Montag, 8. August 2016

28.Tag von Hradec Králové nach Kolín


Wieder ein Wow-Tag! Gestern ein Wow-wie-toll-Tag. 
Heute ein Wow-das-darf-doch-nicht-wahr-sein-Tag!
Gestern 9 von 10 Punkten. Überall Radwege, überall Schilder entspanntes Fahren.
Heute ein 4 von 10 Punkten. Keine Radwege, keine Schilder immer wieder Stress
Und die Hitze.

Aber fangen wir von vorne an.

Es begann eigentlich ganz witzig. Ich sitze im Restaurant des Hotels Adalbertinum und rühre mir mein Müsli an. Da kommt eine sehr große sehr sportliche Dame in rotem Jersey herein. Setzt sich an den großen Tisch.
Dann kommen 2, 3, 4,5,6,7,....nach und nach immer mehr junge, sehr große, sehr schlanke, sehr sportliche Mädchen in dem gleichen roten Outfit herein. Ignorieren die sehr große, sehr sportliche Dame und setzten sich an andere Tische. Aber es ist ganz offensichtlich, dass einige der sehr großen, sehr sportlichen jungen Mädchen auch nicht mit jeder können. Eine Choreographie des "wer setzt sich zu wem an den Tisch, und wenn X sich zu Y und Z setzt, warum nicht zu mir?? Hallo!!"
Die sehr große, sehr sportliche Dame ist offensichtlich die Trainerin. Sie mag niemand. Das ist klar. Ich hätte auch etwas Angst vor ihr. Die braucht keine Peitsche, da genügt es schon, wenn sie eine Augenbraue hoch zieht. . An den Tischen wird wenig und sehr leise gesprochen. Jedes der Mädchen hat eine andere Dose dabei, aus der sie sich ihr Frühstück mixt. Ich habe keine gesehen, die sich am leckeren Büfett bedient hätte,
So viel Drama schon zum Frühstück. Ich war begeistert! Ein Film ohne Worte!

 Aber warum kommen sie hierher, und ziehen heute wie ich weiter? Würde mich interessieren, welche Sportart die Damen betreiben. Hochsprung wäre denkbar, oder irgendeine andere Leichtathletik-Disziplin. Habe ich leider nicht erfahren.

In der Zeit, da die sehr großen, sehr sportlichen jungen Mädchen in ihren roten Trikots den Speisesaal füllen, sinkt die Raumtemperatur merklich. 
Es könnte aber auch sein, dass die Klimaanlage eingeschaltet worden ist.

Aus der Stadt finde ich ziemlich schnell heraus. Es stellt sich aber auch schnell fest, dass Radwege Fehlanzeige sind. 
"Elbe/Labe" wo bist du?"
Flussradeln Fehlanzeige. 
Es herrscht zwar wenig Verkehr, aber schön radeln geht anders.
Eine zeitlang umrunde ich die Burg Kunetická. Schöner Anblick. Wurde vom Hussiten Hauptmann Borek ausgebaut, und hat auch im 30jährigen Krieg eine Rolle gespielt.
Mir genügt der Blick von Unten:


Um 10:00 ist es schon knackig heiß. Der stramme Gegenwind, der mir den ganzen Tag entgegen bläst, bringt nicht wirklich Abkühlung.

Knapp vor Pardubice eine schöne Überraschung. Ein Radwegschild zeigt zur Elbe. 5 schöne Kilometer auf dem Deich.


Pardubice ist im Olympischen Fieber. Sie bieten Freizeitsportlern und Kindern die Möglichkeit Olympische Disziplinen auszuprobieren. 


Ein junger Mann, den ich nach dem Weg frage, erklärt mir, dass man eine Woche lang verschiedene Disziplinen ausprobieren kann und dann an einem "Wettkampf" teilnehmen kann. Finde ich eine schöne Idee. Die Stadt ist aktiv.
Pardubice hat auch ein schönes Schloss und eine schöne Altstadt.





Aber leider überhaupt keine Radwegschilder. Ich irre außerhalb der Altstadt  herum. Der eine schickt mich in die eine Richtung, der andere schüttelt den Kopf und meint ich solle da lang fahren.
Dann ist es mir zu blöd. Ich sehe, dass ich am Bahnhof vorbei muss, und dann Richtung Svitkov. Gut gedacht. Aber jetzt verstehe ich auch warum meine Auskunftgeber etwas hilflos wirkten. In meine Richtung gibt es nur eine gewaltige Baustelle, wo immer ich versuche weiterzukommen, sind die Wege gesperrt. Shit aber auch. Und es kommt noch schlimmer. Ich komme nicht heraus aus dem Baustellenchaos und lande auf einer viel befahrenen Baustellendurchfahrt. Lastwagen hinter mir, Lastwagen kommen mir entgegen. Und es geht auch noch in die falsche Richtung. eine Lücke auf der Gegenfahrbahn nutze ich und fahre mit einem kühnen Schlenker in das Schotterbett der Baustelle hinein. Denn ich habe gesehen, dass die Brücke, unter der ich beinahe durchgefahren wäre, genau in meine Richtung geht. Ich schiebe die noch nicht existierende Auffahrt auf die Brücke hinauf. Über die Brücke kann ich fahren. Und treffe meinen Retter. Einen Bauingenieur, der mich wohl schon beobachtet hat. Er erklärt mir, wie ich auf den Radweg Richtung Kolín komme.



Die nächsten Kilometer sind in etwa so prickelnd, wie damals die Ausfahrt aus Lyon, immer den Zaun an einer riesigen Petrochemischen Anlage entlang. Dann am Bahngleis. Und dann habe ich den Radweg wieder verloren und muss noch einmal auf eine Art Bundesstraße. Doch sie hat einen sehr breiten Randstreifen, ich komme voran. Nach etwa 10 km kommt  mal wieder ein Radwegschild.
Geht doch. Die nächsten Kilometer sind entspannt. Und an einem schönen Badesee mache ich Mittagspause:


Es ist schön, im Schatten am See! Die Badehose? Ach, die ist ganz, ganz unten. In welcher Tasche, keine Ahnung! 

Und dann kommt doch noch eine schöne Überraschung. Das Nationalgestüt von Kladruby. Gerade habe ich nachgelesen, es soll das älteste Großgestüt der Welt sein. Hier werden die "berühmten" altkladubischen Pferde gezüchtet, von denen ich noch nie gehört habe. Eine sehr alte Rasse, die heute noch vom schwedischen und dänischen Hof  für Zeremonielle eingesetzt wird. 
"Älteste, Größte, Erste.." die Reiseführerprosa ist mir so was von schnurzegal.  Mir hat es einfach gut gefallen an den vielen Koppeln vorbeizufahren, und den  Pferde zuzusehen. Vor allem die Fohlenkoppeln haben mich fasziniert. Altkladrubier gibt es als Schimmel und als Rappen. 
Was mich allerdings verblüfft hat, dass auf der Koppel alle Schimmelstuten, schwarze Fohlen hatten.


Könnte es sein, dass Schimmelfohlen dunkel auf die Welt kommen und erst später hell werden? Vale kannst du mir helfen?

Vor Kolín geht es dann noch einmal auf eine Straße, die zwar nicht ganz so stark befahren ist. Aber der eine oder andere Lastwagen bringt mich doch aus dem Rhythmus. Vor allem gab es da noch einige knackige Anstiege. Mit mir waren noch andere Radfahrer auf der Strecke. 2 Dänische Paare habe ich immer wieder getroffen. Ihnen hat die Hitze schwer zu schaffen gemacht.  

Nach deutlich über 80 km komme ich in Kolín an. Schönes Städtchen, 



Die Bartholomäus Kathedrale


Sehr schön von außen. Aber eine unschöne Überraschung: Hier macht fast alles um 17:00 zu. Geschäfte. Museen. 
Zum Glück haben noch einige Restaurants auf. Und: 


"Ich kann mir das überhaupt nicht erklären; eben war das Glas noch voll !"
Aber das habe ich mir heute wirklich  verdient. Und Flüssigkeitsausgleich muss sein.


17:00!!! Vielleicht sollten die Koliner mal wieder auf ihre berühmte Sonnenuhr schauen!!  "--solange die Sonne scheint!" Ihr Lieben, so lange die Sonne scheint!

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