Freitag, 29. Juli 2016

17. und 18. Tag: von Schwedt über Neu Wustrow nach Frankfurt a.d.Oder

Heute gibt's einen "Zwei--Tage-Blog", denn wir hatten bei der letzten Übernachtung kein WLan. Dafür aber ein ganz besonderes "Zimmer", nämlich dieses wundervolle Safarizelt.


Nun aber zum Anfang des Tages:
Aus Schwedt herauszufahren war sehr entspannt und an der Oder hat Manne ein schönes Plätzchen für Tai Chi gefunden, oder begrüßt er nur diese Mutter und Kind - Skulptur?


Kurz hinter Schwedt ist schon unser erster Stopp, das Nationalpark "Untere Oder"-Infozentrum in Criewen. Manne wird darüber sicher mehr berichten, denn er hielt ein längeres Schwätzchen mit dem "Ranger".
Durch die herrliche Auenlandschaft und immer oben am Deich entlang fahren wir gemütlich Stunde um Stunde. Obwohl, so ganz gemütlich war es gar nicht, denn wir hatten einen ganz fiesen Gegenwind. Aber ich durfte immer wieder in den Belgischen Kreisel- hinten natürlich! Danke!



Eigentlich ist der Oder-Neiße-Radweg eindeutig ausgeschildert, aber wenn man mal ein bisschen anders fährt, dann gibt's keine Hinweisschilder mehr. An den Schleusen von Hohensaaten sind wir plötzlich in eine ganz andere Richtung unterwegs. Die Oder ist auf der falschen Seite. Fast wären wir den Oder-Havel-Weg gefahren, uff, zum Glück hat uns ein netter Aufsitzrasenmäherfahrer wieder auf den richtigen Damm gebracht.
Einen wunderbaren Blaubeerstreuselkuchen haben wir unterwegs gegessen, und natürlich habe ich in der Oder gebadet, die hier schon ganz schön Strömung hat.

Es war ein langer Tag bis wir in Alt-Wustrow in unserer Landpension gelandet sind. In Neulietze-göricke (alter Dorfkern, erste Besiedlung des Oderbruchs) haben wir uns in einem Gemischtwarenladen mit etwas Brot, Wurst und Bier fürs Nachtessen eingedeckt. Die Ladenbesitzerin hat sich über Kundschaft gefreut  und gerne mit uns geplaudert. Leider haben wir sie ganz schlecht verstanden- sie uns offensichtlich auch, obwohl wir uns sehr bemüht haben. Und ein paar Kilometer weiter bei "Elkes Hofladen" gab's dann noch Tomaten frisch vom Strauch und Gurken dazu.
Und dann eben unser Safarizelt im Veranstaltungsraum der alten Wirtschaft in Neu-Wustrow:



Wir hatten den ganzen Saal für uns, es war wundervoll still und sehr liebevoll hergerichtet.
Frühstück 1a mit selbstgemachten Marmeladen, Holunder-Rhabarber, Leute super nett, die Betreiberin eine Amerikanerin, wie die wohl in diese abgelegene Gegend  kam? Liebe?
Und so sah's von außen aus, die sechs Fenster rechts, das war unser Saal:



Und heute, also Freitag, war der superlange Radtag: 80 km sind wir gefahren und dabei haben wir die 1000 km vollgemacht!
Eine wunderschöne Fahrt durch das Oderbruch, immer mit Blick auf diese weite Landschaft mit den großen Weiden und Pappeln, auf der andren Seite Robinien und Eichen, mit Störchen, Kormoranen und sogar ein paar Kranichen, mit lärmenden Bäumen voller Straren, immer wieder die Oder, ein Seitenarm, eine Angelstelle, Schilf, Entenquaken,, .so schön. 60 km ist dieses Sumpfgelände lang und immer wieder wird es überschwemmt. Wir fahren die meiste Zeit auf dem Hochwasserschutzdeich. Einige dunkle Wolken haben unseren Weg überflogen, aber wir hatten Glück. 
Jetzt sind auch andere Fernradler unterwegs, die meisten kommen uns entgegen, aber immer noch keine Massen.
Dann taucht "mein"See auf an der Sydoswiese, wo sogar ein Schild zum Baden einlädt, aber Tiere waschen verboten ist. Und wo schon einige Nackige rumplanschten.
 Foto für die Wessis ohne Nackige:


So und jetzt lasse ich den Manne auch noch ein bisschen was erzählen:

Und jetzt ich:

Sorry, mit dem Wlan, einen Tag ohne Blog. Hat mich auch Nerven gekostet. 
 "Aber nächste Woche soll DSL kommen", meinte unsere Gastgeberin.
Was gibt es von meiner Seite noch zu berichten?
Das Wesentliche hat Friederike schon erzählt.

Zum einen natürlich unsere Fahrt durch die die ehemalige "Stalinallee" von Schwedt. Sah wirklich aus wie die ehemalige Stalinallee zu Berlin, Hauptstadt der DDR (über die Biermann das das bekannte Lied über die Beibehaltung von Straßenbezeichnungen gesungen hat. Aber mal ehrlich Hindenburg/Hitlerstraße, statt Vorstadt? Muss nicht sein)



Aber ganz nett dazu hat unten an de Oder die geführte Radtour gepasst, die von einem ehemaligen NVA Offizier vor Beginn der Tor "vergattert" wurde. Da hat mir gefallen, das habe ich "Vor Antritt unserer heutigen Etappe" dann auch mit Friederike gemacht.



Ja, in der Tat hatte ich ein längeres und sehr anregendes Gespräch im Informationszentrum des Nationalparks Untere Oder zur Criewen, im Linnépark. Zum einen über die Gefahren, die durch die Pläne der polnischen Seite, bei Gryfio ein AKW zu bauen. Zum anderen aber auch über die interessante Partnerschaft, der deutsch/polnischen Oder Feuchgebiete mit einem "Feuchtgebiet" in Moçambique. Die Partnerschaft ist wohl schon zu DDR Zeiten entstanden. Heute aber um so wichtiger, da viele Zugvögel aus Mitteleuropa bis dorthin nach Südafrika fliegen. Dieses Feuchtgebiet ist aber massiv bedroht, da chinesische Konzerne in großem Stil Land ankaufen, um Reisanbau zu betreiben. War wirklich interessant. Ober auch schon mal an einem der Wissenschaftleraustauschprogrammen teilgenommen habe. "Icke, ne ick setz mir in kein Flugzeuch und in keen Schiff, das wirste nich erleben!"

Eine andere Geschichte am Rand. Schon bei der Planung der Reise ist mir aufgefallen, dass es relativ schwierig ist, die Flussseite zu wechseln. Es gibt nur wenige Brücken. Aber immer wieder Brückenreste, die im Wasser stehen. Das hat mich sehr an die Donau unterhalb von Belgrad erinnert.

Bei Garz fand ich dann folgenden Stein.


Kann man´s lesen? Über 200 Jahre hat hier eine Holzbrücke gestanden. Beachtlich!
Dann haben sie 1926 eine Betonbrücke gebaut. die ein Jahr später eingestürzt ist. "Pfusch am Bau?"
3 Tote!
Die neue Brücke hat den 2.Weltkrieg dann auch nicht überstanden. Und seither kein Weg nach Polen.
- Tja, Holzbrücken, waren auf lange Sicht gesehen, nicht die schlechteste Option.

Notwendiger Nachtrag zu Neu-Wustrow. Das war wirklich ein sehr schönes Quartier. Vor allem war es der ideale Kompromiss zwischen Friederikes Dauersehnsucht, mal wieder romantisch unter freiem Himmel zu campieren und meinem romantischen Bedürfnis gemütlich in einem Bett zu liegen und sicher zu sein vor irgendwelchen undichten Himmeln.
Und überhaupt. So genial geeignet für Indoor-Tai-Chi:


Das Oderbruch hat mir sehr gefallen. Die Fahrt Richtung Frankfurt war die ersten 60 Kilometer genial. 
Bei Groß Neuendorf hätte ich allerdings beinahe auch eine eine Unterkunft gefunden, die mir genauso gut gefallen hätte.




Im ehemaligen Umschlaghafen von Groß Neuendorf gab es Appartements in alten Industriegebäuden. Super hergerichtet, mit spektakulärem Blick auf das Oderbruch. In diesem Turm ein Appartement über 3 Stockwerke mit Balkon. Das hat was!! Und dann noch eine Schaukel, mit mindestens 7m Länge. Ein perfekter Tag für Friederike. Schwimmen in lauschigen Seen und  dann auf eine Megaschaukel:



Nach 60 km auf dem Deich und mit überwiegend Wind aus 4- 5 Uhr und dementsprechend gutem Stundenschnitt, war bei Küstrin langsam Schluss mit lustig. Der Wind drehte. 1 Uhr  und heftig. 
Belgischer Kreisel.
Wie es den Anschein hat, müssen wir uns jetzt ab Frankfurt  langsam auf anderes Radeln einstellen. Schluss mit Seeadler, Fischadler, Störchen, Biberdämmen, Kranichen, Gänsedreiecken am Himmel, Kopfweiden, Sümpfen... 



Dieses Bild fasst schön zusammen, was wir die letzten 3 Tage und 250 km gesehen haben. War schon gut, dass überall Schilder standen, dass man nicht in die Sümpfe fahren soll!!

War jetzt ein langer Bericht. Ich denke wir sehen uns ab jetzt wieder ohne technische Probleme.
Bis Morgen dann!!

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