Karte bis Zittau
Heute war ein sehr gemütlicher Radeltag. Nachdem uns heute morgen eine andere Radlerin erzählt hatte, wie anstrengend dieser Streckenabschnitt sei, waren wir nachgerade enttäuscht. Es ging ein bisschen bergauf und manchmal auch bergab, aber die Strecke war wunderschön, in einem recht engen und bewaldeten Flusstal, in dem sich die Neiße doch noch als Freizeitfluss präsentiert hat.
Der Schirm, den diese Schlauchbootfahrer aufgespannt haben, ist kein Sonnen- sondernd ein Regenschirm. Es nieselt immer wieder ein bisschen, der große Regenguss bleibt uns aber erspart.
Der kurze Abstecher zum Zisterzienserkloster Kloster St-Mariental hat sich gelohnt, allerdings nicht kulinarisch, denn die Klosterbäckerei hatte nur Körnerbrot zu bieten. Ich hätte so gerne einen fetten Kuchen gegessen!
Sehr speziell sind auch diese Häuschen, an denen wir immer wieder vorbeiradeln:
"Oberlausitzer Umgebindehäuser ", das heißt über einem Holzblockhaus wurde das Fachwerkhaus errichtet.
Wiir fahren so gemütlich vor uns hin und plötzlich schreit Manne: "ein Riesen...braun...., wow so groß"- Ich habe nicht verstanden ,was da Riesiges auf uns zukommt, suche den Himmel nach Adlern ab, bin froh, dass nichts Riesiges auf dem Radweg liegt und dann sehe ich ihn auch: Der riesige Braunkohlschaufelbagger! Natürlich fahren wir extra hin und das ist er:
Was mich in Zittau am meisten begeistert hat ist der Turm der Johanniskirche, also eigentlich der Türmer, der eigentlich die Urlaubsvertretung des richtigen Türmers ist. Wir haben seine Trompete schon beim Stadtrundgang gehört, zu jeder vollen Stunde spielt er in alle vier Himmelrichtungen.
Und da er selbst ein richtig begeisterter Musiker ist, spielt er mir diese drei Instrumente vor (schade, das müsstet ihr wirklich hören, nicht nur sehen)
Das urspüngliche Türmerinsturment, das Kuhhorn:
Dann den Zinken, ein Holzinstrument, das das schwer einstellbare Kuhhorn ersetzt hat:
und schließlich die Naturtrompete, mit der er die stündlichen "Türmerkonzerte" gibt:
Am ersten Tag seiner Urlaubsvertretung hat ihn die Morgensonne in seinem Turmzimmerbett ganz früh geweckt und da hat er schon um sechs Uhr sein erstes Konzert gegeben.
Das ist Zittau von oben und etwa da, wo die Kirchturmspitze hinweist, werden wir morgen weiterfahren. Rechts davon kann man das Zittauer Gebirge sehen:
Und jetzt ich:
Mal sehen, was mir Friederike noch "übrig gelassen" hat. Im Grunde nur ein paar Nachträge.
Der Schaufelradbagger:
Mit Namen SRs 1452 ist zwar gewaltig, aber natürlich Geschichte. 1961 gebaut und bis 2000 in Betrieb. Heute sind die Dinger natürlich viiiel größer und putzen die Landschaft viel effizienter weg.
Wobei 34m Höhe, 75m Länge und 2.000 Tonne Gewicht nicht gerade wenig ist.
So viel "Größe" verdient noch ein Foto, oder?
Der Berzdorfer See, an dem das Monstrum steht, ist übrigens geflutetes Tagebauareal und ca. 1.000 ha groß.
Das Kloster St. Marienthal ist auch wie Neuzelle, völlig untypisch für die Gegend. Wieder dieser Böhmische Einfluss. Barock und stellenweise schon etwas "Nazarenerkitschig" im 19.Jahrhundert "bearbeitet". Als "nach der Wende" die Klosteranlagen komplett renoviert waren. Kam das 2010er Hochwasser und da stand alles wieder meterhoch Unterwasser. Heute sieht man davon nichts mehr. Das ging anscheindend superschnell mit der Schadensbeseitigung.
Hier in Zittau sind wir ganz Nähe des Dreiländerecks.
Zittau, das sieht man noch heute, war eine reiche Stadt. Tuchhandel und Leineweberei, sowie der Salzhandel bildeten die Grundlage.
Gerade noch so, sind wir in die Hl.Kreuz Kirch gerutscht, um 17:00 machen hier alle Museen zu.
Das war Glück, denn sonst hätten wir eine der Attraktionen der Stadt nicht zu sehen bekommen, das große Fastentuch.
Wieder mal die Reiseführer "Größten"-Angaben: Größtes Fastentuch überhaupt -56 m², 90 Einzelbilder - in der größten Glasvitrine der Welt ( "Guinessbook der Weltrekorde" - wird natürlich überall erwähnt).
Was ein Fastentuch ist, wusste ich bisher nicht. Habe ich auch noch nie eins gesehen. Das waren die Tücher, mit denen man an Aschermittwoch, oder spätestens in der Karwoche, den Altar und alle Kreuze verhängte. An einigen Orten hat man den ganzen Altarraum verhängt, so ein bisschen wir in der orthodoxen Kirche durch die Ikonostase, der Gottesdienst fand dann hinter dem Tuch statt.
Diese Bilder sind schon sehr beeindruckend, auch wenn die gestrengen Kunsthistoriker vor Ort, ein bisschen an der Qualität der Bilder rumgemäkelt haben, aber gerade diese "unrunde" Darstellung macht ja heute seinen Reiz aus.
Nach der Reformation sind fast alle Fastentücher verschwunden, weil sie als papistisch galten, so dass nur wenige erhalten geblieben sind.
Auch vom Zittauer wäre beinahe nicht mehr viel übrig geblieben. Nach dem 2.Weltkrieg haben Soldaten der Sowjetarmee sich Schwitzhütten in Zittau gebaut und das Fastentuch zerschnitten als Saunatücher benutzt. Einem Teil des riesigen Tuches ist das nicht gut bekommen. Aber letztendlich war es vielleicht sogar die Rettung, dass die Soldaten den wahren Wert nicht erkannten, denn sonst wäre das Tuch vielleicht nach Russland gebracht worden.
Leider, - oder auch verständlicherweise- darf man in der Kirche nicht fotografieren,
Da muss man erst drauf kommen, dass dieser italienische Palazzo Prozzi im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien steht.
Ach ja, so hat heute Mittag Friederike skeptisch auf die Berge geschaut, die sich langsam vor uns auftürmten. Mal sehen was wir Morgen zu berichten haben:
Ach ja, so hat heute Mittag Friederike skeptisch auf die Berge geschaut, die sich langsam vor uns auftürmten. Mal sehen was wir Morgen zu berichten haben:













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