Karte bis Litoměřice
"... und Alles und Alles und Alles war wiihiieder gut..."
habe zwar nicht "im Kreise der Lieben, im duftenden Grase" geruht, ganz im Gegenteil,
Aber angesichts dieses schönen Reisetages, könnt ihr den Refrain gerne mitsingen.
..Ist ja gut, ich höre ja schon auf.
Nein wirklich. ein toller, interessanter, abwechslungsreicher Tag.
Ich wache auf. Die Sonne scheint ins Zimmer. Doch es ist richtig kalt und bleibt den ganzen Tag kühl. Die Softshelljacke kann ich nur minutenweise ausziehen.
So übel die Anfahrt nach Melnik war, so freundlich werde ich verabschiedet.
Da muss ich doch freundlich zurück winken.
Der Radweg ist super. Gleich zu Anfang ein toller Platz für Tai Chi
Diese ansehnlichen jungen Schwämme sehen ganz appetitlich aus. Das wäre eine ordentliche Mahlzeit.
Ein paar Kilometer weiter
eine beeindruckende Säule mit Hochwassermarken. Der oberste Strich ist vom 30.Brezna 1845. Doch dann entdecke ich über der "Überschrift", gleich unter dem Dach, im Schatten, auf dem Bild ist das nicht zu erkennen. Aber vielleicht hier?
14.Spren 2002!! Wenn das so weiter geht, dann muss man beim nächsten Hochwasser, das Dach abnehmen und den Turm erhöhen. - Oder es dauert wieder 170 Jahre bis zum nächsten Hammerhochwasser. Was ich für eher unwahrscheinlich halte.
Hinter jeder Flußbiegung neue spektakuläre Ausblicke!
Auszug aus: "Betrachtungen zur Kulturgeschichte des 20.und 21.Jahrhunderts" - auf der Basis der "Engener Festplatte von Morfrad M%ller-Harter" dem sensationellsten Fund der neueren Archäologie, Insel Chäserrugg, 2849, 12.Auflage, S.112ff
"Ohne die Dechiffrierung der "Engener Festplatte" läge vieles des 20. und 21. Jahrhunderts im Dunkeln. Doch der scharfsichtigen Sammlung von Bilddateien Morfrad M%ller-Harters ist es zu verdanken, dass viele rätselhafte Artefakte heute verständlicher erscheinen.Z.B. die häufig anzutreffenden kreisförmigen Ringe, von denen bei einige hohe Radioaktivität ausgeht, müssen einst so ausgesehen haben
Horchgiebel interpertiert sie so: " Viele Artefakte des 20. und 21. Jahrhunderts zeichnen sich durch ein Bestreben nach Eleganz und klarer Liniengebung aus. Diese Bewegung in der Architekturgeschichte begann in der 1.Hälfte des 20.Jahrhunderts und ist als eine Gegenreaktion zur verspielteren und nach Repräsentanz strebenden Formen zu deuten. Der von M%ller-Harter festgehaltene Turm (in seinem Umfeld konnte keine Radioaktivität festgestellt werden) weist alle Merkmale ähnlicher Fundstellen auf. Über seine Funktion können derzeit nur Vermutungen angestellt werden. Angesichts des enormen Aufwands der zu seiner Erstellung nötig war, muss man davon ausgehen, dass es sich wohl um Hochheitszeichen einer autokratischen Priesterkaste handelt, da fast immer bei diesen, heute nur als Kreise auf dem Meeresboden erkennbaren Fundamenten, Reste hoher Säulen zu finden sind, die Breischnabel et.al. im Sinne der "axis mundi"-Hypothese deuten, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, die aber stets als vertikale Verbindung zum "Himmel"- also einer "jenseitigen- transzendentalen Ausrichtung zu verstehen ist:
Diese "Axis-Mundi"-Stelen zeichnen, sich in ganz Europa durch eine ähnliche Farbgebung aus. Farbreste, die vom Meeresarchäologschen Institut Großarber in Grabungssektor "Wuppertal-Vohwinkel" gesichert werden konnten, weisen die gleichen Merkmale auf, wie die auf den Bilddateien von Morfrad M%ller-Harter festgehalten sind. 3 weiße Kreise, wechseln sich mit 3 roten Kreisen ab. Von-der-Heyden und Christiansen leiten daraus die These ab, dass diese Artefakte eine Affinität zur Epoche der sogenannten Christlichen Kulturen haben. Wie in sakralen Bauten früherer Epochen, spielt die Zahl 3 in dieser Kultur eine wesentliche Rolle. Noch ist nicht geklärt, ob die Anhänger dieser Religion an 3 Götter glaubten, oder ob sie ein göttliches Dreigestirn verehrten. Auch spielt in diesen Religionen, wie in vielen vorausgegangen, Dualität,- Gut-Böse, Schöpfer-Zerstörer, Heilsbringer-Vernichter, eine zentrale Rolle. 3 rote Ringe, 3 weiße Ringe. Wenn die Farbe weiß, Reinheit und Tugend, die 3 Schöpfergottheiten symbolisiert, so ist noch unklar, welches Dreigestirn an zerstörerischen Gottheiten, durch die Farbe Rot dargestellt ist...."
"Wird fortgesetzt."
Nein, diesen Vorwurf muss ich auf das entschiedenste zurückweisen, ich habe nicht von den oben abgebildeten Pilzen genascht!
Also, weiter im Tagesbericht:
Nach den Elektrárna Mělník I und II, es handelt sich dabei übrigens um Braunkohlekraftwerke (dieser Teil der Festplatte von Morfrad M%ller-Harter wird dereinst unwiderbringlich zerstört werden)
Geht es wieder sehr idyllisch weiter.
Der heutige Tag steht im Zeichen der "Gugelhupfberge". Ein Kegel neben, hinter bei dem andern. Das läßt für den morgigen Tag nichts gutes ahnen. Aber heute sieht das toll aus. Dieser hier könnte der heilige Berg der Tschechen sein
"Hier soll der Sage nach Urvater Cech seine Wanderung beendet haben, als er das tschechische Volk in seine neue Heimat führte. Da Gebiet wurde ihm zuu Ehren ach seinem lateinischen Namen "Boemus" Boemia benannt. Jedes Jahr, am St.Georgs Tag findete eine Pilgerfahrt statt"
Also zuerst hat man aus dem Urvater Cech einen Römer gemacht. Und da es weder einen Hl.Chech noch einen Hl.Boemus gibt, muss der gute Jiri/Georg daran glauben, - oder wie kommt letzterer ins Spiel. Egal, die Berge sind schön.
Von Roudnice kann ich nicht mehr berichten, als dass ich dort einen sehr guten Kaffee getrunken habe und mir dabei durch den Kopf gehen ließ, ob ich rechtselbisch weiterfahre, so wie es bikeline empfiehlt, oder linkselbisch über Terezin/Theresienstadt. Linkselbisch (nicht durchs Auenland) "auf der nicht kommentierten Route" - hört sich gefährlich an, ist aber ein super toll ausgeschilderter Radweg, immer asphaltiert, lange an der Elbe entlang, und nicht so Schrottpisten, wie der offizielle Elberadweg. Ein Hoch auf den nationalen Radweg 3106 !
Und das Schöne! Ich bin ganz allein. Seit Melinik hat die "Gepäckradler"-Tendenz deutlich zugenommen. Ich nehme an, von Prag flussabwärts ist die Hauptreiseroute.
Ganz besonders hat mich gefreut, dass ich auf dem linkselbischen Weg (nicht durchs Auenland)
mitten durch das tschechische Hopfenanbaugebiet gefahren bin. Ich werde wohl noch einen Sonderblog über das wirklich herausragend gute tschechische Bier schreiben müssen und dann werde ich auf diese Gegend zurück kommen müssen.
Verschiedentlich habe ich den Auftrag bekommen, doch "mal zu schauen" wo der Opa herkommt.
So auch von Barbara aus H., derzeit in C. Liebe Barbara, wie du vielleicht gelesen hast, habe ich es nicht geschafft, bei "meinem Opa" vorbei zu fahren. Dein Opa kommt aus Praskowitz
Ich habe Pokrtice, Ploskovice und Prackovice in der Nähe von Litomerice gefunden.In Prackovice komme ich Morgen vielleicht so gar vorbei. Sorry, Liebe Barbara, auch dein Opa wird wohl nicht besucht werden.
Dann Terezin. Ich war vor 20 Jahren mit Charly und den Jungs in Theresienstadt. Charly hat ein Projekt in Prag mit Studenten gehabt und ich habe viel gesehen. Dennoch hat es mich interessiert, wie sich die Stadt verändert hat. Und vor allem nach dem Film, "Am Ende kommen die Touristen", der von den Erfahrungen eines Zivildienstleistenden in Terezin handelt.
Von dem Ghettomuseum bin ich sehr beeindruckt. Ausgehend von dem "Propagandafilm" der unten gezeigt wird, wird in dem oberen Stockwerk gezeigt, mit welcher Perfidie diese "Scheinwelt" aufgebaut worden ist. Von den Musikauführungen, über die "Kunstschule", von den Werkstätten über die Theateraufführungen. Klar, darüber hat man viel gelesen, sind viele Romane und wichtige Bücher geschrieben worden. Aber die Kleinigkeiten sind es dann, die mich sehr berührt haben.
z.B. die Koffer:
Da sind die Bilder von dem Kofferrestaurator und dem Zivi aus dem Film sofort da.
Oder die beiden Abteilungen zur Kunst in Theresienstadt. Der erste Saal die "offizielle" Kunst, nach Willen der Nazis
Einladung zu einem Liederabend
Und die vielen Bilder, die heimlich entstanden und das Elend dokumentieren.
Das hat mich sehr berührt.
Und dann ist da die andere Seite von Theresienstadt. Wie kann ein Ort, nachdem die Bürger evakuiert wurden, aus der Stadt ein Ghetto gemacht wurde, wieder zurück kehren und ein normales Leben führen. Das ist ein neuer Film. Natürlich kann man das Elend nicht konservieren. Und es ist in Ordnung, dass die K.u.K. Farbgebung in Maria-Theresia-Gelb und Franz Josef Altrosa wieder einkehrt,
Aber das Unbehagen bleibt. Die Unwucht ist allenthalben zu spüren. Muss das erste Hotel am Platz wirklich
heißen? Kommt mir geschmacklos vor.
Was ich mir wünschen würde, wäre, dass man etwas behutsamer mit den Spuren der "Stadt als KZ" umgehen würde. Es gibt sie noch da und dort,
Bilder wie diese fassen für mich das unfassbare zusammen. Ein Laden, ein Alltag, eine Gegenwart und an der Ecke oben noch die alte Bezeichnug. Block G IV.
Theresienstadt, steckt man nicht so leicht weg.
Auch wenn manches makaber komische Züge trägt.
Ich sitze mit einigen italienischen Touristen im Vorführraum und schaue mir den Nazifilm an.
Da kommt die Fremden-Führerin herein und sagt: "That´s only propaganda, there is no time, we have to go into the Crematorio" - Puh! Das hat sie wortwörtlich gesagt.
Nach Litoměřice sind es nur 6 km. Ich komme langsam wieder zurück in die Jetzt-Zeit. Meine Pension ist schnell gefunden.
Einmal mehr ein Volltreffer. Nicht nur, dass die Leute unglaublich freundlich sind und zuvorkommend sind: "Da ist der Kühlschrank, da das Kässchen, wenn du ein Bier willst, lege 20 Kronen rein." Ich komme mir vor wie im "Türmle". Und der Gipfel von allem. im Innenhof neben meinem Fenster dies:
Eine Kletterwand. Und nicht die einfachste. Wär hätte das gedacht, dass ich nach einem so ereignisreichen Tag noch in "die Wand" gehen könnte.
Doch mehr steht eher nach Spaghetti! Litoměřice ist von all den Städten mit schönem Marktplatz die bisher lebendigste. Hier gefällt es mir gut.
Wieder viel böhmischer Scraffito (dieses Mal ist schwarz die oberste Schicht, und weiß wird rausgekratzt) Gog und Magog meine alten Freunde schleppen mal wieder die Trauben aus dem gelobten Land.
Und eine junger Mann schaut hoffnungsvoll in die Zukunft
Und ich schaue noch kurz in die Vergangenheit, bevor ich mich für heute verabschiede
Dieses Bild ist ein Beweis mehr, dass ich "aus dieser Gegend komme". Friederike war auf unserer Reise überrascht, dass der Mohn hier eine solche Rolle spielt. Mohnbuchteln, Mohnquargerln, Mohnstrudel. Ich bin damit aufgewachsen. Mohn war alltäglich. Meine Eltern haben mir erzählt, dass es ganz normal war, wenn Babys nicht schlafen konnten, - z.B. weil sie "gezahnt" haben, dass man ein kleines Leinensäckchen nahm, mit Mohn füllte, und es es ihnen zum nuckeln gab.
Nach solche einem ereignisreichen Tag brauche ich das"Säckchen" nicht mehr.
Bis Morgen.






















Hallo Manne, wieder schöne Geschichten und du kommst ja flott voran. Du bist ja bald wieder in Deutschland. Ich hoffe, die Temperaturen steigen wieder und du kannst wieder ganz in kurz weiterradeln. Grüße.
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AntwortenLöschenKann es sein, dass es nicht die Pilze, sondern der Mohn war?
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