Sonntag, 21. August 2016

41.Tag: Von Tangermünde nach Rühstädt



"Hildegund" zieht ostwärts. Ich radle aus Tangermünde bei Sonnenschein und kalter Morgenluft. Heute werde ich über weite Strecken durch das Biosphärenreservat Mittelelbe radeln.
Der Weg bis Arneberg ist "unterirdisch" schlecht. In Arneberg will der Elberadweg einen gewaltigen Schlenker ins Hinterland machen. Dabei gibt es ein wunderschönes kleines Sträßchen weiter der Elbe entlang. Ich unterhalte mich mit einer Joggerin, sie meint auch, "det vasteht keener". Ich bin sicher nicht mehr lange in  Sachsen-Anhalt, das hörte sich ganich mea sächsisch an.
Sonntag Morgen kleine Sträßchen, kein Verkehr. Ich komme gut voran. Bei Dalchau, an einer Info-Tafel treffe ich Marcel, einen Studenten aus Dresden. Er will Richtung Mecklenburgische Seenplatte. Gepäck hat er für eine Weltumrundung dabei. Wir kommen ins Gespräch und radeln zusammen weiter nach Havelberg. Bei Büttnershof mit der Fähre auf die andere Seite nach Sandau - gemütlich plaudernd sind wir im Nu in der "Hansestadt" Havelberg. Hier biegt Marcel ab. Ich mache Kaffeepause. Havelberg, Sonntag um die Mittagszeit, - hier scheint noch niemand wach zu sein. Die paar Gaststätten der Innenstadt sind noch nicht wirklich im "Betriebsmodus".


Die Stadtkirche, auf der anderen Seite der Havel ist sehr schön. 
Nach Havelberg wird die Strecke wieder spektakulär! Auch wenn "Hildegund" offensichtlich inzwischen über mich hinweggezogen ist, und ich jetzt auf der "falschen" Seite des Tiefs bin., soll heißen jetzt habe ich Gegenwind, - macht das Radeln durchs Biosphärenreservat entlang der Havel richtig Spaß. Ja richtig, ich radle auf dem Deich neben der Havel.


Die Elbe ist gleich hinter dem nächsten Deich. Über 10 km lang fließen die beiden Flüsse mehr oder weniger parallel. Die Mündung ist seit 1771 sukzessive immer weiter elbabwärts verlegt worden, um die "Rückstauhöhe" bei Hochwasser zu verringern und die Havelauen als Hochwasserentlastungs-gebiet zu nutzen. 
An der Havel ist  heute einiges los. Ich bin baff.


Ein Auto neben dem anderen. Was ist den hier los!


Und ständig - d.h. mindestens über 2 km verteilt, überhole ich solche "Wandersleut" oder sie kommen mir entgegen! "Es gibt doch Speditionen" wenn man umziehen will!
Einen der Herren spreche ich an. Hier ist ein Anglergroßereignis. Ein Wettangeln. Er ist von Wolfburg angereist, manche seien von noch weiter her. 
Unglaublich, was die Jungs dabei haben. Die Schubkarre ist gleichzeitig die Angelplattform, die sie aufbauen, und von der aus sie angeln. Angler ohne Ende. Mein Gesprächspartner zeigt mir eine seiner vielen Angeln, für die er 1.200,- € gezahlt hat. Ich bin von den Socken. "Ja, kann man sagen, ist ein teures Hobby". Allein zum Anfüttern hat er Futter für über 40,00€ in den Fluss geworfen. "Und war man erfolgreich?" Eine müde wegwerfende Handbewegung sagt alles. 
Nur Weißfische, nichts richtiges. "Am besten dran, sind die, die ganz außen an der Strecke sind." "Und wie kommt man an seine Position?" "Wird ausgelost." 
"Ja, und Startgeld muss man natürlich auch noch bezahlen. Aber man kann ja auch was gewinnen, diese Kiste", er zeigt auf eine Art Handwerkerkoffer, "habe ich bei einem anderen Wettangeln gewonnen, kostet so um die 400,00 €" - Ich schaue auf seine "Schubkarre", mannomann, der fährt da einige 1000€ durch die Landschaft, - und wofür? Um ein paar Weißfische rauszuholen.
Beinahe hätte ich ihm von Till und seinen Lachsen in der Tiefkühltruhe erzählt, aber dann dachte ich, "der Arme ist eh schon frustriert genug" und habe meine Klappe gehalten. Was bin ich froh, dass meine Söhne, keine durchgeknallten Wettkampfangler sind!!!!


Ich war völlig von den Socken, wie viel Geld Männer fürs Angeln ausgeben!
Ich schätze, hier waren mindestens 100 Angler zugange. Mein neuer Anglerfreund meinte, heute seien es wenige gewesen. In anderen Jahren wären es hier schon mal doppelt so viele gewesen.
"Und jetzt geht es zum Essen!" "Fisch?", frage ich. Er lacht, "Nee, hier gibt es jedes Jahr Schnitzel und Kartoffelsalat"

Dann kommt die Havelmündung


Und kurz danach habe ich auch schon mein heutiges Etappenziel erreicht ( Die knapp 70 km sind wie im Fluge vergangen).
Rühstädt, das Storchendorf. Es sei das storchenreichste Dorf Deutschlands. Über 40 Storchenpaare brüten hier jedes Jahr. In dieser Jahreszeit sind sie natürlich nicht mehr auf den Nestern. Aber losgeflogen sind sie auch noch nicht. In den Auwäldern um Rühstädt brüten übrigens auch Schwarzstörche.

Das ist das NABU-Storchen-Zentrum. Beeindruckender Bau. Mittelmäßige Ausstellung. Sicher schön für Schulklassen und Kindergruppen.
Dann mache ich mich auf die Suche nach meiner Unterkunft. Heute werde ich "standesgemäß" nächtigen



In Schloss Rühstädt. Das ist der Blick von meinem Fenster. Ich bin begeistert. Keine Angst Friederike, du musst die nächste Woche nicht von Pellkartoffeln leben (was dir garantiert nichts ausmachen würde). Ich habe es ja schon in Dresden gemerkt. Für die Nacht vom Sonntag auf Montag bekommt man selbst in Nobelherbergen "Schnäppchenangebote" - die Nacht muss die "tote Hose" der Hotellerie sein. Doch das Schloss Rüthstädt ist kein Nobelschuppen, - eher originell.


Das ist das Zimmerchen eures "von und zu"!


Alles ist vollgestellt mit Antiquitäten. Der Manager, - Ur-Badener aus Freiburg - erzählt ein bisschen vom Besitzer, der noch ein zwei andere Schlösser als Ruinen nach der Wende aufgekauft hat. Um sie wieder zu nutzen, mussten Millionen hineingesteckt werden. Die man erst einmal haben muss. Danach hat er seine Antiquitätensammlung auf seine Schlösser verteilt. 
Ob einer tausende von Euros in seine Angelausrüstung steckt oder Millionen in Schlösser und Antiquitäten, irgendwie sind sich die Spinner auf eine gewisse Art sehr ähnlich. 
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schloss Rühstädt "die Gelddruckmaschine" ist. So etwas muss man sich leisten können. Aber die Geschäftsführung ist sympatisch unkompliziert. Die Rezeption ist eigentlich kaum besetzt. Die Gäste werden gebeten, die Eingangstür immer abzuschließen, neben der Kaffeemaschine steht Kuchen - zur freien Verfügung und auf dem Getränkekühlschrank liegt eine Strichliste.
Jugendherbergsfeeling auf hohem Niveau.


 Da muss sich euer "von und zu" doch auf die Schlossterrasse setzten und in Erinnerung an meine sächsischen Freunde noch een Däschen Gafe dringen (heute bin ich über die Grenze nach Brandenburg gekommen) und ein Stückchen Kuchen essen.


Und danach noch eine Runde durchs Storchendorf.


An jedem der 40 Häuser, auf denen Storchen nisten ist eine Tafel angebracht, auf der vermerkt ist, wann die Störche in den letzten Jahren angekommen sind, wie viele Junge sie aufgezogen haben und wann sie wieder abgeflogen sind.


Nach diesen Angaben, sind die Störche  schon am Aufbrechen. In den letzten Jahren flogen sie immer zwischen dem 20. und dem 28.8. ab. Heuer sind sie noch da!
In einem ganz netten Dorfkrug,  habe ich super leckere Tagliatelle mit frischen Pfifferlingen gegessen! 

So schön kann Reisen sein!

(Ach ja, als ich heute Mittag angekommen bin, Taschen vom Fahrrad, Fahrrad in sein Domizil, kommt ein richtig heftiger Regenschauer runter - wieder mal Glück gehabt - toitoitoi)

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