Karte bis Wittenberg
Die Pension Werner in Torgau ist sehr empfehlenswert. Besonders der Frühstücksraum hat Stil. Ein Gartenhäuschen im Hinterhof. Ein großer runder Tisch, in der Mitte alles aufgebaut, was das Frühstücksherz begehrt. Mit mir sitzen noch zwei Radler Ehepaare am Tisch, man kommt schnell ins Gespräch. Ein Münchner Ehepaar ist bis Vrchlabi mit der Bahn gefahren und fährt jetzt auch die Elbe abwärts. Sie wollen heute auch bis Wittenberg.
Es ist sonnig aber ganz schön kalt. Viele Radler sind unterwegs.Wittenberg ist nach Dresden ein weiteres Highlight auf dem Elberadweg. Nach und nach werden es aber weniger, beliebter scheint rechte Seite zu sein. Auch recht, habe ich schon meine Ruhe.
Auf einer Wiese stehen mindestens 30 Kraniche, recht nahe, dann fliegen sie auf und bilden ihren "Winkel",
Dann kommen "lauschige Seen" - Das wäre was für dich gewesen, Friederike!
Du hättest dich nicht einmal durch seinen Namen abschrecken lassen - ich schon,
Du hättest dich nicht einmal durch seinen Namen abschrecken lassen - ich schon,
"Großer Lausiger Teich" - das ist doch fies. Dabei ist es ein wirklich schöner See!
Ein sehr beschaulicher Radlertag, Nichts was ich gesehen haben müsste, gute Wege. Für den Blogleser langweilig - für mich wunderschön.
Aber dann kommt der Augenblick, auf den ich den ganzen Morgen gewartet habe:
Die 2.000 km sind geschafft!
Aber ohne meinen Partner, der auf dieser Tour bisher so einiges einstecken musste, wäre das natürlich nicht möglich gewesen:
Obwohl es einiges über 70 km nach Wittenberg sind, laufe ich früher ein als erwartet, um so besser. Hat in Torgau ein Nachmittag kaum gereicht, so braucht man für Wittenberg natürlich um so mehr Zeit.
Also kurz geduscht, umgezogen und "Kulturprogramm". Natürlich ist Wittenberg schon jetzt im Luther-Feier-Modus. 1517 hat er ja hier die Thesen an die Schlosskirche geschlagen. Aber von dieser Kirche ist nichts mehr übrig. Auch vom Nachfolgemodell ist so gut wie nichts erhalten. Der jetzige Bau wurde 1892 begonnen ist ein ziemlich kitschiger historistischer Protzbau, der wenig "lutherisches" hat. Der Turm mit dem umlaufenden Schriftband, "Ein feste Burg..." erinnert mich ziemlich an die Zigarettenfabrikmoschee in Dresden - beide sind fast zeitgleich entstanden.
Aber trotzdem die "Pforte" an die gar nichts angeschlagen wurde,
muss trotzdem sein.
Aber Wittenberg ist ja nicht nur Luther und Melanchtonstadt, sondern natürlich auch Cranachstadt!!
Das Cranachhaus und der Cranachhof, mit den Gebäuden der Werkstatt ist noch erhalten, ein tolles Ensemble.
Und da sitzt er, der Lucas Cranach der Ältere.
Im Hauptgebäude ist jetzt eine Schaudruckerwerkstatt. Da konnte ich nicht rein.es fand gerade eine Vorführung statt.
Das Konzept der Cranachhäuser hat mir sehr gut gefallen. Nicht museales Weihrauschschwenken, sondern Raum für Kunst und Künstler. Es gibt Malsäle für Klassen. Die oberen Stockwerke sind Ateliers für Gastkünstler. Nicht schlecht.
Die Künstlerin war anwesend. Ganz leise bin ich rückwärts wieder runter.
Dann muss ich mich entscheiden. Die Geschichte der Cranachs in Wittenberg im Stehen lesen oder eine hochkarätige bestückte Ausstellung über "christliche Botschaften im 20.Jahrhundert"- von "Chagall bis Beuys" - ich entscheide mich für die Grafikausstellung.
Ich war wirklich gespannt, welches Konzept hinter der Ausstellung steckt. Große Namen allein machen noch keine schlüssige Ausstellung. Und große Namen haben sie wirklich zu bieten. Aber da hängt alles wild durcheinander, auch wenn nach Themen sortiert worden ist.
Aber was ist der Erkenntnisgewinn? Dass es gläubige und nicht-gläubige Künstler im 20.Jahrhundert gab. Dass es Künstler gab, die sich eher mit der Kunstgeschichte auseinandersetzten und weniger mit dem Christentum.
Mal ist es Provokation,
mal spüren Künstler ernsthaft anhand biblischer Themen, menschlichen Grundfragen nach, und nur ganz ganz wenige haben "christliche Botschaften"-
Wie der arme Marc Chagall in diese Sammlung gerutscht ist, weiß ich eigentlich nicht. Er gestaltet die Themen des Alten Testaments nicht Christlich, sonder Jüdisch. Abraham und David sind nun mal auch im Judentum zentral. Und kein Christ sollte sich erlauben, mit den "Shtetljuden" Chagals das Alte Testament zu illustrieren.
Sei´s drum einzelne Arbeiten sind wirklich toll gewesen. Vor allem habe ich mich über einen alten Bekannten aus Tübinger Zeiten gefreut. Es war ein ganzer Zyklus von HAP Grieshaber dabei, vom Alten von der Achalm.
Und dann natürlich noch die Stadtkirche
St. Marien, deutet ja schon an, dass es sie schon vor der Reformation gab.
Hier hat Luther ab 1514 2 x die Woche gepredigt. Sein Kanzel ist aber nicht mehr in der Kirche, sondern im Lutherhaus - warum kann ich nicht nachvollziehen.Und hier hat er auch die erste Messe in deutscher Sprache gehalten.
Durch die vielen Cranachs wirkt die Kirche auf den ersten Blick überhaupt nicht protestantisch.
Doch der berühmte Cranach Altar thematisiert natürlich die Reformation. Nur die Taufe und das Abendmal zählen, so die Botschaft des Altars, der von Lucas Cranach dem Jüngeren stammt.
Und die Bedeutung des "Wortes" - der predigende Martin Luther verweist auf Jesus am Kreuz.
Für mich Süddeutschen, der sich besser mit dem Zuckergussbarock auskennt, sind diese Bilder spannend, "nachlesbare Geschichte".
Womit ich einfach nicht klar komme, ist die "17- Uhr- alles- zu" Mentalität hierzulande.
Als ich zum Lutherhof komme hat alles schon zu. Aber ist ja auch von Außen beeindruckend.
Sah zwar nicht ganz so aus, zu Luthers Zeit, da war der Innenhof ein Obst- und Gemüsegarten. Aber wer will den schon pingelig werden, das 19.Jh. hatte es halt mehr mit der Überhöhung.
Fest steht, dass hier Luther mit seiner Frau Katharina nach der Hochzeit eingezogen ist.
Und hier hat sie auch den Garten bewirtschaftet.
Nur der westliche Teil ist ist noch in der alten Substanz erhalten geblieben.
Jetzt ist aber gut mit Geschichte!
Ach ja, mein Telefonjoker hat mir tatsächlich weiterhelfen können. Die Rinder die ich gestern gesehen haben,
sind
Salers
Herkunft/Verbreitung
Die Rasse Salers gehört zu den ältesten Rinderrassen Frankreichs. Sie stammt aus den vulkanischen Bergen des französischen Zentralmassivs und gehört zum Rasseblock des europäischen Rotviehs.
Das Salers-Rind wird in Europa als eine der ältesten und genetisch reinsten angesehen.
Danke Valle! Super!
Auszug aus: "Betrachtungen zur Kulturgeschichte des 20.und 21.Jahrhunderts" - auf der Basis der "Engener Festplatte von Morfrad M%ller-Harter" dem sensationellsten Fund der neueren Archäologie, Insel Chäserrugg, 2849, 12.Auflage, S.424ff.
"Mensch und Natur im 21.Jahrhundert" Kapitel 1:
Wenden wir uns nun dem umstrittensten und schwierigsten Kapitel der Erforschung der landgebundenen Kulturen des 20. und 21.Jahrhunderts zu. Die Bilddateien Morfrad M%ller-Harters verweisen auf ein hochkomplexes Glaubens- und Verhaltenssystem des 21.Jahrhunderts.
Über mehr als 2 Jahrzehnte hat sich Carolyn Clearwater vom Palo Alto Institut mit den Bilddateien zu diesen Themenstellungen beschäftigt und ihre Systematisierungen bildet die Grundlage der heutigen Forschung.
Sie geht davon aus, dass es neben den bereits ausgeführten grundsätzlichen Einstellungen zur Natur 2 grundsätzlich unterschiedliche "Menschentypen" gab.
Sie bezeichnet sie als Zoophyle und Phytophile.
Tierfreunde beziehungsweise Pflanzenfreunde.
Zoophyle umgaben sich mit Tieren und Tiersymbolen.
Das Tier stand für diese Menschen im Mittelpunkt. Sie schmückten ihre Wohnumgebung mit Tieren und ließen sich auch vom Tier leiten.
Clearwater konnte anhand unzählig ähnlicher Bilder der Engener Festplatte nachweisen, dass eine bestimmte Tierart, wir vermuten, das es sich um canis lupus familiaris handelt, der die Rolle eines "Leit-Tieres" einnahm. Menschen ließen sich von ihnen zu bestimmten Orten führen. Clearwater zieht daraus den Schluss, dass es sich um eine Art Orakel gehandelt haben muss, nach welchem die Menschen ihre Alltagshandlungen ausrichten.
Bilder, wie das obige, lassen keinen anderen Schluss zu, als dass hier das Tier den Menschen führt, und der Mensch ihm bedingungslos folgt, in der Hoffnung "den rechten Weg zu finden".
Im nächsten Kapitel werden wir uns mit den Phytophylen beschäftigen.
Bis Morgen!




















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