Karte bis Heidenau
Das war heute großes Kino in Cinemascope, gigantisch! Vom böhmischen Mittelgebirge ins Elbsandsteingebirge welch spektakuläre Fahrt!
Doch von Anfang an.
Der Blick aus dem Fenster! Das Wetter scheint sich zu bessern. Und am Ende dieser Etappe, werde ich nicht mehr in den "Bergen" sein.
Eine irre Arbeit hat da jemand geleistet. Aber kein Hinweis auf den Urheber, kein Hinweis auf einen Künstler oder ein Projekt. (Im Internet kann ich keinen Hinweis finden).
Fast hätte ich angesichts meiner Begeisterung für diese Kunst, übersehen, dass ich aus Tschechien nach Deutschland geradelt bin.
Ich war insgesamt gerne in Tschechien.
Knedliki, beste Biere der Welt, schöne Städte! Hat mir gefallen. Viele interessante Leute haben wir/ich getroffen, viele hilfsbereite Menschen.
Doch die "Blickvermeidungskultur" die ich/wir hier von Anfang an erlebt haben, empfand ich als sehr irritierend. Vielleicht hat es etwas mit den Bergen zu tun. Auch in den Andenländern gibt es dieses Phänomen. Indios in Equador und Peru empfinden es als äußerst unhöflich und aggressiv, wenn man versucht ihnen in die Augen zu sehen. In den Anden schauen die Leute nach unten, um den Blick zu vermeiden (was die Spanier als Unterwürfigheit gedeutet haben) In den letzten Tagen haben die Leute oft ganz entschieden den Kopf zur Seite abgewendet, wenn man an ihnen vorbei gefahren ist. Grüßen war nicht möglich, - nicht gewollt.
Trotzdem Tschechien, war ein Erlebnis.
Der Sachse ist da ganz anders. Er ist immer für einen Plausch zu haben. Und natürlich für "ähn Däs´schen Gafe". Und natürlich habe ich schon in der ersten Stunde in Sachsen gehört: "Wenn mr geen Gafe griechen ...", was ich aber nicht wusste, dass man nicht in Sachsen gewesen ist, wenn man nicht eine Eierschecke gegessen hat. Also gut, Eierschecke muss sein. Und ist sehr lecker! Der Sachse ist eben "ein Sieser"! Auch das, ein Zitat meiner netten Bedienung in Königstein, wo ich, das ist wohl inzwischen klar, meine "Gafe"-pause eingelegt habe.
Davor war Bad Schandau, andere Elbeseite und keine Fähre.
Überhaupt "Touri-Bär" war mehr auf der anderen Seite los:
Ich bin ganz zufrieden mit dem Blick auf die Highlight, die sich auf dem gegenüberliegenden Elbeufer aneinanderreihen.
Und wie gesagt, Königstein
Hätte man, auch mit einem Doppedeckerbus hoch fahren können. Habe mir statt dessen aber lieber noch een Dröbsche Gafe bestellt.
Egal, was in den letzten 800 Jahren alles da oben passiert ist. Mir wollen die Bilder einer Dokumentation nicht aus dem Kopf, in der Menschen von ihren Erfahrungen da oben berichtet haben.
"Der Königstein dient als Jugendwerkhof, in dem politisch unbequeme Jugendliche und solche, die infolge der Kriegswirren straffällig geworden sind, erzogen und ausgebildet werden."
So die Version, die die offizielle Homepage Königstein heute noch anbietet, eine äußerst verschwiemelte Formulierung für ein unglaublich brutales "Umerziehungsprogrammes", das auch lange nach den "Kriegswirren" Kinder und Jugendliche gequält hat, die aus "sozial schwachen Milieus"kamen - die es in der DDR natürlich gar nicht gab.
Das Schlimme ist, dass diese Menschen auch heute noch keine Entschädigung bekommen, weil sie ja wirklich "straffällig" geworden sind.
Die Burg muss ich nicht gesehen habe, - die Bilder, die ich im Koppe habe, reichen mir völlig.
Die Idylle ist oft so doppelbödig. Auch Pirna ist ein Schmuckkästchen.
Ich bin beeindruckt. Auch im Kontrast zu ähnlichen Orten, die ich in den letzten Tagen in Tschechien besucht habe. Wenn ich mir vorstelle, dass die Innenstadt 2002 noch komplett unter Wasser stand, und heute alles wieder wie aus dem Ei gepellt ist. Deutschland ist schon ein unglaublich reiches Land, auch wenn das die ewigen Meckerer nicht wahr haben wollen.
Aber auch Pirna hat seine "Leichen im Keller"
In dem schmucken Schloss Sonnenstein wurden im 3.Reich "Euthanasieprogramme" durchgeführt und annähernd 15.000 geistig Behinderte ermordet.
Ein schöner Tag, ein schönes Land, die Schatten gehören dazu! Darf man nicht verdrängen.
Ein interessantes Detail, am Rande der Altstadt, hat Pirna noch zu bieten.
Eine der wenigen noch erhaltenen "Kursächsischen Postmeilensäulen"
Auf dem Bild ist es nicht gut zu erkenne. Die Postmeilensäulen zeigt präzise Entfernungsangaben. Angegeben sind aber "h"-=Stundenangaben? Dies ist trotzdem eine präzise Angabe. Denn eine "Stunde" ist definiert als eine halbe Kursächsische Postmeile, die ungefähr 9 Kilometern entsprach, 1 Stunde ist also etwa 4,5 km. Das galt als die Entfernung, die ein Soldat in einer Stunde zurücklegen konnte.
Eigentlich sollte heute ein weiteres Kapitel aus der
"Auswertung der Engener Festplatte" folgen.
Angesichts dieses ereignisreichen Tages und der vielen Eindrücke, die ich los werden musste und angesichts der vorgerückten Stunde,
muss ich alle Freunde von
"Morfrad M%ller-Harter"
auf Morgen vertrösten.
Also bis dann!
Das war heute großes Kino in Cinemascope, gigantisch! Vom böhmischen Mittelgebirge ins Elbsandsteingebirge welch spektakuläre Fahrt!
Doch von Anfang an.
Der Blick aus dem Fenster! Das Wetter scheint sich zu bessern. Und am Ende dieser Etappe, werde ich nicht mehr in den "Bergen" sein.
Die Softshelljacke bleibt heute in der Tasche.
Aus Tetschen-Bodenbach finde ich schnell heraus. Die Berge rücken wieder enger zusammen. Die Feuchtigkeit hängt schwer im Tal.
Der Radweg ist erste Sahne. Doch ein Schild irritiert mich immer wieder
Ständig: POZOR ! Dass das Achtung heißt, weiß ich inzwischen, dass aber ein Radweg von Montag bis Freitag gesperrt sein soll, das kann ich nicht glauben. Ich ignoriere alle Warnhinweise und Schilder und fahre weiter. Schließlich ist heute ja Samstag. Eine paar 100 m weiter verstehe ich warum.
Der Radweg ist tatsächlich schwer ramponiert. Entweder durch einen Erdrutsch, durch Hochwasser oder beides. Auf jeden Fall wird schwerem Gerät gearbeitet . - Wasn Dusel, dass ich diesen Abschnitt an einem Wochenende passieren möchte. Die Alternativen hätten mir sich nicht gefallen, angesichts der Tatsache, dass die Berge ganz, ganz nahe an den Fluss gerückt sind.
Und jetzt beginnt das ganz große Kino:
Fotomotive ohne Ende. Felsformationen, Burgen, kleine Orte, nur schön:
Dass sich an einem Wochenende auf einer so schönen Route bei Sonnenschein Radfahrer ohne Ende tummeln, war zu erwarten. Einzig die E-bike-Pulks sind ein wenig lästig. Vor allem, dass sie immer dann, wenn ich anhalte - heute um meine Banana herauszuholen- auf "meinem" Rastplatz einfallen und mich mit dem Recht der Masse verjagen. Wer will schon seine Banane mümmeln, umgeben von Menschen, die einen (Spar)Witz nach dem anderen reißen. Ich packe meine Banane ein und radle weiter (liebe Profa! Lasst das Gefeixe).
Etwa 2-3 km vor der Deutsch/Tschechischen Grenze wird aus dem Radweg auch noch ein Kunstwerk.
Jemand der sich in Ornamentik quer durch die Geschichte sehr gut auskennt, hat auf über 3 km Länge ein durchgehehendes Band gemalt. Wie, das kann ich gar nicht genau sagen. Manche Bandelemente sind so exakt, dass ich auf Stencels tippe. Zitate aus allen Zeiten, von allen Kontinenten, aus allen Kulturen.
Eine irre Arbeit hat da jemand geleistet. Aber kein Hinweis auf den Urheber, kein Hinweis auf einen Künstler oder ein Projekt. (Im Internet kann ich keinen Hinweis finden).
Wenn man aus Deutschland kommt, so steht am Anfang dieser kleiner Hinweis:
Genial. Elb-Kino, da kann man dem unbekannten Künstler nur recht geben.Leider sind manche Abschnitte schon wieder am Verschwinden. Schade!
Und sogar die "Flussornamente", die ich in einem meiner Bilder verwendet habe, sind hier vertreten. Wirklich ein sehr breit aufgestellter unbekannter Künstler.
Tschüss Labe! Hallo Elbe!
Knedliki, beste Biere der Welt, schöne Städte! Hat mir gefallen. Viele interessante Leute haben wir/ich getroffen, viele hilfsbereite Menschen.
Doch die "Blickvermeidungskultur" die ich/wir hier von Anfang an erlebt haben, empfand ich als sehr irritierend. Vielleicht hat es etwas mit den Bergen zu tun. Auch in den Andenländern gibt es dieses Phänomen. Indios in Equador und Peru empfinden es als äußerst unhöflich und aggressiv, wenn man versucht ihnen in die Augen zu sehen. In den Anden schauen die Leute nach unten, um den Blick zu vermeiden (was die Spanier als Unterwürfigheit gedeutet haben) In den letzten Tagen haben die Leute oft ganz entschieden den Kopf zur Seite abgewendet, wenn man an ihnen vorbei gefahren ist. Grüßen war nicht möglich, - nicht gewollt.
Trotzdem Tschechien, war ein Erlebnis.
Der Sachse ist da ganz anders. Er ist immer für einen Plausch zu haben. Und natürlich für "ähn Däs´schen Gafe". Und natürlich habe ich schon in der ersten Stunde in Sachsen gehört: "Wenn mr geen Gafe griechen ...", was ich aber nicht wusste, dass man nicht in Sachsen gewesen ist, wenn man nicht eine Eierschecke gegessen hat. Also gut, Eierschecke muss sein. Und ist sehr lecker! Der Sachse ist eben "ein Sieser"! Auch das, ein Zitat meiner netten Bedienung in Königstein, wo ich, das ist wohl inzwischen klar, meine "Gafe"-pause eingelegt habe.
Davor war Bad Schandau, andere Elbeseite und keine Fähre.
Überhaupt "Touri-Bär" war mehr auf der anderen Seite los:
Ich bin ganz zufrieden mit dem Blick auf die Highlight, die sich auf dem gegenüberliegenden Elbeufer aneinanderreihen.
Linkselbisch zu radeln, ist für mich die entschieden bessere Variante.
Hätte man, auch mit einem Doppedeckerbus hoch fahren können. Habe mir statt dessen aber lieber noch een Dröbsche Gafe bestellt.
Egal, was in den letzten 800 Jahren alles da oben passiert ist. Mir wollen die Bilder einer Dokumentation nicht aus dem Kopf, in der Menschen von ihren Erfahrungen da oben berichtet haben.
"Der Königstein dient als Jugendwerkhof, in dem politisch unbequeme Jugendliche und solche, die infolge der Kriegswirren straffällig geworden sind, erzogen und ausgebildet werden."
So die Version, die die offizielle Homepage Königstein heute noch anbietet, eine äußerst verschwiemelte Formulierung für ein unglaublich brutales "Umerziehungsprogrammes", das auch lange nach den "Kriegswirren" Kinder und Jugendliche gequält hat, die aus "sozial schwachen Milieus"kamen - die es in der DDR natürlich gar nicht gab.
Das Schlimme ist, dass diese Menschen auch heute noch keine Entschädigung bekommen, weil sie ja wirklich "straffällig" geworden sind.
Die Burg muss ich nicht gesehen habe, - die Bilder, die ich im Koppe habe, reichen mir völlig.
Die Idylle ist oft so doppelbödig. Auch Pirna ist ein Schmuckkästchen.
Ich bin beeindruckt. Auch im Kontrast zu ähnlichen Orten, die ich in den letzten Tagen in Tschechien besucht habe. Wenn ich mir vorstelle, dass die Innenstadt 2002 noch komplett unter Wasser stand, und heute alles wieder wie aus dem Ei gepellt ist. Deutschland ist schon ein unglaublich reiches Land, auch wenn das die ewigen Meckerer nicht wahr haben wollen.
Aber auch Pirna hat seine "Leichen im Keller"
In dem schmucken Schloss Sonnenstein wurden im 3.Reich "Euthanasieprogramme" durchgeführt und annähernd 15.000 geistig Behinderte ermordet.
Ein schöner Tag, ein schönes Land, die Schatten gehören dazu! Darf man nicht verdrängen.
Ein interessantes Detail, am Rande der Altstadt, hat Pirna noch zu bieten.
Eine der wenigen noch erhaltenen "Kursächsischen Postmeilensäulen"
Auf dem Bild ist es nicht gut zu erkenne. Die Postmeilensäulen zeigt präzise Entfernungsangaben. Angegeben sind aber "h"-=Stundenangaben? Dies ist trotzdem eine präzise Angabe. Denn eine "Stunde" ist definiert als eine halbe Kursächsische Postmeile, die ungefähr 9 Kilometern entsprach, 1 Stunde ist also etwa 4,5 km. Das galt als die Entfernung, die ein Soldat in einer Stunde zurücklegen konnte.
Eigentlich sollte heute ein weiteres Kapitel aus der
"Auswertung der Engener Festplatte" folgen.
Angesichts dieses ereignisreichen Tages und der vielen Eindrücke, die ich los werden musste und angesichts der vorgerückten Stunde,
muss ich alle Freunde von
"Morfrad M%ller-Harter"
auf Morgen vertrösten.
Also bis dann!


















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