Montag, 1. August 2016

21.Tag: Von Bad Muskau nach Görlitz/Zgorzelec



So unterschiedlich können sich 70 km anfühlen. Gestern Abend waren wir nach 71 km in Bad Muskau rechtschaffen müde. Heute in Görlitz sind wir fit wie ein Turnschuh. Gut, gestern war fast der ganze Tag Gegenwind,- und heute fast den ganzen Tag Rückenwind, -aber natürlich geht es jetzt langsam aber sehr deutlich nach oben. Die Berge rücken näher, was wir heute vor Görlitz sehr deutlich sehen konnten. 
Aber ich greife vor.
Heute wieder Kiefernwälder, Auwälder, Sonnenblumenfelder, beeindruckende Wolkentürme - immer mal wieder auch bleigrau und sehr tief. Aber uns unser Wetterglück  spektakulär... schnell auf Holz geklopft!!

Auf der ersten Hälfte unserer heutigen Etappe sind wir auf unglaublich vielen Hochsitzen vorbeigekommen. Ich habe noch nie so viele Hochsitze auf so engem Raum gesehen. Manchmal standen sie im um große Lichtungen so zusammen, dass sich die Herren Jäger locker gegenseitig von der Kanzel pusten könnten.



Auf halber Strecke ein mittelalterliches Städtchen:



Rothenburg OL. Rothenburg Oberlausitz. Netter Marktplatz, lecker Pflaumenkuchen. Friederike ist versöhnt. Obwohl sie heute nicht in die Nähe von Wasser kommt.

Wenig später kommen wir an der Kulturinsel Einsiedel vorbei. 
Wir sind zwar nicht reingegangen, aber hier wächst eine sehr eigenwillige, sehr originelle Alternative zu Kinderbelustigungen wie Disneyland und Europapark heran. Und wie es den Anschein hat wächst dieser Park unaufhörlich. 
Aus der Homepage:
"Die Firma Künstlerische Holzgestaltung Jürgen Bergmann gibt es seit 1990. Auf einem Waldbauernhof an der deutsch-polnischen Grenze fing alles an. Mit einem Mitarbeiter begann Jürgen Bergmann damals, hölzerne Objekte zum Be-Sitzen, Be-Spielen und Be-Greifen zu bauen. Eigenwilligkeit, Unikatgedanke und harte Arbeit kennzeichnen bis heute die Objekte, die wir erschaffen. Mittlerweile kommen unsere Auftraggeber überall aus Europa. Aus unseren ersten kulturellen Aktivitäten ist ein grüngeringelter Freizeitpark geworden – die Kulturinsel Einsiedel."
Baumhäuser, Objekte in Bäumen, Spielgeräte, Baumcafes... Alles sehr humorvoll und verspielt.





 Alles windschief, alles bunt!

Und dann Görlitz. Die Stadt ist nie richtig zerstört worden. Eine sehr vielfältige Altstadt. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass es einmal zum Königreich Böhmen gehört hat, dann dem ungarischen König, was dem Stadtbild ein Gepräge gegeben hat, dass ich von den Donaustädten noch gut in Erinnerung habe. Dann kam die Stadt zu Sachsen und schließlich Anfang des 19.Jahrhunderts zu Preußen.



Und große Söhne hat die Stadt natürlich auch. Besonders gut gefallen hat mir:


Robert Oettel, "dem Begründer der Deutschen Rassegeflügelzucht"
Die Tafel wurde vom Hühnerologischen Verein Görlitz gestiftet.
Man lernt auf Reisen immer wieder Neues und Wichtiges,

Übernachten werden wir aber nicht im historischen Görlitz sondern in seiner polnischen Schwesterstadt Zgorzelec, gleich über die Brücke.
Als wir auf der Nikolaibastion waren haben wir unsere Pension sogar schon fotografiert - ohne es zu wissen.


Unsere wirklich sehr schöne, sehr liebevoll eingerichtete Pension ist rechts neben dem Gesicht auf dem Silo zu sehen. Besser geht es nicht. Gleich gehen wir die paar Schritte runter zum Fluss. Dort gibt es Restaurants mit lecker polnisch/schlesischem Essen. Friederike wird natürlich wieder Piroggen bestellen. Und ich erst einmal ein leckeres polnisches Bierchen.


Und jetzt ich:

zwei Stunden später, nach Piroggen mit Kraut und Pilzen und Weißwein. Also die Pierogi könnten mein Lieblingsessen werden, da gibt es noch mehrere Varianten, die ich in den nächsten Tagen probieren werde.
Der heutige Tag war super zum Radeln aber leider nicht zum Baden. Die Neiße, diese Sitzbadewanne mit Massageströmung hat nicht wirklich Badequalität. Immerhin sind jetzt wieder Kanuverleihe und Angebote zum Schlauchboot flussabwärts fahren. Auch kleine Pensionen und Fahrradcafés gibt es auf der Strecke.
Und sehr nette Schilder:



Auch das Gartenzwerg-Exodus-Rätsel von gestern steht kurz vor der Auflösung.
Leider waren alle Einsendungen unserer Leser/innen falsch. (Der "Tag nach Waken" oder "die Zwerge sind wie die Lemminge" oder andere wirklich sehr nette- dankeschön!!!-Erklärungsversuche)
Dieser hier geht nämlich als Held und Sieger aus der ganzen Geschichte hervor- was will uns dieses zufriedene Grinsen wohl sagen?


Und noch einen Helden möchte ich  euch heute vorstellen: 
Den Helden der Leporello- "Oder-Neiße-Fahrradweg - Karte:


Zuerst muss man den richtigen Abschnitt finden und dann...



...kommt der Wind.


Und außer mit Kartenlesen orientieren "wir uns" auch gerne mit "Leute ansprechen und fragen". 
Manne  quatscht jeden an:
-die ältere Frau, die mehrmals erklärt gar nicht von hier zu sein, bekommt die Karte hingehalten und gibt tatsächlich danach einen Hinweis- vielleicht damit sie uns los ist?
-die Trauergäste vor dem Friedhof, schwarz angezogen, Blumensträuße in der Hand, warten eigentlich darauf, dass das Glöckchen beginnt zu bimmeln. Sind auch nicht von hier.
-die Familie mit Fahrräder und viel Gepäck die sich mühsam einen Berg hinaufquälen, immerhin ruft Manne nur den Ort entgegen zu dem wir wollen und eines der hochroten Gesichter schafft es tatsächlich zu nicken.
-oder die andere Gruppe, die glücklich  bergabwärts fährt. Die werden richtig ausgebremst, können ja nachher wieder weiterbrausen.
-oder der Baggerfahrer auf Rügen, der von seinen Bauarbeiterkollegen als kompetenter Radwegkenner empfohlen wurde, dem macht der Manne ein Zeichen und tatsächlich: Bagger wird ausgeschaltet, Mann lehnt sich aus dem Fensterchen und kümmert sich um ausführlich darum uns den Weg zu erklären.
-und manchmal kommen die Ortskundigen aber auch auf uns zu, fragen, ob wir was suchen. Das sind meist nettere ältere Herren, die sich wirklich gut auskennen.
-und auf Usedom bremst ein Kleintransporter doch tatsächlich mitten auf der Landstraße, Warnblinkanlage blinkt und der Fahrer fragt uns, wohin wir wollen.

Also egal wie, wir haben bisher immer super den Weg gefunden...und das ist eindeutig nicht
mein Verdienst. 
Und so schön war es heute:



Bin schon ein bisschen wehmütig, nur noch zwei Tage radeln! Und der letze Tag wird eine Bergtour werden. Aber dann Ausruhen in Liberec- in unserem Hotel hat es leider keine Sauna aber einen "Abstellraum für Fahrrad und Ski"!!!!! 
Na dann gute Nacht oder guten Morgen- falls ihr zu den Frühlesern gehört.

1 Kommentar:

  1. Hallo Mädi, ja, wirklich schade. Wünsche dir und euch noch schöne Resttage und... mit dem Wetter hattet ihr echt Riesen- Dusel. Na ja, wenn Engel reisen. Bis bald.

    AntwortenLöschen