
Der Mühlenhof zu Heidenau war komplett ausgebucht. Der Mühlenchef hat mir "sehr nahe gelegt" doch schon um 7:30 Uhr zu frühstücken. Denn der Frühstücksraum ist nicht besonders groß. Das hat letztendlich die positive Konsequenz, dass ich zumindest auf der ersten Etappe dem heutigen Sonntagsradleransturm ganz gut entgehe.

1.Etappe. Der "berühmte" Barockgarten Großsedlitz. Ich kannte ihn nicht. Doch heute habe ich Zeit, und er liegt ja quasi in Heidenau!
Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass Barockschlösser und Gärten die Ebene lieben. Burgen, Festungen, auch historistische Mittelalterimitationen sind immer auf Bergen. Barock liebt die Ebene.
Denkste! Ich fahre hoch, und hoch und hoch! Keine Spur von einem Barockgarten. "Na ja", denke ich, "dafür kannst du wenigsten einmal Das Elbtal von oben sehen."
Oben bin ich irgendwann mal, und ein Schlösschen ist da auch, und ein Barockgarten auch. Aber von Aussicht keine Spur.
Das Pöppelamnnsche Konzept bezieht das Elbetal nicht mit ein, das hätte ein Fürst Pückler garantiert getan, aber im Barock braucht man Flächen, also ist der Garten längs zum Hang gebaut. Und zum Tal hin stehen Bäume.


Es ist 9:00 Uhr ich bin allein im Garten. Ein Glück, dass das Tor schon auf war.


Die Anlage ist eine einzige Baustelle. Noch immer, - oder besser schon wieder! Denn die Versailles Kopie ist eigentlich nie fertig geworden, August dem Starken ist schon nach 3 Jahren das Geld ausgegangen. Und die Restaurierungsversuche im letzten Jahrhundert müssen ziemlicher Pfusch gewesen sein.


So hätte es einmal ausgesehen, oder einmal aussehen sollen? Das Bild auf dem "lehrreichen Plakat" ist ansprechend.
Die Abfahrt vom Berg auch. 
Als auf nach Pillnitz! Heute geb ich´s mir! Heute ist Pöppelmanntag!
Pöppelmann der Baumeister von August dem Starken, hat nicht nur Pillnitz und Großsedlitz gebaut, sondern natürlich auch den Zwinger.
Pöppelmann hat dem August alles gebaut was er haben wollte. Seien es Gärten, Paläste, Straßen, Dämme oder Brücke, oder so abstruse Dinge wie eine Scheinarchitektur um das größte Weinfass der Welt ("Größte Weinfässer der Welt habe ich im Laufe meines Reiselebens schon mindestens  3 gesehen") oder einen gigantischen "Stollenbackofen" - weil der gute August ebend mal ins Guiness Book der Weltrekorde kommen wollte, mit einem 1,8 Tonnen schweren "Dresdner Stollen" - für 20.000 Gäste. 
Manchmal denke ich, was immer ich mir während meiner Radlertage zurechtspinne: es hat immer schon einen noch größeren Spinner gegeben, der sich noch verrücktere Dinge ausgedacht hat.

Seit heute bin ich ein Pöppelmann-Fan. (Der Asteroid 39464 heißt übrigens auch Pöppelmann)
 Pillnitz ist der Kracher.
Ein Glück, dass ich heute Zeit hatte. So viel durchgeknallte Spinnereien habe ich lange nicht gesehen.
Chinoiserie - die Chinabegeisterung des 18.Jahrhunderts ist ja in fast jedem Barockschloss zu bewundern. Hier ist es aber Gestaltungsprinzip für eine ganze Gebäudegruppe.



Bis hin zu den Schornsteinen ist alles von der China Begeisterung geprägt, die nicht zu letzt von Leibnitz, Quesnay  und Voltaire ausgelöst wurde, die "utopische" Gegenentwürfe zum Absolutismus lieferten, - d.h. schon autoritär - aber vernünftig. Ein vernünftiger Absolutismus eben.
Das ist mir noch nie passiert, dass der Chip meines Fotoapparaten voll war, ehe ich ins Hotel kam.
Besonders angetan haben es mir, die Bilderfriese im "chinesischen Stil". 

Einfach nur witzig:



Da wird gejagt, gefoltert, geturtelt, gemeuchelt - und alles sehr putzig, sehr "chinesisch"



Und natürlich Orangerie, Palmenhaus, chinesisches Teehaus, Teiche, Ruinen, die als Ruinen gebaut wurden - einfach durchgeknallt.
Dass man in den Häusern nicht wirklich wohnen konnte, da es weder Heizungen noch Sanitäres gab, Lapalien, wer wird sich mit solchen Details aufhalten.

Wenn man sich vorstellt, dass man von Dresden aus mal kurz mit einer Riesengondel nach Pillnitz rausgefahren ist,


um dort Party zu machen ...und die Bauern in der Elbaue haben wahrscheinlich noch gewinkt.

Ich muss mich im Nachhinein beim Hotelchef in Heidenau wirklich bedanken, dass ich heute so früh weg gekommen bin. Nach 2 Stunden entspanntem Pillnitz-Erforschen radle ich zurück zur Fähre - und da kommen auch schon die großen Raddampfer aus Dresden und spucken hunderte von Besucher aus.

Die Boote sind heute wirklich rappelvoll.

Ich radle weiter stadteinwärts. Die Radwege sind inzwischen auch knackevoll und es ist nicht ganz ungefährlich, was so mancher ambitionierte Sonntagsradler da abzieht. 2 x mal muss ich "freiwillig" in die Wiese, weil ein ganz Eiliger eine Familie überholt und mich in die Pampa schickt.
Nicht nett!
In Laubegast ist heute Volksfest, da muss ich eh schieben.


Der ganze Uferweg ist heute Fressmeile.

Beim Reinfahren fällt mir dies auf:


Aber ja doch! Klar doch! Das ist "der Turm"


Und die Villa oben in der Mitte, da hat zumindest die Verfilmung gespielt. Oder nicht?

Die Stadt hat heute richtig gebrummt. 

Skoda Velorace Dresden Radrennen legt am Wochenende Verkehr in Dresdner Innenstadt lahm

Titelt die Sächsische Zeitung. Und sie hat recht.


Aber als Radfahrer kommt man immer durch. Kleine Rad-City-Tour, Highlights abklappern.


Und dann in die Neustadt ins Hotel. So ein Ruhetag mit strengem Kulturprogramm, ist mindestens so anstrengend wie 70 km mit Bergwertungen.


Auszug aus: "Betrachtungen zur  Kulturgeschichte des 20.und 21.Jahrhunderts" - auf der Basis der "Engener Festplatte von Morfrad M%ller-Harter" dem sensationellsten Fund der neueren Archäologie, Insel Chäserrugg, 2849, 12.Auflage, S.424ff.

 "Das Menschenbild und seine Darstellung im 20. und 21. Jahrhunderts":

"In den vorausgegangenen Kapitel konnten wir anhand des umfangreichen Datenmaterials  Morfrad M%ller-Harters  beweisen, dass die Menschen im Übergang zum 21.Jahrhunderts auf der Suche nach spirituellen Werten waren, bzw. ihrem Dasein, durch die Hinzufügung einer göttlichen Sphäre Bedeutung zu zu schreiben versuchten. 
Doch dies ist nur ein Teil der damaligen Vorstellungswelt. Gleichzeitig haben wir es ganz  mit einer Zeit zu tun, in der sich die Menschen mit Ihren Werken identifizieren, ja, dass sie sich über ihre technischen Errungenschaften definieren.
Betrachten wir im folgenden einige ausgewählte Beispiele aus den Bilddateien Morfrad M%ller-Harters die sich mit der Menschendarstellung beschäftigen:





In seiner richtungweisenden Interpretation weist Coolman darauf hin, dass sich der "moderne" Mensch der damaligen Zeit über seine technischen Errungenschaften definiert zu haben scheint, ja er stellt sich als Teil dieser selbst dar. Wenn Coolman recht hat, so bestehen diese Menschendarstellungen aus Material und Elementen, die in der damaligen Zeit zu den höchsten Errungenschaften gerechnet wurden. Die 3 kreisförmigen Elemente werden als "Räder" gedeutet, die Teil eines Fortbewegungsmittel waren, welches  im Zentrum der damaligen Kultur stand. Auch andere Darstellungen antropomorpher Kunstgegenstände legen diesen Schluss zwingend nahe




In der reduzierten Konzentration der Darstellung auf Kopf, Torso - und bezeichnenderweise eines, rechten, Arms, wird die Verschmelzung von Mensch - und seiner "Schöpfung" nur um so deutlicher. Hier identifiziert sich der Schöpfer mit seiner Schöpfung, - bis zur Selbstaufgabe.
Breitmeier, weist in seinem Aufsatz, "Anmerkungen zum `Mobilitätsgedanken` in der landbasierten Welt des des 21.Jahrhunderts, zu recht darauf hin, dass es sich bei der oben abgebildeten anthropomorphen Gestalt vermutlich um eine zentrale Figur handelt. Deutet doch der Begriff "Gold", der inzwischen entschlüsselt werden konnte, auf etwas äußerst Wertvolles hin. 
Eine Anmerkung am Rande sei gestattet. Wir geben Breitmeier in einem Punkt vollkommen recht. Die Spiegelung in der Glasscheibe, die dieses Kunstwerk schützt,  könnte die einzig bekannte Abbildung von Morfrad M%ller-Harter sein.
Ob es sich bei dem Kopfschmuck, den er trägt,  um ein Statussymbol handelt, oder ob es sich lediglich um eine Modeerscheinung der damaligen Zeit ist, kann derzeit nicht schlüssig geklärt werden.
Eine weiter anthropomorphe Darstellungen aus den Bilddateien der "Engener Festplatte" gibt bis heute Rätsel auf. Die Tafel, die sich auf der Höhe der menschlichen Fortpflanzungsorgane befindet, könnte darauf hindeuten, dass hier eine technische Funktion mit einem "Fruchtbarkeitsritual" zusammengeführt wurde.




Alle Autoren sind sich bislang nur in einem Punkte einig. Auch hier handelt es sich um die "Verschmelzung" einer technischen Referenz mit dem Menschenbild der damaligen Zeit.
Das gänzliche Fehlen von Gliedmaßen scheint in diesem Fall - anders als bei den Torsi vorausgegangener Epochen - nicht durch Zerstörung oder Verfall bedingt. Breitmeier meint, dass die Form der "Armansätze" darauf hindeuten könnte, dass diese,beispielsweise zu "hohen Feiertagen"  angeschraubt worden sein könnten.
Auf der Basis der bisher gewonnenen Erkenntnisse scheint die Vorstellungswelt des Menschen zu Beginn des 21.Jahrhunderts durch 2 diametral entgegengesetzte Glaubensrichtungen geprägt gewesen zu sein.
Einerseits besteht eine Tendenz zur Anrufung außerirdischer, transzendentaler Mächte, um eine sich immer deutlicher abzeichnende Katastrophe zu verhindern. 
Gleichzeitig ist diese Epoche geprägt durch ein unerschütterliches Vertrauen in die Stärke der eigenen technischen Kräfte und Möglichkeiten. 
Diese bedingungslose Identifikation mit der eigenen Technik, wie wir sie dank Morfrad M%ller-Harters Bilddateien nachweisen konnten, scheint gepaart mit einem nicht minder starken Zweifel an die eigene Kraft. Daher die Tendenz, die Hilfe göttlicher Kräfte herbeirufen - oder anzuflehen."

Ich wünsche allerseits eine "geruhsame Nacht" 

2 Kommentare:

  1. Erstaunlich was Dir bei Deiner Radtour so alles durch den Kopf geht!

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  2. Erstaunlich was Dir bei Deiner Radtour so alles durch den Kopf geht!

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