Karte bis Liberec
Im Zittauer Hof sind viele Radfahrer abgestiegen. Alle natürlich kommen von der Quelle. Nur ein paar wenige, wollen den Fluss aufwärts fahren, genau genommen nur 2.
Und alle sind empört, wie viele Steigungen es hatte, - wo sie doch flußbwärts radeln wollten.
Wir sind gespannt! Ein wenig angespannt.
Gleich hinter Zittau, das 3 Ländereck.
Und gleich dahinter sind wir in der Tschechischen Republik.
Und gleich ist Alles ganz anders ("anderschter" für die Hegauer).
Die Radwegschilder sind gelb - und die Wolken hängen so tief, dass man die Berge gar nicht mehr sieht. Das Grenzgebiet auf tschechischer Seite ist schon sehr verlassen, zumindest haben wir auf unserer Strecke den Eindruck.
Die Neisse begleitet uns noch ein ganzes Stück, wird aber im kleiner und schmaler.
UND ES GEHT BERGAUF!
Wer hätte das gedacht. Aber anfangs mit erträglichen Steigungen, so dass wir gut voran kommen.
Aber nun sind wir wirklich in den Bergen angekommen:
Die Strecke ist recht gut ausgeschildert, aber an mancher Abzweigung fehlen die Schilder doch.
In "Bilý Kostel" (Billy Costello, Billy Costello, gab es da nicht jemand berühmtes,- Sänger, Sportler, Boxer? Ich komm nicht drauf) war der Weg komplett weg. Und mit Fragen ist es hier in dieser Gegend nicht mehr so einfach. Viele Leute verstehen kein Deutsch, und meine Aussprache der Orte ist auch nicht hilfreich. Aber ein junger Mann, geht mit uns vor an die Straße - und mit vielen Gesten finden wir den Weg.
Der jetzt zunehmend von der Nisa weg geht und mit giftigen Anstiegen nach oben führt. Da hilft oft nur Schieben. Besonders heftig wird es um den "Hamerstejn" - das sagt der Name ja schon. Große Steine, steil bergauf. Aber jetzt haben wir den höchsten Punkt erreicht. Glauben wir. Liberec liegt zwar deutlich unter uns. Aber das bergauf/bergab, mit steilen Anstiegen nimmt kein Ende. Ich kann jetzt die gefrusteten "Abwärtsfahrer" gut verstehen, die "frisch aus dem Zug gestiegen" richtig heftig in die Eisen müssen. Wir hingegen waren auf Bergfahrt vorbereitet und haben uns über die vielen Abfahrten gefreut.
Die Einfahrt nach Liberec gestaltet sich schwierig. Ein junger Mann deutet uns an, dass es noch einige Male rauf und runter gehen würde, bis wir im Zentrum seien.
Da - an einer Ampel - die Rettung!!
Der Peter F. !
Spricht superdeutsch, hat Zeit, und wollte eh noch ein wenig radeln. Also fährt er uns voraus, - zu einem wunderbaren Radweg unten an der Neisse, der direkt ins Zentrum führt. Wir bekommen noch eine kleine Einführung und gute Tipps, was man in Liberec so machen kann. Auch wo ich mit Sicherheit gute regionale Radkarten bekommen kann, denn das wird eine ziemliche Herausforderung, den Weg zwischen Neisse- und Elbequelle zu finden. Luftlinie ein "Klacks" - aber "..da ich kein Vöglein bin, und keine Flügel hab" brauche ich sehr gute Karten um über das Isergebirge zum Riesengebirge zu kommen.
Unsere "Unterkunft" im Hotel Praha, ist für die beiden letzten Übernachtungen, bevor mich Friederike "im Stich lässt" - angemessen! Ein wunderschönes Jugendstilhotel, direkt am Rathaus, in dem wirklich Alles stimmt, bis hin zum Aufzug aus dem Jahre 1906, der immer noch funktioniert.
Aber davon wird Friederike gleich noch berichten.
Also dann jetzt ich:
Zuerst noch ein Nachtrag von gestern, da habe ich nämlich das Bahnticket für meine Rückfahrt gekauft und ich habe gemerkt, dass der Unterschied zwischen Orleans und Görlitz gar nicht so groß ist.
Wie im letzten Jahr musste sich auch in diesem Jahr eine nette Schalterdame für meine Rückreise echt ins Zeug legen. Auf den guten Zugverbindungen waren die Fahrradplätze schon belegt, auf einer anderen Strecke gibt es eine Baustelle und "zehnmal umsteigen wolln Se ja och nich". Die Dame haut auf die Computertasten ein, murmelt mehrere Male "eivorbibsch" und reißt schließlich die Arme hoch und ruft "ich hab's" und gleich darauf "Entschuldigung", weil in der Schlange ein paar Leute erschrocken schauen.
Also ich werde am Freitag um 8.38 Uhr in Liberec in den Zug steigen und über Dresden, Hof, Nürnberg (1 Stunde Aufenthalt), Stuttgart (2 Stunden Aufenthalt) schließlich um 23.22 Uhr in Engen ankommen. Das Ticket heißt "Quer durchs Land" und ich könnte damit noch bis 3 Uhr am Samstag früh weiter herumgondeln.
Das habe ich aber nicht vor, im Gegenteil, ich werde versuchen in Nürnberg nach Ulm abzubiegen (über Treuchtelfingen und Donauwörth), mal sehen ob es klappt. Im besten Fall bin ich um 20.18 Uhr in Engen, im schlechtesten um 22. 49 Uhr.
Da ist doch das Radeln geradezu entspannend, es gibt keine Fahrpläne einzuhalten und man kann einfach so vor sich hinfahren. Das heißt, wenn nicht gerade eine fiese Steigung kommt. Hier ein Bild von dern bergigen Höhen, die wir heute erklommen haben:
Liberec ist die letzte Station meiner Radreise OstseeOderNeiße, 1318 km stehen jetzt auf dem Tacho. Und bis Freitag darf auch das Rad ausruhen, nämlich in der Abstellkammer für "Fahrrad und Ski".
Liberec ist eine sehr positive Überraschung, eine wirklich interessante Altstadt und ein super Hotel, im alten ungarisch-österreichischen Stil.
Hier der Blick von unserem Fenster auf das Rathaus:
Im Café des Hotels haben wir einen leckeren Mohnkuchen gegessen:
auch noch ein bisschen stadtgebummelt:
...und ich musste feststellen- wie an so vielen Orten an denen wir schon waren-, dass der Manne auch hier im Stadtbild untertauchen kann.
Ein Tscheche auf dem Weg zu seinem Feierabendbier, der Weinladen interessiert ihn so was von gar nicht.









Glückwunsch, Friederike, zu der tollen Leistung! Aber Du wirst in den nächsten Tagen wehmütig an Manne denken.
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