Donnerstag, 25. August 2016

44.Tag: Von Bleckede nach Hamburg - und Schluss

"my maps" hat sich mal wieder geweigert, die Strecke genau  so anzuzeigen, wie ich sie gefahren bin, 


Sorry, gestern Abend war mir nach feiern zumute und die Gesellschaft von Barbara, Klaus und Stefan war so nett, dass ich mich nicht mehr loseisen konnte, um den Blog zu schreiben.

Gestern Morgen in Bleckede. Ich wache auf schaue aus dem Fenster und sehe - nichts!
Ich drehe mich noch einmal um. Nächster Versuch,


Schon besser. Durch den Nebel kann man schon erahnen, dass es ein schöner Spätsommertag werden wird.
Und der letzte Tag meiner diesjährigen Reise.
Mein Rücken hat mir die Holperstrecken der letzten Tage verziehen; ein letztes Mal genieße ich die morgendliche Kühle. Gänsehaut.

Ich habe vor, heute auf der linken Elbseite zu bleiben, und erst kurz vor Hamburg die Seite zu wechseln.



Die Felder sind abgeerntet hunderte von Gänsen sind bei der "Afterernte". Ich lasse mir Zeit und schaue zu. Da herrscht Ordnung im Verband. Es sind immer Grüppchen 12-15 Tieren. Sie bleiben zusammen. Meint eine "Chefin", ich käme ihnen zu nahe, dann gibt sie das Kommando und ab geht die Post - unter lautem Protestgeschrei.


Andere Gruppen lassen sich von der Hysterie nicht anstecken. Die Chefin sieht meine Anwesenheit wesentlich gelassener. Es gibt ganz offensichtlich nicht nur eine "Akka von Kebnekaise", sondern eine ganze Menge auf diesem Feld.
Kurze Zeit später noch mehr Gänse - noch mehr Geschrei. Haben die es wichtig!


 Gerne hätte ich noch etwas länger bei den Gänsen verweilt, geht leider nicht, heute wird die längste Etappe meiner Reise.


Lauenburg. Hier schließt sich die "Schleife" - fast. Wie gesagt, ich werde nicht über die Brücke fahren, sondern auf der linken Seite bleiben. Ganz links oben, vielleicht der helle Giebel, da war unser erstes Hotel der Reise.


Und diesen Abschnitt unseres 1.Tages sehe ich lieber "aus der Ferne" wieder. Die Fahrt durch das Naturschutzgebiet "Hohes Elbufer" habe ich als "wildromantisch" in Erinnerung. Fahrradtechnisch übersetzt heißt das,  "bescheuerte Waldwege" eher für Mountainbiker geeignet. 


Langsam kommt ein bisschen Wehmut auf. Die "letzte" Windmühle


Die "letzte Elf-Uhr-Banane" in diesem Jahr.


Ein "letztes Mal" mit der Fähre über die Elbe.
Von Hoopte zum Zollenspieker.
Und jetzt geht es rein nach Hamburg. Das heißt es sind noch 25 km von hier aus. 
Beim Rausfahren sind wir hauptsächlich auf kleinen Sträßchen bis zum Zollenspieker gefahren. 
Es ist ja meistens so, dass die Strecken, die in die Städte führen, besser ausgeschildert sind, als die "Ausfahrten". 
Dieses Mal finde ich eine der schönsten Radstrecken überhaupt. "Der Grüne Tunnel" in die Stadt.
Ich bin so begeistert, dass ich glatt vergesse Fotos zu machen. 
Zuerst durch das Naturschutzgebiet Kirchenwerde Wiesen, das größte Naturschutzgebiet innerhalb der Stadt Hamburg. 
An einem heißen Tag die ideale Radstrecke über 15 km immer unter einem grünen Dach im Schatten. Ab und an Ausblicke in die Feuchtwiesen. 
Das einzig bedauerliche war, dass ich auf diesem Weg nicht an Friederikes erstem Badeplatz in der "Doven" Elbe vorbeigekommen bin.
Bei der Schleuse Tatenberg komme ich dann an die Dove Elbe und von da an fahre ich genau so, wie uns das Klaus beim Rausfahren gezeigt hat. Super. Am Hauptbahnhof zögere ich kurz. War das der kleine Weg neben den Gleisen, über den wir gefahren sind? Doch nach hundert Metern - super! Genau auf die Brücke zwischen Binnenalster und Aussenalster zu. 
Und genau - der Bahnhof Dammtor. Da ist Klaus abgebogen und an der Unimensa vorbei - kein Problem, - das schöne Viertel um das Abaton Kino. Ich bin richtig.
Grindelhof - Grindelallee. Sicherheitshalber fahre ich runter bis zu U-Bahnstation Hohe-Luft-Brücke.
Jetzt kann nichs mehr schief gehen. Am Fußballplatz von SC Victoria vorbei. Dann der schöne Wasserturm, jetzt muss ich bald links abbiegen!!

Geschafft! Die Reise ist zuende.
Nach 43 Tagen auf dem Rad stehen 2518 gefahrene Kilometer auf dem Tacho.
Das ist ziemlich die gleiche Strecke wie bei meiner ersten Reise nach Denia!

Ein gutes Gefühl. 
Das muss gefeiert werden. Klaus hat den Kühlschrank mit edlen Craftbieren gefüllt. 
Ihr seid einfach die tollsten Gastgeber! Danke, Barbara, danke Klaus!

 In der Küche hängt meine Fahrkarte nach Engen.
Doch den Donnerstag werde ich hier auf dem tollen Balkon verbringen. Mein Fahrrad hat mir erklärt, dass heute heute einen Ruhetag braucht! 
Nach über 10.000 km ist mein Sattel wirklich hinüber. Und eine neue Radlerhose muss auch sein.

Denn - nach der Reise ist vor der Reise!! (Si dios quiere)


Ostsee - oder Oder - oder Neisse - oder Elbe?


Barbara hat gestern gefragt, wo es denn am Schönsten gewesen sei?
Kann ich nicht beantworten.
Für uns war ja Alles neu und spannend.

Natürlich waren die ersten 4 Wochen, mit Friederike zusammen, besonders schön.
Die Ostsee hat schon viel zu bieten. Vor allem wenn der Wind aus der richtigen Richtung kommt, kann man hier toll entlangradeln.
Rügen, die Wälder bis ans Meer, Die windzerzausten Kiefern auf dem Darß, Usedom das war schon großes Kino.

Doch auch die Oderstrecke war spannend. Geschichtsträchtig, aber auch das leckere Essen in Polen (wobei natürlich auch der Fisch an der Ostsee super war)
Dann Tschechien, das spektakuläre Iser- und das Riesengebirge. Die gewaltige "Abfahrt" nach Hradec Králové.
Und dann natürlich die unglaubliche Reise durch die Epochen von Melnik bis Magdeburg...
Alles war spannend - Alles war schön.
6  Wochen unterwegs und nur 2 x musste ich die Regenhose auspacken, mehr Wetterglück kann man nicht haben.
Viele nette Leute haben wir getroffen, 
Die Küstenbewohner waren weit weniger wortkarg, als man ihnen nachsagt.
"Die Polen" freundlich und offen.
Was man von den tschechischen Bergbewohnern vielleicht weniger sagen kann. Aber auch hier habe ich freundliche und hilfsbereite Leute getroffen.
Die Überraschung der Reise waren für mich "die Sachsen". Wenn man sich erst einmal an ihre seltsame Sprache gewöhnt hat, waren es richtige "Plaudertaschen".
Einfach so nach dem Weg zu fragen, das ging garnich! Daraus wurde immer eine Viertelstunde Unterhaltung nach dem Woher und Wohin!
Zum Glück habe ich wirklich nur nette Sachsen getroffen.
 Die ganzkörpertättowiertekampfhundausführende Sachsenrassisten, waren wohl gerade an der Ostsee um sich den alljährlichen Sonnenbrand abzuholen.
Liebe Sachsen:
"Mit Eich wirde ich jederzeit wieder een Dässchen Gafe schlabbern !!!"

Auch der Anhaltinische Sachse hat mir sehr imponiert - vor allem ob seiner Fähigkeit Betonplatten fugenlos aneinander zu legen!! Die Radwege und ihre Ausschilderung in Sachsen-Anhalt haben ohne Zweifel der ersten Preis der Reise gewonnen.

Dann die Fahrten durch die Wieschen und Wischen in den Elbauen, ebenfalls ganz großes Breitwandkino!

Barbara, es waren die vielen kleinen Mosaiksteine, die diese Reise so erlebnisreich und schön gemacht haben!

Ein ganz dickes Dankeschön gehört meinem treuen Gefährt/Gefährten. Wieder eine Reise ohne Panne! Das ist einfach stark!!

So und jetzt ist Schluss!! Gehabt Euch wohl - und hoffentlich bis in einem Jahr!

Dienstag, 23. August 2016

43. Tag: Von Lenzen nach Bleckede



Lenzen hat mich sehr beeindruckt. Ich frühstücke in einer kleinen Bäckerei, starre auf das einsturzgefährdete Haus gegenüber


und mache mir so meine Gedanken.

Ein grauer Tag. Ein Tag von einem Grau, das sich nicht entscheiden kann, ob es Nebel sein will oder Wolke. Alles ist feucht. Es nieselt, aber nicht unbedingt von oben.
Ich radle runter zur Elbe, rauf auf den Deich und weiter durch die "Lenzer Wische", jetzt ist die Wiesche von gestern wieder eine Wische, soll mir recht sein. Überhaupt ist hier nichts mehr so richtig brandenburgerisch, das war eine Gegend, die sich traditionell eher nach Westen und Norden orientiert hat. Allem Anschein nach hat man hier schon  Platt gesprochen.



Das Grau passt zur Wische/Wiesche. Ich bin froh, diese Landschaft auch noch in ihrem "Normalzustand" zu erleben. Jetzt kommt die "melancholische" Note dieser Landschaft erst richtig zur Geltung.

Ich bin restlos hin und weg. Wenn der Gegenwind nicht wäre...
Auch die Orte sind jetzt schon sehr Norddeutsch. Schöne große Höfe


Und selbst ein so kleiner Ort wie Mödlich leistet sich richtig interessante Kunst.


Dieser "Charon" von Bernd Streiter passt unheimlich gut zu dieser Landschaft und zu diesem Morgen. Streiter ist in Havelberg geboren und hat zu DDR Zeiten in Leipzig studiert und hat seit 1997 sein Atelier in Mödlich. "Der Zeitgeist kann mir gestohlen bleiben!" Ein Querkopf.
Querköpfe scheinen zu dieser Gegend zu passen. Gleich ein Dorf weiter, diese schöne alte Dorfkirche


Hier liegt der Admiral Gjisels van Lier begraben. 1593 in der Provinz Utrecht geboren. Jahrelang reist er für die Ostindien Kompanie durch die Welt. Wird wegen seiner Verdienste bei der Schlacht um St.Vincent in den Adelsstand erhoben. Tritt dann in die Dienste des Kurfürsten von Brandenburg und erhält das Amt Lenzen in Erbpacht. Was er in den nächsten Jahren hier leistet muss die Leute sehr beeindruckt haben. Er lässt die maroden Deiche in Stand setzen, sagt dem Hexenglauben den Kampf an und und ... 
Als er stirbt will er hier in dieser Dorfkirche beerdigt werden: "Ick will  bi miene Bureckes slopen" (..bei meinen Bauern...). Als  man in 1912 aus der Gruft holt, um in in der Kirche beizusetzen, scheint er tatsächlich nur zu schlafen. Er und seine Frau sind komplett erhalten- mumifiziert. 
Samstag und Sontag kann man ihn anschauen. Schade, heute ist Dienstag!
Trotzdem eine tolle Geschichte, oder?

  In Dömnitz schaue ich mir die Festung kurz an. Eine Festung halt.


Draußen auf dem Deich ist es schöner. Die Störche sind noch da, scheinen keine Eile zu haben aufzubrechen.



Und dann entdeckte ich noch eine tolle Geschichte am Wegesrand. 
Noch immer ist hier die Elbe die Grenze zwischen DDR und BRD gewesen.
In einem kleinen Nest dies:


Die Dorfrepublik Rüterberg? Ich fahre ganz gewiss nicht weiter, ehe ich nicht herausbekommen habe, was hinter diesem Ortsschild steckt. Da trifft es sich gut, dass ein kleines Radlercafe auf hat, und ich sowieso Lust auf eine Kaffeepause habe.
Die nette Wirtin erzählt ganz bereitwillig die Geschichte des Dorfes. Es kommen eh wenig Leute hier vorbei.
Rüterberg, war wie Lenzen in der Sperrzone, nur dass hier noch einmal strengere Regeln galten, denn das Dorf liegt direkt am Elbufer. Jede Menge Soldaten und Grenzwachen.
Man stelle sich vor. Nur von 6:00 Uhr morgens bis 22:00 abends konnten sie das Dorf mit Genehmigung verlassen. Nur um zur Arbeit zu kommen. Arbeit gab es in den umliegenden LPGs.
In den 60er Jahren, nach dem Mauerbau wurde Druck auf die Bevölkerung ausgeübt, das Dorf zu verlassen. Von den 300 Bewohnern blieben dennoch um die 150. "Was sollte man machen, wenn man ging war Haus, Hof und Grund verloren. Also blieb fast die Hälfte. "Ja, man war eingesperrt, das ist richtig. Wenn man es bis 10e nich schaffte,.." sie zieht die Schultern hoch, ".. dann musste man sehen wo man schlafen konnte."
Ende der 60er Jahre hatte wohl ein Schneider im Dorf gute Beziehungen zum Militär. Er bekam Auträge, Uniformen anzupassen und zu ändern. Durch seine Kontakte, konnte er sogar einmal in die Schweiz reisen, warum und wie, weiß meine Informantin nicht. Als er zurückkommt ist er begeistert von der Idee der Schweizer Ur-Kantone, wie sie sagt. Im Dorfkrug schmieden die Rüterberger Pläne, die Unabhängigkeit zu proklamieren. Das ist doch Stoff für großes Kino, oder?
Ein Dorf, eingesperrt und eingekastelt, erklärt die Unabhängigkeit! Das gefällt mir. Nach der Wende haben sie vom Landrat offiziell die Genehmigung erhalten, sich Freie Dorfrepublik zu nennen, allerdings nur mit dem Zusatz, 1969-1989.
Wie in Lenzen kann ich mir nicht wirklich vorstellen, wie man jahrzehntelang unter solchen Bedingungen leben kann.
Die Geschichte meiner Wirtin hat mich sehr beeindruckt.
Weniger prickelnd fand ich die Idee, dass man heute einen der letzten Wachtürme an der Elbe, der inzwischen in Privatbesitz ist, als Ferienwohnung mieten kann.
Das kommt mir sehr komisch vor. Ich wollte in so einem Turm nicht Ferien machen, von dem aus möglicherweise auf Flüchtlinge geschossen worden ist.


Hinter Rüterberg ist Baustelle. Der Radweg wird umgeleitet. Die Schilder hören plötzlich auf, und ich merke nach einigen Kilometern, dass ich im Begriff bin eine große unnötige Schleife zu fahren.
Ich will doch zur Fähre nach Darchau. Ich entdecke ein kleines Sträßchen, dass meine Schleife etwas verkleinert, trotzdem sind es an die 5 km Umweg. Das ist nicht so toll, wenn die Tagestour schon deutlich über 75 km lang ist. Aber was soll`s 
Unangenehmer ist, dass die Betonplatten immer noch breite Fugen haben. Tatamtatamtatam..
Meinem Rücken gefällt das garnicht.
Ich rede ihm gut zu und verspreche ihm, dass wir in Darchau "in den Westen rübermachen" - und da ist alles besser!


Ja, denkste! Satz mit X! War wohl nix!
Lüchow-Dannenberg - Zonenrandgebiet. Hat alle Hässlichkeiten, die man einem Radfahrer bieten kann, schön säuberlich aufbewahrt. Hässliche Betonplatten, mit breiteren Fugen als in Brandenburg, oberhäßliches Kopfsteinpflaster, ohne Sandstreifen am Rand. Asphaltierte Straßen, die nur aus Flicken und Löchern bestehen. Und die paar Kilometer gut asphaltierte Radewege sind eine Zumutung. Komplett von Wurzelwerk unterwandert, tatamtatamtam. 
Ich bin ehrlich erleichtert, als ich nach etwa 85 km in Bleckede ankomme.
Mal sehen, was der Rücken sagt, wenn er Morgen noch einmal auf´s Rad muss.
Trotz alledem. 
Heute im Laufe des Tages ist schon immer mal wieder ein bisschen Wehmut aufgekommen, dass Morgen meine diesjährige Reise schon zu Ende sein soll.
Aber noch ist nicht der Moment zu resümieren.
Noch  wird es mindestens 2 Blogeinträge geben!
Bis dann!


Montag, 22. August 2016

42.Tag: Von Rühstädt nach Lenzen



"Sie sind doch auch aus Illmenau! Begrüßt mich der einzige andere Gast im Schloss Rühstädt heute Morgen. Er kann es kaum glauben, als ich steif und fest darauf beharre noch nie in Illmenau gewesen zu sein, - geschweige den zu wissen wo Illmenau überhaupt liege.
"Das gibt es doch nicht, ich hätte schwören können, dass ich Sie aus Illmenau kenne!"
Wir haben uns trotzdem gut verstanden und uns über Radfahren und Illmenau ausgetauscht, jetzt weiß ich, dass es ein Ort in Thüringen ist, etwa 30 km von Erfurt.

Und hier noch einmal "mein" Schloss



Der große Baum auf der rechten Seite ist mit großem Abstand der lauteste Baum, den ich je kennen gelernt habe. So etwas von einem Krach! Schade, dass ich keine Audiodateien in den Blog einfügen kann!
Es müssen mehrere hunderte von Vögeln gewesen sein, die sich höchst aufgeregt die Träume der vergangenen Nacht erzählt haben. Beeindruckend.

Irgendjemand hat etwas dagegen, dass ich nach Hamburg komme. Den ganzen Tag blus und pfoff der Gegenwind nur so!
Ein Glück, dass ich heute keine der größeren Etappen zu bewältigen hatte.

Trotzdem, angenehme Temperaturen, Sonne - ein guter Radeltag durch die Elbauen, von der Altmärkischen Wiesche in die Brandenburgische - und alles Biosphären-Reservat, immer mal wieder mit anderem Namen auf den Schildern.
Was ich dem Brandenburger verüble, ist, dass er es nicht gelernt hat Betonplatten auf Stoß zu verlegen. TatamTatamTamTaTam, das geht nach 1-2Stunden richtig ins Kreuz! Liebe Brandenburger, Der Sachsen-Anhaltiner kann es doch auch, macht doch einfach mal ne Fortbildung bei Euren Nachbarn!!!

Ich mag diese Auenlandschaft. Sie ist einerseits sehr fremd für mich, andererseits sehr faszinierend.


 "Wiesche" (von niederdeutsch für: "Wiese") so weit das Auge reicht. Aufgelockert diurch Baumgruppen. Oft mit einem abgestorbenen Baum in der Mitte und drumrum die "Naturverjüngung"


Wenn ich mich recht erinnere gab es vor einigen Jahren mal einen Artikel im Geo über diese Mitteldeutschen Graslandschaften. Darin wurde eine Studie zitiert, in der Menschen aus der ganzen Welt aufgefordert worden waren, ihre Paradieslandschaft zu beschreiben. Seltsamerweise kam querbeet und sehr eindeutig, genau so eine Graslandschaft heraus, durchbrochen von  Baumgruppen und Flussläufen. Die Ethnologen zogen daraus den  Schluss, dass wir unsere afrikanische Herkunft noch in diesen Bildern in uns tragen, dass hier die "Menschwerdung" 3 entscheidende Schritte gemacht habe. Einmal der Schritt aus dem Wald. Das teilweise hohe Gras bot noch immer Schutz. 2. Der aufrechte Gang. Um immer wieder übers Gras zu "linsen" , wo Nahrung oder Feind sein könnte, und 3. Die Veränderung der Nahrungsgewohnheiten mit einer stärkeren Ausrichtung zum Fleischverzehr, den manche Forscher als Voraussetzung für die Zunahme des Gehirnvolumes ansehen (das ist jetzt kein Morfrad M%ller-Harter Schmarren, das ist eine anerkannte Theorie; Stand der Forschung! Echt wahr!)
Mir jedenfalls gefallen diese Graslandschaften sehr!

Für heute habe ich geplant, etwas unter 60 km zu bleiben, denn in Wittenberge gedachte ich eine längere Pause einzulegen.
Doch da hätte ich mich gestern besser etwas mehr über Wittenberge erkundigt. Der Ort ist touristische Einöde.
So muss es einem Radfahrer aus Brandenburg gehen, der in Singen nach touristischen Highlights sucht.


Am interessantesten waren noch die neu genutzten Industriegebäude am Rande der Stadt. Hier ist ein Hotel drin, Veranstaltungssäle, hier finden Rockkonzerte und Ausstellungen statt. Ein großes Gelände, auf dem Industriebrache zu einem lebendigen Ort geworden ist. Das hat was.
Aber sonst?
Ich drehe eine Runde, und noch eine. Das Rathaus ist ein Historismus Monster - zeige ich nicht. Und von den schönen Jugendstil Ensembles kann ich kein einziges finden - oder mir sind sie nicht besonders aufgefallen.

Doch, etwas hat mir gefallen, Die Skulpturen Gruppe, "Zeitreise" von Christian Uhlig (1944 in Dresden geboren)


Ich hätte sie ja "das Narrenschiff" genannt, denn es ist eigentlich eine ganz gute Umsetzung des Buches von Sebastian Brandt, 
Und seine Musiker sind auch ganz nett


Vor allem, wenn sie "neu eingekleidet" sind.

Gleich hinter Wittenberge wieder ein ohrenbetäubender Lärm. Dieses Mal sind es aberhunderte von Gänsen, die sich hier versammelt haben. Ist das Aufbruchstimmung?


Wasn Geschrei!

Dann weiter- gegen den Wind und durch die Elbauenlandschaft. Vor meinem heutigen Etappenziel Lenzen haben sie mit dem Deichrückbau begonnen. 
Aus den Erfahrungen des 2002er Hochwassers klug geworden, wurde der flussnahe Deich zurück genommen und durch einen neuen höheren ersetzt,der mehrere hundert Meter weiter hinten liegt und der alte Deich wurde immer wieder durchbrochen.


Man kann den alten Deich hier als dunklen Streifen vor der Elbe erkennen.

Und dann etwas ganz anderes. Kurz bevor ich nach Lenzen abbiege,


dieser ehemalige Wachturm an der DDR-Grenze. Ich hatte mich die letzten beiden Tage immer wieder gefragt, wo die Grenze verlaufen ist, und ob die Elbe nicht auch streckenweise die Grenze markierte. Hier! Kurz vor Lenzen bis etwa nach Horst ist die Elbe Grenzfluss.
Lenzen lag in der 5 km "Sperrzone" in die man von DDR Seite nur mit Sondergenehmigung hinein kam. Eine Dokumentation in der Burg Lenzen berührt. Auszüge aus dem Tagebuch eines Mädchens aus den 60er beschreiben die beklemmende Lebenssituation im "Sperrgebiet", das man "Schutzzone" nennen musste. "..ich weiß nicht wovon wir geschützt werden sollen. Vielleicht davor, dass noch mehr Menschen, die nach drüben wollen, erschossen werden.."
Über 1.400 Menschen werden in den 60er Jahren zwangsevakuiert. Das Elbeufer massiv vermint.
Die die bleiben leben in langsam verfallenden Dörfern, in Isolation.
Lenzen sieht man diese Geschichte heute noch an. Es gibt schön restaurierte Häuser, aber ganze Straßenzüge sind in schlechtem Zustand.



In der Burg Lenzen, haben NABU, das UNESCO-Biosphärenreservat, und die Organisatoren des "Grünen Bandes" ein Informationszentrum eingerichtet.


Interessante Informationen. Wer hätte gedacht, dass diese fast 1.400km lange Grenze mitten durch Deutschland ein Naturschutzgebiet von riesigem Ausmaß war. Hier konnten sich Arten erhalten, die überall sonst ausgestorben wurden.
Die Initiative Grünes Band hat versucht, dieses gigantische Naturschutzgebiet zu erhalten. Leider ist dies nur zum Teil gelungen, immer wieder haben Nutzungsinteressen Lücken in das Grüne Band gerissen, - trotzdem ein bemerkenswertes Projekt das erstaunlich erfolgreich ist.

Hier in Lenzen habe ich das Gefühl auf Zeitreise zu sein. So weit zurück in der Vergangenheit, war ich auf meiner ganzen Reise noch nirgendwo. 
Ich hatte ja ein wenig bedenken, als ich die Pension buchte. Auf meine Anfrage, ob es hier an einem Montag etwas zu essen zu bekommen, war die prompte Antwort: "Aber sicher!"
Aber wie es zeigt, waren meine Bedenken nicht ganz unbegründet. Das Bio-Hotel mit Restaurant, in der Burg, hat heute fast durchgehend Gruppen und Hotelgäste zu bewirten und nimmt niemand mehr zum Abendessen. Tough luck! Ich fürchte schon, dass ich noch mal auf´s Rad muss um in den nächsten Ort zu fahren, da sehe ich das Restaurant am Markt, eine sehr "traditionelles Lokal" - es liegt noch mitten in der "Sperrzone". 
Hatte ich eigentlich nicht schon die ganze Zeit vor, einmal Soljanka und Sauerfleisch zu essen? Das ist  d i e  Gelegenheit!  Die letzte Gelegenheit, denn Morgen Abend nächtige ich wahrscheinlich schon wieder in der "BRD".
Das Restaurant am Markt hat eine interessante Speisekarte. Etwa 12 Gerichte. Zu allen gibt es Bratkartoffeln. - Alternativ: Bratkartoffeln.
Ich habe kein Problem damit. Ich mag Bratkartoffeln.
Doch zuerst die Soljanka. Soljanka scheint eine Synonym für "Alles was noch im Kühlschrank ist muss rein" zu sein. Pflicht sind Saure Gurken und Tomatenmark. Hat mir geschmeckt, 
Nein wirklich,Soljanka kann man essen. 
Die Frage ist nur, ob "Sauerfleisch" als 2.Gang so eine gute Idee ist.
Sauerfleisch ist so eine Art Schinken in Aspik, sauer, sagt  ja schon der Name - und die Bratkartoffeln natürlich ultrafett!
Ein Wodka  wäre wohl angemessen gewesen, - habe ich mir aber verkniffen. Wenn das mal kein Fehler war.
Ich bin gespannt, ob das angekündigte gute Wetter Morgen hier wirklich ankommt. Im Augenblick ist es noch ganz schön frisch.
Jetzt muss ich mich noch drum kümmern, wo ich Morgen mein Frühstück herbekommen. 
Die Pension ist in Ordnung, aber seeehr minimalistisch.

Ach ja,noch ein interessantes Detail:

"Deutschlands Einheit war der Traum
meines erwachenden Lebens,
das Morgenrot meiner Jugend,
der Abendstern der mir zur ewigen Ruhe winkt..."

"Im Dorfe Lanz bei Lenzen,
dort auf der Prignitz Plan,
war ein Mann geboren,
hieß Friedrich Ludwig Jahn.."

Der Turnvater Jahr hat in seiner Kindheit in 3 Ländern gelebt. Sein Heimatort war im vergangenen Jahrhundert 40 Jahre in der Mitte Europas in einem Niemandsland, in das man nur Sondergenehmigung - eigentlich gar nicht hinein gekommen ist. 

Sonntag, 21. August 2016

41.Tag: Von Tangermünde nach Rühstädt



"Hildegund" zieht ostwärts. Ich radle aus Tangermünde bei Sonnenschein und kalter Morgenluft. Heute werde ich über weite Strecken durch das Biosphärenreservat Mittelelbe radeln.
Der Weg bis Arneberg ist "unterirdisch" schlecht. In Arneberg will der Elberadweg einen gewaltigen Schlenker ins Hinterland machen. Dabei gibt es ein wunderschönes kleines Sträßchen weiter der Elbe entlang. Ich unterhalte mich mit einer Joggerin, sie meint auch, "det vasteht keener". Ich bin sicher nicht mehr lange in  Sachsen-Anhalt, das hörte sich ganich mea sächsisch an.
Sonntag Morgen kleine Sträßchen, kein Verkehr. Ich komme gut voran. Bei Dalchau, an einer Info-Tafel treffe ich Marcel, einen Studenten aus Dresden. Er will Richtung Mecklenburgische Seenplatte. Gepäck hat er für eine Weltumrundung dabei. Wir kommen ins Gespräch und radeln zusammen weiter nach Havelberg. Bei Büttnershof mit der Fähre auf die andere Seite nach Sandau - gemütlich plaudernd sind wir im Nu in der "Hansestadt" Havelberg. Hier biegt Marcel ab. Ich mache Kaffeepause. Havelberg, Sonntag um die Mittagszeit, - hier scheint noch niemand wach zu sein. Die paar Gaststätten der Innenstadt sind noch nicht wirklich im "Betriebsmodus".


Die Stadtkirche, auf der anderen Seite der Havel ist sehr schön. 
Nach Havelberg wird die Strecke wieder spektakulär! Auch wenn "Hildegund" offensichtlich inzwischen über mich hinweggezogen ist, und ich jetzt auf der "falschen" Seite des Tiefs bin., soll heißen jetzt habe ich Gegenwind, - macht das Radeln durchs Biosphärenreservat entlang der Havel richtig Spaß. Ja richtig, ich radle auf dem Deich neben der Havel.


Die Elbe ist gleich hinter dem nächsten Deich. Über 10 km lang fließen die beiden Flüsse mehr oder weniger parallel. Die Mündung ist seit 1771 sukzessive immer weiter elbabwärts verlegt worden, um die "Rückstauhöhe" bei Hochwasser zu verringern und die Havelauen als Hochwasserentlastungs-gebiet zu nutzen. 
An der Havel ist  heute einiges los. Ich bin baff.


Ein Auto neben dem anderen. Was ist den hier los!


Und ständig - d.h. mindestens über 2 km verteilt, überhole ich solche "Wandersleut" oder sie kommen mir entgegen! "Es gibt doch Speditionen" wenn man umziehen will!
Einen der Herren spreche ich an. Hier ist ein Anglergroßereignis. Ein Wettangeln. Er ist von Wolfburg angereist, manche seien von noch weiter her. 
Unglaublich, was die Jungs dabei haben. Die Schubkarre ist gleichzeitig die Angelplattform, die sie aufbauen, und von der aus sie angeln. Angler ohne Ende. Mein Gesprächspartner zeigt mir eine seiner vielen Angeln, für die er 1.200,- € gezahlt hat. Ich bin von den Socken. "Ja, kann man sagen, ist ein teures Hobby". Allein zum Anfüttern hat er Futter für über 40,00€ in den Fluss geworfen. "Und war man erfolgreich?" Eine müde wegwerfende Handbewegung sagt alles. 
Nur Weißfische, nichts richtiges. "Am besten dran, sind die, die ganz außen an der Strecke sind." "Und wie kommt man an seine Position?" "Wird ausgelost." 
"Ja, und Startgeld muss man natürlich auch noch bezahlen. Aber man kann ja auch was gewinnen, diese Kiste", er zeigt auf eine Art Handwerkerkoffer, "habe ich bei einem anderen Wettangeln gewonnen, kostet so um die 400,00 €" - Ich schaue auf seine "Schubkarre", mannomann, der fährt da einige 1000€ durch die Landschaft, - und wofür? Um ein paar Weißfische rauszuholen.
Beinahe hätte ich ihm von Till und seinen Lachsen in der Tiefkühltruhe erzählt, aber dann dachte ich, "der Arme ist eh schon frustriert genug" und habe meine Klappe gehalten. Was bin ich froh, dass meine Söhne, keine durchgeknallten Wettkampfangler sind!!!!


Ich war völlig von den Socken, wie viel Geld Männer fürs Angeln ausgeben!
Ich schätze, hier waren mindestens 100 Angler zugange. Mein neuer Anglerfreund meinte, heute seien es wenige gewesen. In anderen Jahren wären es hier schon mal doppelt so viele gewesen.
"Und jetzt geht es zum Essen!" "Fisch?", frage ich. Er lacht, "Nee, hier gibt es jedes Jahr Schnitzel und Kartoffelsalat"

Dann kommt die Havelmündung


Und kurz danach habe ich auch schon mein heutiges Etappenziel erreicht ( Die knapp 70 km sind wie im Fluge vergangen).
Rühstädt, das Storchendorf. Es sei das storchenreichste Dorf Deutschlands. Über 40 Storchenpaare brüten hier jedes Jahr. In dieser Jahreszeit sind sie natürlich nicht mehr auf den Nestern. Aber losgeflogen sind sie auch noch nicht. In den Auwäldern um Rühstädt brüten übrigens auch Schwarzstörche.

Das ist das NABU-Storchen-Zentrum. Beeindruckender Bau. Mittelmäßige Ausstellung. Sicher schön für Schulklassen und Kindergruppen.
Dann mache ich mich auf die Suche nach meiner Unterkunft. Heute werde ich "standesgemäß" nächtigen



In Schloss Rühstädt. Das ist der Blick von meinem Fenster. Ich bin begeistert. Keine Angst Friederike, du musst die nächste Woche nicht von Pellkartoffeln leben (was dir garantiert nichts ausmachen würde). Ich habe es ja schon in Dresden gemerkt. Für die Nacht vom Sonntag auf Montag bekommt man selbst in Nobelherbergen "Schnäppchenangebote" - die Nacht muss die "tote Hose" der Hotellerie sein. Doch das Schloss Rüthstädt ist kein Nobelschuppen, - eher originell.


Das ist das Zimmerchen eures "von und zu"!


Alles ist vollgestellt mit Antiquitäten. Der Manager, - Ur-Badener aus Freiburg - erzählt ein bisschen vom Besitzer, der noch ein zwei andere Schlösser als Ruinen nach der Wende aufgekauft hat. Um sie wieder zu nutzen, mussten Millionen hineingesteckt werden. Die man erst einmal haben muss. Danach hat er seine Antiquitätensammlung auf seine Schlösser verteilt. 
Ob einer tausende von Euros in seine Angelausrüstung steckt oder Millionen in Schlösser und Antiquitäten, irgendwie sind sich die Spinner auf eine gewisse Art sehr ähnlich. 
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schloss Rühstädt "die Gelddruckmaschine" ist. So etwas muss man sich leisten können. Aber die Geschäftsführung ist sympatisch unkompliziert. Die Rezeption ist eigentlich kaum besetzt. Die Gäste werden gebeten, die Eingangstür immer abzuschließen, neben der Kaffeemaschine steht Kuchen - zur freien Verfügung und auf dem Getränkekühlschrank liegt eine Strichliste.
Jugendherbergsfeeling auf hohem Niveau.


 Da muss sich euer "von und zu" doch auf die Schlossterrasse setzten und in Erinnerung an meine sächsischen Freunde noch een Däschen Gafe dringen (heute bin ich über die Grenze nach Brandenburg gekommen) und ein Stückchen Kuchen essen.


Und danach noch eine Runde durchs Storchendorf.


An jedem der 40 Häuser, auf denen Storchen nisten ist eine Tafel angebracht, auf der vermerkt ist, wann die Störche in den letzten Jahren angekommen sind, wie viele Junge sie aufgezogen haben und wann sie wieder abgeflogen sind.


Nach diesen Angaben, sind die Störche  schon am Aufbrechen. In den letzten Jahren flogen sie immer zwischen dem 20. und dem 28.8. ab. Heuer sind sie noch da!
In einem ganz netten Dorfkrug,  habe ich super leckere Tagliatelle mit frischen Pfifferlingen gegessen! 

So schön kann Reisen sein!

(Ach ja, als ich heute Mittag angekommen bin, Taschen vom Fahrrad, Fahrrad in sein Domizil, kommt ein richtig heftiger Regenschauer runter - wieder mal Glück gehabt - toitoitoi)

Samstag, 20. August 2016

40.Tag: Von Magdeburg nach Tangermünde



Es soll heute schlechter werden, das Wetter! Also lieber los, so lange der Himmel blau ist und die Sonne scheint. 
Rüber über die "Friedensbrücke" und zum Abschied noch einmal großes Magdeburger Skulpturentheater


"Für Daphne", Skulptur von Auke de Vries. Die Arbeiten des Künstlers aus Den Haag, stehen in ganz Europa. Ich habe bisher nur Fotos gesehen. Die filigranen und spielerischen Großskulpturen gefallen mir sehr. Magdeburg hat sich diese 2002 geleistet. Gute Entscheidung.

Es geht flott voran. Den Rückenwind spüre ich zunächst kaum.
Ziemlich flott erreiche ich Hohenwarthe. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung was mich hier erwartet! 
Das europäische Wasserstraßenkreuz Magdeburg!
Sagt mir immer noch nichts.
Dann die "Trogbrücke".


 Ok, kenne ich schon aus Frankreich. Diese Wasserstraßenbrücke geht über die Elbe.  


Mit der Doppelschleuse Hohenwarthe wird der Elbe-Havel-Kanal mit dem Mittellandkanal verbunden. D.h. Schiffe werden mit den Schleusen auf das Niveau der Brücke gehoben. 

Wie man sehen kann,  wird Berlin auf diesem Wege seinen Schrott los:


Ich bin etwas verwirrt. Also der Elbe-Havel-Kanal geht über die Elbe hinweg. Wie kommen die Schiffe dann in die Elbe?

Mit einem Radlerpaar stehe ich vor der Informationstafel. Also der Mittellandkanal verbindet Rhein, Weser, Elbe und Havel. 2003 wird die "Trogbrücke" eingeweiht. "Das war Schröders Lieblingsprojekt", erklärt ein freundlicher Magdeburger, der sich in unsere Diskussion einmischt. "Zum 10jährigen der Wiedervereinigung haben sie mit dem Bau begonnen." Verstehe, der alte Hannoveraner wollte damit seiner Stadt was Gutes tun. Aber noch einmal, wie kommen die Schiffe in die Elbe und nach Magdeburg?


Jetzt wird es klar, Hinter der Brücke kommt die "Sparschleuse  Rothensee" In einem Schiffsaufzug, werden die Schiffe runter zur Elbe gebracht. Aber ganz ehrlich, warum man Schiffe hochhieven muss, um sie über eine Brücke über die Elbe zu bugsieren, um sie dann, wieder runterzuschleusen, das verstehe ich nicht ganz? Wozu der Aufwand?
Und was eine Sparschleuse ist habe ich nach den Bildtafeln immer noch nicht verstanden. Da muss ich Nachhilfe nehmen.

Liegt wohl daran, dass der Mittellandkanal etwa 18m höher liegt, als der Havel-Elbe-Kanal und diese Verbindung die wichtigere ist. Die Verbindung wieder hinunter zur Elbe ist sozusagen ein bypass.
Was man alles ganz im "Vorbeifahren" lernen kann. War wirklich interessant.
Es gibt noch eine alte Schleuse, die zur Elbe runterführt, die Niegripper Fähre, die ist nur noch für Sportboote geeignet.


Jetzt aber genug gelernt. Bis Tangermünde ist es noch ne ganze Ecke hin!
Und siehe da!


Heute steht zum ersten Mal "Hamburg" auf dem Wegweiser! "Es geht dagegen!"

Bald komme ich an die Rogätzer Fähre, ich wechsle hier die Seite, denn Tangermünde liegt auf der Westseite.


Und jetzt muss ich doch auf meine heutigen "Plagegeister" eingehen. Ich habe mal wieder eine Radlergroßgruppe an der Backe - oder an der Hacke.
Immer wenn ich halte - um Tai Chi zu machen - eine Rotte Holländer will auch Pause machen. Und die Gruppe ist ehrlich gesagt ein bißchen ätzend. Furchtbar laut, furchtbar witzig!
Ich komme an den Schleusen an. Keine 10 min später kommen die Holländer. Und es wird wieder voll.
Und in Rogätz, mir fährt die Schleuse quasi vor der Nase weg, ich muss warten - und wen höre ich schon von Ferne. "Meine" Holländer.
Stundenlang fährt man muttermausallein durch Wälder und Weideland, und auf einmal ist man wieder von lärmenden Holländern umzingelt. Ich meine in Holland verkaufen sie doch Hörgeräte, da muss man nicht so schreien!
Runter von der Fähre und nix wie weg! 
Dann steht die Kaffeepause an. Ein lauschiges Plätzchen an einem Campingplatz, ich fahre ein. Setze mich, bestelle Kaffee, Kaffee kommt - und meine Holländer auch! Ich fasse es nicht. Sie wollen hier auch Pause machen - und machen ziemlich Stress. Der Kellner ist schon nach ein paar Minuten genervt. Ich trinke den Kaffee zügig aus, lege das Geld hin und verschwinde! 
Nix wie weg!
Und jetzt fange ich an zu fliegen! Dank "Hildegund"!
Heute habe ich hautnah miterleben dürfen, wie das mit dem Wind und den Tiefdruckgebieten funktioniert. Das "Sturmtief Hildegund" liegt über den Britischen Inseln - heute soll ja Regen kommen! Und ich sehe auch dunkle Wolken links von mir. Bis es aber so weit ist, ist Hildegund meine Freundin. Sie dreht sich gegen den Uhrzeigersinn. Das Tief liegt westlich von mir. Ich will nach Norden, also bekomme ich den Wind auf der "rechten Hälfte" des Tiefs von Hinten, genial!"
Und das den ganzen Nachmittag ( na ja, nach Buch hat mich die Straße im Stich gelassen, ist nach links ausgebrochen, und da habe ich dann auf einmal fast Gegenwind gehabt, aber das waren ein paar hundert Meter). 
Obwohl es heute wieder um die 75 km waren, bin ich schon kurz vor 15:00 in Tangermünde. 
Der Ort ist die 2.positive Überraschung des Tages. Ich habe mir meine Übernachtung eher aus entfernungstaktischen Gründen ausgesucht und nicht nach kulturellen Highlights. Tangermünde hat mir bis heute nichts gesagt. 
Um so größer die Überraschung
Eigentlich hatte ich beim Blick auf die Karte eher erwartet, dass bis Hamburg eher die Naturschauspiele in den "Biosphärenreservaten" und Naturschutzgebieten im Vordergrund stehen würden. Weniger Romanik, Gotik, keine Kursächsischen Postmeilensäulen mehr (von den 22 habe ich bestimmt die Hälfte gesehen - Ein herzliches Dankeschön in diesem Zusammenhang an Herrn S aus E, für seine hilfreichen Ergänzungen und ermutigenden Kommentare!!)
Und dann Tangermünde!


Tangemünde die Hanse - und Kaiserstadt ist ein wahres Schmuckkästchen.
Hansestädte gibt es in dieser Gegend einige. Stendal, Havelberg, etc. 
Aber Kaiserstadt?
Gut das Mittelalterliche Ensemble ist beeindruckend, auch wenn nicht alles wirklich "mittelalterlich" ist.




Das Rathaus. Ein wirklich sehr schmuckes Städtchen. Aber was haben sie mit Kaisern zu tun.
Tatsächlich, die Burg  hat eine zeitlang Karl IV gehört, der sie zu einer Sommerresidenz ausgebaut hat. Der König von Böhmen hat im Gegensatz zu anderen, Ländereien auch mal gekauft, statt sie zu erobern. Brandenburg ist auf diesem Weg in sein "Reich" gekommen.


Jawohl, Brandborsko! "Wer weiß, wenn er ein wenig länger durchgehalten hätte wäre es auch noch zu Hamburgsko gekommen, und meine Hamburger Freunde wären Knödelesser geworden.
Karl IV, 
Der Vierte Karl gilt als einer der großen Kaiser - in Tschechien wird er als der Gründer der Nation "geehrt", die "Goldene Bulle" wahr bahnbrechend,  regelte das Wahlverfahren der Kaiser, und von seiner "Landordnung" profitierten die Herrscher in Brandenburg noch viele hundert Jahre später. Auf ihrer Grundlage haben Generationen von Herrschern ihre Steuern eingetrieben. Ja er war schon ein großer Kaiser - und Kaufmann, so schlau, dass er sogar das "Recht" auf Judenpogrome verkaufte. Das "Judenregal" regelte was mit dem Eigentum von Juden geschehen solle, wenn sie  ohne Erben verstarben, was natürlich bei "Pogromen" gar nicht so selten vorkam! Perfides Geschäftsmodell! Bis ins vergangene Jahrhundert hatte es quasi Bestand.




Wirklich ein tolles Städtchen.
St. Stephan ist ebenfalls beeindruckend. Ganz besonders die Scherer Orgel aus den 1620ern, die heute noch spielbar ist. Mehrfach restauriert. Fachleute behaupten, dass der Klang dem Ursprungsklang sehr nahe komme. Immerhin sind noch über 50% der Ursprungsorgelpfeifen erhalten und im "Einsatz".





In Tangermünde gibt es viel zu entdecken.
Und dann fängt es tatsächlich an zu regnen. Ich sitze warm und trocken - und hoffe, dass Morgen der "Spuk" wieder vorüber ist.



Auszug aus: "Betrachtungen zur  Kulturgeschichte des 20.und 21.Jahrhunderts" - auf der Basis der "Engener Festplatte von Morfrad M%ller-Harter" dem sensationellsten Fund der neueren Archäologie, Insel Chäserrugg, 2849, 12.Auflage, S.710 ff.

"Mensch und Natur im 21.Jahrhundert" Kapitel 3: Die "Clearwater- Bushwinkel" Kontroverse"

Auf dem Höhepunkt ihrer akademischen Karriere, als ihre Thesen zu den beiden grundlegenden Typen der Glaubenswelt der landgestützten Kulturen des 20.u.21.Jahrhundert als unumstritten galten, trat Barney Bushwinkel mit neuen Interpretationen der M%ller-Harterschen Bilddateien auf. Er bestreitet die grundsätzliche Richtigkeit der Clearwaterschen Entdeckungen nicht. Er ergänzt sie sogar durch zahlreiche Beispiele:
Er zeigt, dass die Verehrung Heiliger Bäume, durchaus etwas humorvolles haben konnte.

Er wirft Clearwater aber vor, Bilder, die nicht in ihr "Zoophylie und Dendrophylie" Schema passen, bewusst verschwiegen zu haben.
Denn wie erklären sich Bilder wie diese:


An versteckten Plätzen so dokumentiert M%ller-Harter lagern zerhackte und zersägte Bäume in großen Mengen


Die Beweislage ist erdrückend. 
Die Clearwatersche Zweiteilung ist nicht aufrecht zu halten. Ganz offensichtlich hat es auch Dendrophobe Richtungen gegeben. Ob Bushwinkels These, dass Zoophylie  mit Dendrophobie verbunden ist, 



ist in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskussion äußerst umstritten. Bushwinkel folgert, dass hier ein "heiliger Baum" vom Totemtier eines Zoophilen "besetzt" - oder vielleicht sogar überwunden wurde. Hat hier der "Tierfreund" über den "Baumfreund" triumphiert. Hat hier der "Eulen-Clan" gegen den "Kiefernclan" obsiegt? Wurden hier "symbolische Stellvertreter- Kriege" geführt?
Bilder diesen Typs finden sich in der Tat in großer Zahl auf der "Engener Festplatte".
Bushwinkels Schüler Atanasius Gülfenbein geht sogar noch weiter und behauptet, dass Clearwaters Bilder, die sie als Beweis für Zoophylie zitiert, in Wirklichkeit Trophäen von 
Zoophoben sind. 

Noch deutlicher sind Wandmalereien, die sich in M%ller-Harters Bilddateien in großer Zahl finden.



Bilder wie diese, da muss man Bushwinkel und seinen Schülern recht geben, sind eindeutig aggressive Akte gegen Tiere. 
Die Clearwater-Bushwinkel Kontroverse weitete sich in den folgenden Jahren enorm aus.
Heidenreich et.al. weisen die Bushwinkel Koppelung, dass Dendrophile auch Zoophob seinen bzw. Zoophile - dendrophob seien entschieden zurück und weiten das Schema, auf insgesamt 9 Kategorien aus.
Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand befinden sich sowohl Clearwater als auch Heidenreich derzeit in psychiatrischer Behandlung, wo sie sich von ihrer extrem belastenden Forschungen erholen. Wir übermitteln  im Namen der ganzen Redaktion der "Betrachtungen..." von dieser Stelle unsere allerherzlichsten Genesungswünsche.