Samstag, 20. August 2016

40.Tag: Von Magdeburg nach Tangermünde



Es soll heute schlechter werden, das Wetter! Also lieber los, so lange der Himmel blau ist und die Sonne scheint. 
Rüber über die "Friedensbrücke" und zum Abschied noch einmal großes Magdeburger Skulpturentheater


"Für Daphne", Skulptur von Auke de Vries. Die Arbeiten des Künstlers aus Den Haag, stehen in ganz Europa. Ich habe bisher nur Fotos gesehen. Die filigranen und spielerischen Großskulpturen gefallen mir sehr. Magdeburg hat sich diese 2002 geleistet. Gute Entscheidung.

Es geht flott voran. Den Rückenwind spüre ich zunächst kaum.
Ziemlich flott erreiche ich Hohenwarthe. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung was mich hier erwartet! 
Das europäische Wasserstraßenkreuz Magdeburg!
Sagt mir immer noch nichts.
Dann die "Trogbrücke".


 Ok, kenne ich schon aus Frankreich. Diese Wasserstraßenbrücke geht über die Elbe.  


Mit der Doppelschleuse Hohenwarthe wird der Elbe-Havel-Kanal mit dem Mittellandkanal verbunden. D.h. Schiffe werden mit den Schleusen auf das Niveau der Brücke gehoben. 

Wie man sehen kann,  wird Berlin auf diesem Wege seinen Schrott los:


Ich bin etwas verwirrt. Also der Elbe-Havel-Kanal geht über die Elbe hinweg. Wie kommen die Schiffe dann in die Elbe?

Mit einem Radlerpaar stehe ich vor der Informationstafel. Also der Mittellandkanal verbindet Rhein, Weser, Elbe und Havel. 2003 wird die "Trogbrücke" eingeweiht. "Das war Schröders Lieblingsprojekt", erklärt ein freundlicher Magdeburger, der sich in unsere Diskussion einmischt. "Zum 10jährigen der Wiedervereinigung haben sie mit dem Bau begonnen." Verstehe, der alte Hannoveraner wollte damit seiner Stadt was Gutes tun. Aber noch einmal, wie kommen die Schiffe in die Elbe und nach Magdeburg?


Jetzt wird es klar, Hinter der Brücke kommt die "Sparschleuse  Rothensee" In einem Schiffsaufzug, werden die Schiffe runter zur Elbe gebracht. Aber ganz ehrlich, warum man Schiffe hochhieven muss, um sie über eine Brücke über die Elbe zu bugsieren, um sie dann, wieder runterzuschleusen, das verstehe ich nicht ganz? Wozu der Aufwand?
Und was eine Sparschleuse ist habe ich nach den Bildtafeln immer noch nicht verstanden. Da muss ich Nachhilfe nehmen.

Liegt wohl daran, dass der Mittellandkanal etwa 18m höher liegt, als der Havel-Elbe-Kanal und diese Verbindung die wichtigere ist. Die Verbindung wieder hinunter zur Elbe ist sozusagen ein bypass.
Was man alles ganz im "Vorbeifahren" lernen kann. War wirklich interessant.
Es gibt noch eine alte Schleuse, die zur Elbe runterführt, die Niegripper Fähre, die ist nur noch für Sportboote geeignet.


Jetzt aber genug gelernt. Bis Tangermünde ist es noch ne ganze Ecke hin!
Und siehe da!


Heute steht zum ersten Mal "Hamburg" auf dem Wegweiser! "Es geht dagegen!"

Bald komme ich an die Rogätzer Fähre, ich wechsle hier die Seite, denn Tangermünde liegt auf der Westseite.


Und jetzt muss ich doch auf meine heutigen "Plagegeister" eingehen. Ich habe mal wieder eine Radlergroßgruppe an der Backe - oder an der Hacke.
Immer wenn ich halte - um Tai Chi zu machen - eine Rotte Holländer will auch Pause machen. Und die Gruppe ist ehrlich gesagt ein bißchen ätzend. Furchtbar laut, furchtbar witzig!
Ich komme an den Schleusen an. Keine 10 min später kommen die Holländer. Und es wird wieder voll.
Und in Rogätz, mir fährt die Schleuse quasi vor der Nase weg, ich muss warten - und wen höre ich schon von Ferne. "Meine" Holländer.
Stundenlang fährt man muttermausallein durch Wälder und Weideland, und auf einmal ist man wieder von lärmenden Holländern umzingelt. Ich meine in Holland verkaufen sie doch Hörgeräte, da muss man nicht so schreien!
Runter von der Fähre und nix wie weg! 
Dann steht die Kaffeepause an. Ein lauschiges Plätzchen an einem Campingplatz, ich fahre ein. Setze mich, bestelle Kaffee, Kaffee kommt - und meine Holländer auch! Ich fasse es nicht. Sie wollen hier auch Pause machen - und machen ziemlich Stress. Der Kellner ist schon nach ein paar Minuten genervt. Ich trinke den Kaffee zügig aus, lege das Geld hin und verschwinde! 
Nix wie weg!
Und jetzt fange ich an zu fliegen! Dank "Hildegund"!
Heute habe ich hautnah miterleben dürfen, wie das mit dem Wind und den Tiefdruckgebieten funktioniert. Das "Sturmtief Hildegund" liegt über den Britischen Inseln - heute soll ja Regen kommen! Und ich sehe auch dunkle Wolken links von mir. Bis es aber so weit ist, ist Hildegund meine Freundin. Sie dreht sich gegen den Uhrzeigersinn. Das Tief liegt westlich von mir. Ich will nach Norden, also bekomme ich den Wind auf der "rechten Hälfte" des Tiefs von Hinten, genial!"
Und das den ganzen Nachmittag ( na ja, nach Buch hat mich die Straße im Stich gelassen, ist nach links ausgebrochen, und da habe ich dann auf einmal fast Gegenwind gehabt, aber das waren ein paar hundert Meter). 
Obwohl es heute wieder um die 75 km waren, bin ich schon kurz vor 15:00 in Tangermünde. 
Der Ort ist die 2.positive Überraschung des Tages. Ich habe mir meine Übernachtung eher aus entfernungstaktischen Gründen ausgesucht und nicht nach kulturellen Highlights. Tangermünde hat mir bis heute nichts gesagt. 
Um so größer die Überraschung
Eigentlich hatte ich beim Blick auf die Karte eher erwartet, dass bis Hamburg eher die Naturschauspiele in den "Biosphärenreservaten" und Naturschutzgebieten im Vordergrund stehen würden. Weniger Romanik, Gotik, keine Kursächsischen Postmeilensäulen mehr (von den 22 habe ich bestimmt die Hälfte gesehen - Ein herzliches Dankeschön in diesem Zusammenhang an Herrn S aus E, für seine hilfreichen Ergänzungen und ermutigenden Kommentare!!)
Und dann Tangermünde!


Tangemünde die Hanse - und Kaiserstadt ist ein wahres Schmuckkästchen.
Hansestädte gibt es in dieser Gegend einige. Stendal, Havelberg, etc. 
Aber Kaiserstadt?
Gut das Mittelalterliche Ensemble ist beeindruckend, auch wenn nicht alles wirklich "mittelalterlich" ist.




Das Rathaus. Ein wirklich sehr schmuckes Städtchen. Aber was haben sie mit Kaisern zu tun.
Tatsächlich, die Burg  hat eine zeitlang Karl IV gehört, der sie zu einer Sommerresidenz ausgebaut hat. Der König von Böhmen hat im Gegensatz zu anderen, Ländereien auch mal gekauft, statt sie zu erobern. Brandenburg ist auf diesem Weg in sein "Reich" gekommen.


Jawohl, Brandborsko! "Wer weiß, wenn er ein wenig länger durchgehalten hätte wäre es auch noch zu Hamburgsko gekommen, und meine Hamburger Freunde wären Knödelesser geworden.
Karl IV, 
Der Vierte Karl gilt als einer der großen Kaiser - in Tschechien wird er als der Gründer der Nation "geehrt", die "Goldene Bulle" wahr bahnbrechend,  regelte das Wahlverfahren der Kaiser, und von seiner "Landordnung" profitierten die Herrscher in Brandenburg noch viele hundert Jahre später. Auf ihrer Grundlage haben Generationen von Herrschern ihre Steuern eingetrieben. Ja er war schon ein großer Kaiser - und Kaufmann, so schlau, dass er sogar das "Recht" auf Judenpogrome verkaufte. Das "Judenregal" regelte was mit dem Eigentum von Juden geschehen solle, wenn sie  ohne Erben verstarben, was natürlich bei "Pogromen" gar nicht so selten vorkam! Perfides Geschäftsmodell! Bis ins vergangene Jahrhundert hatte es quasi Bestand.




Wirklich ein tolles Städtchen.
St. Stephan ist ebenfalls beeindruckend. Ganz besonders die Scherer Orgel aus den 1620ern, die heute noch spielbar ist. Mehrfach restauriert. Fachleute behaupten, dass der Klang dem Ursprungsklang sehr nahe komme. Immerhin sind noch über 50% der Ursprungsorgelpfeifen erhalten und im "Einsatz".





In Tangermünde gibt es viel zu entdecken.
Und dann fängt es tatsächlich an zu regnen. Ich sitze warm und trocken - und hoffe, dass Morgen der "Spuk" wieder vorüber ist.



Auszug aus: "Betrachtungen zur  Kulturgeschichte des 20.und 21.Jahrhunderts" - auf der Basis der "Engener Festplatte von Morfrad M%ller-Harter" dem sensationellsten Fund der neueren Archäologie, Insel Chäserrugg, 2849, 12.Auflage, S.710 ff.

"Mensch und Natur im 21.Jahrhundert" Kapitel 3: Die "Clearwater- Bushwinkel" Kontroverse"

Auf dem Höhepunkt ihrer akademischen Karriere, als ihre Thesen zu den beiden grundlegenden Typen der Glaubenswelt der landgestützten Kulturen des 20.u.21.Jahrhundert als unumstritten galten, trat Barney Bushwinkel mit neuen Interpretationen der M%ller-Harterschen Bilddateien auf. Er bestreitet die grundsätzliche Richtigkeit der Clearwaterschen Entdeckungen nicht. Er ergänzt sie sogar durch zahlreiche Beispiele:
Er zeigt, dass die Verehrung Heiliger Bäume, durchaus etwas humorvolles haben konnte.

Er wirft Clearwater aber vor, Bilder, die nicht in ihr "Zoophylie und Dendrophylie" Schema passen, bewusst verschwiegen zu haben.
Denn wie erklären sich Bilder wie diese:


An versteckten Plätzen so dokumentiert M%ller-Harter lagern zerhackte und zersägte Bäume in großen Mengen


Die Beweislage ist erdrückend. 
Die Clearwatersche Zweiteilung ist nicht aufrecht zu halten. Ganz offensichtlich hat es auch Dendrophobe Richtungen gegeben. Ob Bushwinkels These, dass Zoophylie  mit Dendrophobie verbunden ist, 



ist in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskussion äußerst umstritten. Bushwinkel folgert, dass hier ein "heiliger Baum" vom Totemtier eines Zoophilen "besetzt" - oder vielleicht sogar überwunden wurde. Hat hier der "Tierfreund" über den "Baumfreund" triumphiert. Hat hier der "Eulen-Clan" gegen den "Kiefernclan" obsiegt? Wurden hier "symbolische Stellvertreter- Kriege" geführt?
Bilder diesen Typs finden sich in der Tat in großer Zahl auf der "Engener Festplatte".
Bushwinkels Schüler Atanasius Gülfenbein geht sogar noch weiter und behauptet, dass Clearwaters Bilder, die sie als Beweis für Zoophylie zitiert, in Wirklichkeit Trophäen von 
Zoophoben sind. 

Noch deutlicher sind Wandmalereien, die sich in M%ller-Harters Bilddateien in großer Zahl finden.



Bilder wie diese, da muss man Bushwinkel und seinen Schülern recht geben, sind eindeutig aggressive Akte gegen Tiere. 
Die Clearwater-Bushwinkel Kontroverse weitete sich in den folgenden Jahren enorm aus.
Heidenreich et.al. weisen die Bushwinkel Koppelung, dass Dendrophile auch Zoophob seinen bzw. Zoophile - dendrophob seien entschieden zurück und weiten das Schema, auf insgesamt 9 Kategorien aus.
Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand befinden sich sowohl Clearwater als auch Heidenreich derzeit in psychiatrischer Behandlung, wo sie sich von ihrer extrem belastenden Forschungen erholen. Wir übermitteln  im Namen der ganzen Redaktion der "Betrachtungen..." von dieser Stelle unsere allerherzlichsten Genesungswünsche.



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