Und heute "nur noch ich":
Der Tag der großen Veränderungen und Richtungswechsel fängt äußerst trübe an. Ich schaue um 1/4 vor 7 aus dem Fenster auf den Rathausplatz
"Eiverbischnochmohl"- ach nein, das war ja vorgestern, ab heute heißt es ja "JessasMariandjosef"-
ES REGNET! Und ganz ganz schön heftig. Erst mal Frühstücken!
Um 7:45 Uhr geht es zum Bahnhof. Es nieselt nur noch schwach. Kaum haben wir den Bahnhof erreicht, pladdert es wieder los. Soweit Glück gehabt.
Damit ihr besser verstehen könnt, was gleich im Bahnhof passiert, kurze Rückblende:
Eine unserer Hauptbeschäftigungen der letzten Tage war:
Friederike wälzt Bahnfahrpläne und
ich starre auf die guten Karten, die mir die freundlichen jungen Damen in der Buchhandlung Fritsche rausgesucht haben.
Je länger ich starre, desto klarer wird mir, die Strecke Liberec- Vrchlabi, ist theoretisch an einem Tag machbar, aber das wird Stress hoch 3. Zuerst storniere ich das Hotel in Hohenelbe, das nur bis 17:00 die Rezeption offen hat. Dann D I E Erleuchtung. "Bikeline" empfiehlt bis Gablonz/Jablonec, mit dem Zug raufzufahren, da die Stadtausfahrt über viel befahrene Strecken hoch geht - zur Neissequelle.
Ich schaue mir jetzt auch Zugfahrpläne an - wie Friederike.
Und entdecke, dass ich ja eigentlich noch ein wenig in dem Zug bleiben könnte, denn es gibt ganz schön viel Berge zwischen mir und Hohenelbe. Als wir dann gestern unsere Fahrkarten kaufen. Löse ich eine Fahrkarte bis Zelezny Brod - Eisenbrot. Da wäre der erste Berg locker weg. Doch dann am Abend sehe ich, das zwischen Zelezny Brod und Semily , die Karte an den Radwegen einige ! ! - Ausrufezeichen hat. Ich schaue nach. "Unsicheres Terrain!": Wörtlich: "unsichere Sektion, one way path, negotiable by bikes, dangerous point" . Eigentlich will ich nicht herausfinden, was Einbahnpfade sind, in welche Richtung führen die, und warum komme ich da nie wieder raus??" Nein, das gefällt mir nicht....
So jetzt wieder heute am Bahnhof. Was ist das Erste, was Euer "Gutester" macht? Er geht noch einmal an den Schalter und bucht noch eine Station hinzu! Jetzt soll es also "erst" ab Semily in die Bergetappe gehen.
Aber jetzt kommt erst der Abschied:
Friederike muss auf Gleis 5 und ich auf Gleis 4. Friederike muss nach Dresden- und ich nach Semily
Und der Himmel öffnet alle Schleusen!!
Schade, dass wir nicht weiter zusammen radeln können. Aber in ?? Wochen bin ich ja wieder in Engen!!
Bis Bald! Friederike, bis bald!
Mein Zug geht pünklich ab. Was Friederike über ihre Heimfahrt zu berichten hat, das erfährt der/die geneigte Leser /in frühestens Morgen an dieser Stelle.
Wenn es je eine treffendere Bezeichung für einen Zug gegeben hat, es ist ein Bummelzug. D.h. eigentlich bummelt er nicht, er tut sich nur schwer die Berge hoch. Und ich genieße den Blick, durch die beschlagene Fensterscheibe! Wie schön, nicht hier im Regen hoch zu müssen.
Je länger der Zug in den Bergen hoch und runter fährt, desto mehr fühle ich mich fehl am Platz. Es sind fast nur wildentschlossene Rucksackwanderer meine Reisegefährten, - und ich in meiner sexy Radlerhose, mittenmang!!
In Turnov kommen 3 weitere Regionallinien zusammen und der Zug ist jetzt ziemlich voll. Alle wollen auf den Berg!!
Semily Bahnhof ist ein Schock. Ich denke, ich bin am Ende der Welt.
Doch nette Leute helfen mir, mit Fahrrad und Gepäck und ich bekomme auch den richtigen Tipp, wie ich hinunter zur "Iser" komme, denn die will ich, schlau wie ich bin, schön gemütlich hochfahren!
Es nieselt, mal weniger, mal kräftiger. Zum ersten Mal seit Mölln radle ich wieder in voller Montur.
Auch wenn es mässig aber stetig aufwärts geht,komme ich unter Regenhose und Softshell schnell heftig ins Schwitzen. Aber ohne geht auch nicht. Es ist empfindlich frisch.
Hier an dem kleinen Kraftwerk ist die Iser gestaut. Schöner Badeplatz! Friederike! Ob du dich hier aus den Regenbuchsen geschält hättest. Das wage ich zu bezweifeln.
Wenn die Iser nicht gestaut ist, macht sie ganz schön Lärm, ein Zeichen dafür, dass sie hier Gefälle hat. Der Verkehr ist mäßig. Aber Pausenstationen? Fehlanzeige!
Die Bushaltestelle war das beste und trockenste, was ich finden konnte. Aber für die 11:00 Banane reicht es vollauf.
20 km an der Iser aufwärts. Easy. - Dass der Augenblick kommt, wo es richtig in die Berge geht, war mir klar.
Bei Dolni Sylova muss ich das schöne Isertal verlassen.
"Hohe Tannen weisen die Sterne an der Iser wildspringender Flut,
|:liegt das Lager auch in weiter Ferne, doch du, Rübezahl, hütest es gut:|"
Nein ich singe dieses revanchistisch Lied nicht weiter! Auch wenn die Iser wirklich ein sehr schöner Fluss ist
(Wenn Ihr wirklich wissen wollt, warum revanchistisch, hier die 4.Strophe:
4. Höre, Rübezahl, lass dir sagen:
Volk und Heimat sind nimmermehr frei.
Schwing die Keule wie in alten Tagen,
Schlage Hader und Zwietracht entzwei.
Wenn Ihr wissen wollt, warum Euer Bloggerer solche schrecklichen Lieder immer noch in seinem
Koppe hat, müsst Ihr Morgen weiterlesen.Aber es ist gut, ab und zu in die "Brühe" abzutauchen, um zu verstehen, was heute geschieht. Es ist immer das gleiche Strickmuster. "Die Anderen" nehmen uns unsere Freiheit, unsere "Identität" wenn wir die Keule schwingen- oder den Baseballschläger, dann nur um uns zu verteidigen!!)
Wow! Das war ein Schlenker!
Also noch einmal, bei Dolni Sylova muss ich das schöne Isertal verlassen, denn ich will ja schließlich zur Elbe "rübermachen".
In Perimov wird die Straße deutlich steiler. Nur um sicher zu gehen, frage ich eine jüngere Frau nach dem Weg, sie spricht akzentfrei Englisch. "Alles OK!- Noch etwa 3 Kilometer durch den Ort, und dann links abbiegen: "And then uphill."
Ich denke: "Hallo!" - und zur Sicherheit denke ich noch einmal: "Hallo?" Was mache ich eigentlich, seit ich aus Semily aus dem Zug gestiegen bin?"
Aber sie hatte ja recht, was "bisher geschah", war nur zum Aufwärmen!
Aber jetzt raus aus der Regenhose, egal was noch kommen mag. Sie ist von innen eh feuchter als von außen!
Noch eine Anmerkung: Wenn sie sagt, noch 3 km durch den Ort, dann hat das seine Richtigkeit. Die Orte hier bestehen aus vereinzelten Häusern, an der Straße, irgendwann kommt eine Schule oder ein Kirchlein. Faszinierend auch, wie diese Orte im Wald eingebettet sind.
Viele der älteren Häuser sind von der Struktur her noch "Blockhäuser" aus Baumstämmen zusammengefügt. Manche schön hergerichtet, manche am verfallen.
Dann bin ich irgendwann mal oben und Jilmenice/Starkenbach liegt unter mir. - Und jetzt bin ich im Riesengebirge.
(Für Marlies W. aus G. noch eine Insiderrandbemerkung: "Aus Jilmenice stammt der Industrielle Johann Faltis, der mit der Ausbeutung von Leinewebern sein Geld gemacht hat, und der auch die "berühmten" Faltishäuser gebaut hat, von der wir in unserer Familie so viel gehört haben).
Nassgeschwitzt bergabfahren ist nicht wirklich lustig. Soll ich die Regenhose nochmal anziehen?
No way!
In Jilmenice verfranse ich mich kräftig. Aber irgendwann finde ich jemand der Englisch spricht. Er schickt mich wieder der Berg hoch. Und er hat recht. Die "Izersko-Krkonosska-Magistrale" (steht so auf meiner Radkarte), also der Übergang vom Iser- zum Riesengebirge, geht über Horni Branna.
Immer wieder habe ich nach der "Schneeknoppe" Ausschau gehalten. Hier oberhalb von Horni Branna, bilde ich mir ein, zwischen Wolken und Wolken, einen Streifen von der Schneekoppe erhascht zu haben. Mag sein, ich habe mir das nur eingebildet. Aber eins ist sicher, ich bin noch nicht oft mit dem Rad "über die Wolken gefahren", die Wolkendecke, die unter mir ist, liegt schon im Elbetal.
In Horni Branna bin ich geschockt. Wieder so ein Straßendorf - aber heute gesteckt voll mit Autos, garantiert über 100 Fahrzeuge parken wild kreuz und quer im Ort. Was mag hier los sein. "Der Riesengebirgsmarathon?" - Nein, eine Beerdigung!
Wenn ich gefragt hätte, wer hier so eine große Beerdigung bekommen hat, dann hätte ich Euch stolz berichtet, das der Herr Nerozumím (Der Herr Kannitverstan) verstorben sei.
Und dann noch einmal abbi. Gegen 15:00 bin ich in Vrchlabi.
Mein heutiges Hotel, ist die kleine Schwester des Hotels Praha in Liberec. Ein wunderschönes Jugendstilhotel direkt am Marktplatz.
Übrigens, Friederike wird es bestätigen, wo immer man in Tschechien hinkommt riecht es lecker nach Sauerkraut. Und dazu passt natürlich ein lecker Bier.
Bis Morgen







Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
AntwortenLöschenErstaunlich, was Dir so alles durch den Kopf geht. Na, dann Prost!
AntwortenLöschenNun ist er also alleine, da muss einem ja viel durch den Kopf gehen. Fast hätte ich dich beglückwünscht zum gelben, grünen, weißen und gepunkteten Trikot.Doch wer mit dem Zug den Berg hochfährt..., das gibt zumindest für das Bergtrikot Abzüge. Ich wünsche dir schöne trockene Tage und sollte dir der Rübezahl begegnen. Er ist nciht so schlimm.
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