Dienstag, 19. Juli 2016

8.Tag: Von Stralsund nach Sagard

Karte 8.Tag

Von Stralsund ( muss man übrigens Straahlsund aussprechen. Der Auswärtige outet sich garantiert, weil er Stralsund immer kurz und auf die 2.Silbe betont) über die Brücke rüber nach Rügen.Zum Glück, nicht über die große, hohe, die ich Euch gestern gezeigt habe. Für Radfahrer geht der Weg an der Eisenbahnbrücke entlang, viiel flacher und sehr angenehm. 
Und schon sehen wir Stralsund von der anderen Seite des Sunds.




Die letzten Tage haben wir sehr intensive Diskussionen geführt, wie der Romantik zu definieren sei und worin sich romantisches radeln auszeichnet. 
Ich persönlich bin ein großer Romantiker und liebe verwunschene Wäldchen und Radwege auf den Klippen und durch Schilf und Rohr.
Allerdings endet bei mir die Romantik, wenn ich dafür erhebliche Schleifen oder verheerende Wege in Kauf nehmen muss. Da bin ich einem gut geteerten Radweg, der schnurstracks neben einer Bundesstraße mich meinem Ziel näher bringt, durchaus nicht abhold. 
Der Ostseeradweg (also nicht der richtige, der E 13, der geht überhaupt nicht über Rügen sondern dieser  regionale eben) folgt der Küste, und selbst "bikeline", die Bibel der Fernradwege, spricht von sehr schlechten Wegen. Oben an der Bundesstraße ein nagelneuer geteerter Radweg und 6 km kürzer. Ich kann Friederike überreden, muss dann aber die nächsten Kilometer unzufriedene Kommentare aushalten. Irgendwann der Kompromiss, doch Richtung Küste. Das Sträßchen ist wirklich nett, die abgeernteten Felder - na ja, romantisch geht anders, finde ich. Doch dann wird es richtig schön!!
Für etwa 7-8 km. Bei Landow haben wir wohl die falsche Abzweigung erwischt haben. Denn auf einmal müssen wir bis Gingst auf einer überhaupt nicht romantischen Straße fahren, mit ziemlich viel Wohnwagenverkehr und  Urlaubern, die es sehr eilig haben.
Nach Gingst treffen wir auf eine sehr nette Frau, die uns erst einmal ausschimpft. "Mit so einer Karte können se doch nicht fahren, sie brauchen eeene richtige Radkarte". Mein Einwand, dass die Karte vom ADFC, alle ihre geheimen Sträßchen auch drauf hat, lässt sie nicht gelten. Wahrscheinlich hatte sie nur ihre Lesebrille nicht dabei. Aber sie schwärmte regelrecht von diesen "Sträßchen" und 7 verschiedene Heilkräuter könnte man auf diesem Wege sehen, was auf Rügen, wo es doch so große Felder hat, selten ist, aber auf unserem Wege gäbe es wenigstens noch kleinteilige Landwirtschaft..."

Der Weg war wirklich schön, 7 Kräuter haben wir nicht getroffen. Aber trotzdem schön.
Und dann sind wir endlich am Großen Ismunder Bodden. Ralswiek, ein verträumter kleiner Hafen jenseits der 7 Berge.


Der Fischkutter ist übrigens ein Restaurant und die Räucherkammer, - der Kasten links neben der gelben Tafel heißt "Mielkes Tresor".
Wir wollten ganz gemütlich einen Kaffee trinken, doch das wurde uns ganz schön verleidet.
Eine richtige Dumpfbacke konnte gar nicht aufhören, darüber zu räsonieren, dass Deutschland in 15 Jahren zum Osmanischen Reich gehören würde, und ob Merkel eigentlich nicht merken würde, dass nur junge Mänder, komplett durchtrainiert, als "Flüchtlinge" hier auftauchten. "Die Ostsee damit auffüllen!!!"..... Es war unerträglich. Das schlimme war, der Kerl war nicht einmal betrunken. 
Nichts wie weg. Und wie üblich, fallen mir im Nachhinein blendende Gesprächsstrategien ein, wie man mit solchen Menschen reden müsste. Klar, so eine Geschichte wie gestern in Würzburg, die geht uns allen nach, aber solche Verbalterroristen machen die Sache nur noch schlimmer, - und das in Ralswiek, wo noch nicht einmal der Sarotti Mohr vorbeigekommen ist.
An der Engstelle zwischen dem Großen und dem kleinen Jasmunder Bodden, fängt es an bei Friederike zu kribbeln. 
Den ganzen Tag über ist es wolkig bis sonnig gewesen, aber mit einem frischen, bis kalten Wind.


Soll ich rein, soll ich nicht rein, soll ich rein... 


Und natürlich ist sie rein! Alles andere hätte uns doch gewundert, oder?

Außerdem sind es nur noch 7 km bis Sagard, unserem heuten Etappenziel. 
Mit dem heutigen Tag haben wir fast die 500 km Marke geknackt. - Und wo sind wir gelandet. In einem original ungarischen Hotel. Heute gab es lecker Pökölt.
Am Ortskern von Sagard ist die Wende ziemlich vorüber gegangen. Viel kaputte Bausubstanz, ein verschlafener Ort, aber ideal für unseren Ausflug an die Kreidefelsen und ans Kap Arcona.



Und jetzt ich:


Das Badevergnügen im Jasmunder Bodden war eher ein Wat-vergnügen: bin im knie- bis oberschenkelhohen Wasser vor mich hingestapft, es wurde und wurde nicht tiefer. 
Eine andere Baderin erklärte mir dann dass man bis zur anderen Seite laufen kann, nur ein kleiner Abschnitt ist Fahrrinne. "Ja das ist auch Ostsee" fügte sie an, als sie- wahrscheinlich - meinen wenig begeisterten Gesichtsausdruck sah, und sie verstehe gar nicht, warum keiner hier Urlaub machen mag, das ist doch das gleiche Wasser, und letztes Jahr war sie in- wasweißich- und da wäre es so voll gewesen und nun sei sie mit ihrem Mann wieder hierher gekommen. Undsoweiter.
Aber das Wasser war angenehm, bestimmt 21-22 Grad, sauber und ganz wenig salzig. 
Ja ich weiß... das ist auch die Ostsee.

Sagard, das Örtchen in dem wir gelandet sind, war im 18. Jahrhundert als Heil und Kurort beworben worden, ein Pfarrer hat die Heilquelle publik gemacht, die Heilkraft wurde allerdings von Anfang an bezweifelt, es gab eine Parkanlage, einen Kurpavillon und eine  Und im Jahr 2007 wurde die Brunnenaue als Spazierweg wieder eröffnet.
Auch eine kleine Kirche (gehört zu den ältesten auf der Insel, 13.Jh) gibt es, und ein Museum, beides war heute schon zu.



"Ungarisches Hotel"- Manne  schreibt den Blog.


Heute war ein "Schöner Radweg versus schöner Radweg" Tag. 
Fragt man an einer Kreuzung einen hemdsärmeligen Mann, nennen wir ihn mal Per oder Jupp, der grad mit einer großen Heckenschere seinen Buchs stutzt, dann ist der schöne Radweg der neue, asphaltierte, parallel zur Bundesstrasse quer über die Insel, man ist ganz schnell auf der anderen Seite. Das ist ein schöner Radweg.

Fragt man an einer anderen Kreuzung eine grau gelockte Frau, eine Frauke oder Rieke, die einen Einkaufskorb ins Haus trägt, dann ist der schöne Radweg der, bei dem man Kräuter und Blumen pflücken kann, der geht auch mal über eine Wiese oder durch tiefen Sand, man hat schöne Ausblicke und macht gerne Pause. Das ist ein schöner Radweg.  





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