Freitag, 19. August 2016

39.Tag: Von Brambach nach Magdeburg



Ein schöner Morgen, nach Vollmondnacht, ein strahlend blauer wolkenloser Himmel. Auf zur Sachsen-Anhaltinischen Landeshauptstadt - Magdeburg.
Ich radle gemütlich los: Etwas spukt mir noch im Kopf herum.
"Das Bier ist von unserer Hausbrauerei aus Treuenbrietzen.." sagte die nette Bedienung auf den Elbterrassen.
Woher kenne ich den Namen Treuenbrietzen?
Ich überlege hin und her. Dann hab´ ich´s!
 "Sabinchen, war ein Frauenzimmer...",
genau!
 "...da kam aus Treuenbrietzen ein junger Mann daher.."
Gottseidank, die "große Rumpelkammer" zwischen meinen Ohren funktioniert noch!

Eines ist sicher, von allen ostdeutschen Bundesländern (wenn ich den Überblick nicht verloren habe, dann bin ich durch alle, - bis auf Thüringen, geradelt), haben die Anhaltiner die bisher besten Radwege. Nur ganz wenig Kopfsteinpflaster, wenn Betonplatten, dann gekonnt gefugt bzw perfekt auf Stoß gelegt. Da macht Radeln Spaß. Zwar bekomme ich die Elbe nur gelegentlich zu sehen, aber die Wege durch die riesigen Wälder und dazwischen durch  großen steppenartigen Grasflächen im Biosphären Reservat  Mittelelbe das ist schon allerfeinste Sahne.


Dann wieder lange Passagen durch den Wald.
Mittendrin dies:


Sollte es jetzt schon wieder mit den "Parklandschaften" losgehen. Nein, ein Eingangstor! Das war´s.
Das ist alles was vom Schloss Friederikenberg übrig geblieben ist. Gebaut wurde es im Auftrag von Fürst Carl Wilhelm von Anhalt-Zerbst, dem aber bald  das Geld ausging,

Dann wieder die Elbe.


Meine 11:00 Uhr Banane ist heute eine Birne. Etwas wehmütig starre ich auf die wunderschöne Badestelle an der Elbe - und sehe, - nix! Außer eine "potentielle" Badestelle.

Der Vormittag vergeht wie im Fluge. Die etwa 70 km bis Magdeburg sind bis 14:30 abgeradelt. Das Kulturprogramm kann beginnen. Magdeburg hat ja eine große Geschichte, - aber auch eine große Geschichte der Zerstörung. Schon im 30jährigen Krieg ist kein Stein auf dem anderen geblieben.Von der danach erbauten  historischen Bausubstanz ist 90 %  im 2.Weltkrieg zerstört worden.
Und so wurde der Magdeburger "Prachtboulevard" die Breite Straße in einer Mischung aus Plattenbau und Nachwende-Karstadt-Kaufhof Bausünden doppelt bestraft. Die  Kette von romanischen Bauten entlang der Elbe wirkt ein wenig an den Rand gedrängt,  


Das ist der Dom. Dafür, dass es innen protestantisch "aufgeräumt" ist zahle ich keine 2,-€  für die Fotografiererlaubnis.
Die anderen Kirchen haben nicht einmal auf.


Richtig gut gefallen hat mir, dass sich Magdeburg seiner großen Tradition im Bereich der Bildhauerei bewusst ist und wirklich tolle Kunst im öffentlichen Raum aufgestellt hat. Es ist ja auch im "sozialistischen Realismus"  große Kunst in der DDR entstanden.
Also nicht nur der Magdeburger Reiter,


Das ist eine Kopie, das Original steht im Museum, für das die Zeit leider nicht gereicht hat. "Der Magdeburger Reiter ist das älteste freistehende Reiterdenkmal", so die superlativsüchtige Touristeninfobrochürenprosa.
 oder der Magdeburger Roland! 
Hat man mal einen entdeckt, steht an jeder zweiten Ecke einer:


 Sondern wie gesagt auch interessante Kunst der DDR


So die Käthe Kollwitz von Gustav Seitz vor dem Kunstmuseum im Kloster zu unseren Lieben Frauen.
Seitz hat in Karlsruhe an der Kunsthochschule studiert, war Professor an der TU, in Westberlin. Als er Aufträge in der DDR annahm und auch noch den Staatspreis der DDR bekam, hat man ihn - zu Zeiten des Kalten Krieges - von seiner Professur an der TU suspendiert. Er lehrte dann weiter in Hamburg und war auch auf einer Documenta vertreten.
- Spanennde Biografie, der muss ich noch nachgehen.


Sehr präsent im Stadtbild ist auch Heinrich Apel.


Hier seine Raum-Zeit Maschine am  Kloster zu unseren Lieben Frauen. Er hat auch die Portale an mehreren Kirchen geschaffen,


  Der Faunbrunnen ist von ihm, und die Kopie des Magdeburger Reiters auch. Ein sehr vielseitiger und interessanter Künstler, von dem ich ehrlich gesagt bis heute nichts gehört hatte.

Den stärksten Fußabdruck im "Platteneinerlei" der "Breiten Straße" und dem Zentrum hat jedoch Hundertwasser hinterlassen. Die "Grüne Zitadelle" ist sein letztes und größtes Projekt. Man muss den Architekten Hundertwasser nicht mögen, aber Magdeburg hat er gut getan.


Eigentlich wollte ich ja noch in die Ausstellung im Kloster gehen, aber dann viel mir ein, dass ich vielleicht langsam mal drum kümmern müsste, wie ich aus Hamburg, wo ich hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft einzuradeln gedenke, wieder nach Engen komme.
Eigentlich wollte ich nur mal kurz "buchen" - doch zu meinem Schrecken stelle ich fest. Nächste Woche sind fast alle Züge, die Fahrradmitnahme haben, ausgebucht.Über 2 Stunden klicke ich mich durch eine idiotische Benutzeroberfläche der Bahn in die ich jedes Mal eine komplette Buchung eingeben muss,bis ich erfahre, dass die Fahrradplätze in diesem Zug schon belegt sind.
"Wollen Sie diese Buchung ohne Fahrrad vornehmen?" "Ohne mein Fahrrad gehe ich nirgendwo hin!!!"
So etwas blödes aber auch. Gut, ok, ich könnte mich auch per Regionalexpress durch die Republik zuckeln, - aber wenn ich schon 10-12 Stunden mit RE und IC kombiniert brauche, wie lange wäre ich dann nur mit RE unterwegs!
Aber zum Glück fielen mir meine beiden Hamburger Nothelfer ein, Barbara und Klaus, sind gleich zum Bahnhof geradelt und haben in der Tat am nächsten Wochenende noch einen Zug gefunden, der noch ein Fahrradplatz frei war ! Hurra!
Barbara und Klaus, ihr seid meine Helden!

Aber für Museen ist es jetzt zu spät, macht nichts!
Dann gehe ich jetzt eben Essen.

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