Samstag, 30. Juli 2016

19.Tag: Von Frankfurt nach Guben




Von Frankfurt an der Oder gibt es nicht viel zu berichten. Gestern nach der 80 km Tour waren wir einigermaßen platt und sind nur noch bis zum nächsten Schnitzelschuppen gegangen und wieder zurück. Trotzdem weiß ich ALLES über Frankfurt. Der nette, und seehr gesprächige Rezeptionist hat mich lange und sehr ausführlich auf den neuesten Stand gebracht: Dass das Kleistmuseum unbedingt sehenswert sei, "da kann man sogar den Schuss hören,  mit dem er sich umgebracht hat."- Hätte das Museum nicht erst um 10:00 Uhr heute aufgemacht, dann hätte mich mir das auf keinen Fall entgegen lassen. Wann kann man schon mal einen 200jährigen Schuss hören. Auch über die Uni und dass dort über 88 Nationen europäisches Recht studieren, dass der Lennépark so schön wieder hergerichtet sei, dass der Boom Frankfurts dank der Solartechnologiefirmen längst wieder abgeflaut sei, "wegen der Merkel und den Chinesen", dass man leider nicht mehr oben auf dem Oderhochaus Eis essen kann. Hat sich ein Berliner Investor gründlich verkalkuliert, "dachte er könne hier Preise wie in Berlin verlangen......"
Wie gesagt, fragt mich, ich weiß Alles über Frankfurt.
Beim Rausfahren aus der Stadt konnte man sehr immer wieder erkennen, dass es noch viel zu tun gibt. Die Immobilienhaie haben sich zum Teil wohl an zu großen Brocken verschluckt.


Es gibt aber auch viele der großen Gründerzeitvillen, die toprestauriert wurden.

Heute Morgen beim Packen haben wir in den Nachrichten gehört, dass dieses Wochenende, erstes Ferienwochenende in Bayern und Ba-Wü, allerseits mit Staus zu rechnen sei. Dass dies uns betreffen könnte, das hätten wir nie vermutet. Aber dann dies:


Ob die Schafe aus Bayern kommen, das konnte ich nicht erfahren. Der Schäfer war es auf jeden Fall.
Als ich ihn fragte, wie wir uns verhalten sollen. "Wos wärst mocha weidafoan halt." Mehr oder weniger bereitwillig haben die Schafe tatsächlich Platz gemacht.

Auch wenn die nächste Station "Eisenhüttenstadt" es nicht vermuten ließ, 


der heutige Tag, nur wenige Kilometer hinter Eisenhüttenstadt, brachte wirklich ein Highlight der Reise. (Badetechnisch gesehen nicht ganz so, wie sich das Friederike vorgestellt hat),
Als ich im Oder-Neisse-Radrouten-Leporello (übrigens die bekloppteste Idee der Kartographie, wenn die 2 m lange Karte aufgeht, und das tut sie mindestens 2x am Tag, dann kann man eine Pause einlegen, bis alles wieder zusammengefaltet ist) lese ich: "Einzigartig ist das 1286 gegründete Zisterzienser Kloster Neuzelle...zählt bis  heute zu einer der bedeutendsten Barockkirchen Mitteleuropas.." Ist ja gut, denke ich, hat ebend ein Baliner geschrieben, wissen wir ja inzwischen, dass die immer das/die/den Größten haben.. Uns Süddeutschen kann doch in Punkto Barock niemand etwas vormachen. Und dann dies:



Nach 3 Wochen Backsteingotik und protestantischer Strenge dieser barocke Kracher!! Es stimmt wirklich, was eine Dame sagte. "Selbst Bayern und Süddeutsche bleiben gleich am Eingang erst einmal ein paar Minuten sprachlos stehen, das hätten sie nicht erwartet". Wir auch nicht. 

Wie kommt so viel Barock in die protestantischen Kernlande?? Die Lage erklärt manches. Das Kloster hat lange zum Bistum Breslau gehört - und auch Einflüsse von Böhmen erfahren hat. Selbst die Preußen haben sich nach 1815 nicht getraut,  das Kloster, das sie von den Sachsen übernommen haben, zu "entbarockisieren". Auch wenn sie entgegen aller Verträge, das Kloster selbst "geschlossen" haben.
Das war wirklich eine Überraschung.
Nur wenige Kilometer nach Neuzelle, müssen wir der Oder "Adieu" sagen. Genau hier, man kann es erkennen, kommt von rechts die Neisse angerauscht, der wir nun bis zur Quelle folgen werden.



Ich hatte ja gestern angedeutet, dass wir ab heute vielleicht nicht mehr ganz so durch "menschenleere" Naturschutzgebiete radeln werden. Doch heute zumindest hat das überhaupt nicht gestimmt. Zum einen haben wir wieder die Spuren von Bibern gesehen. In diesem Fall vielleicht von einem  etwas Größenwahnsinnigen (sicher  ist er aus dem Berliner Zoo ausgebrochen)



Auf jeden Fall haben sie da noch dran zu "nagen"!
Und noch ein paar Schlaumeiern sind wir - wenn auch nur indirekt - auf die Spur gekommen. Seit vielen Tagen wundern wir uns schon über die vielen weißen "Scherben" auf dem Radweg. Heute habe ich mir die Mühe gemacht anzuhalten


Das sind Muschelschalen!!!
Da benützen ganz offensichtlich Vögel den Weg als Muschelknackinstrument. Ganz schön clever!!


So jetzt habe ich Hunger!! Jetzt gehen wir rüber über die Brücke, nach Polen von Guben nach Gubin und werden lecker Abendessen.
Und dann ist Friederike dran.

Und jetzt ich:

Oje, nach dem sehr leckerem Zander auf polnische Art und zwei Fläschchen chilenischem Weißwein (à 185 ml- was ist das denn eigentlich für eine Maßeinheit?) fällt mir nicht mehr viel ein. Der Manne hat zum ersten Mal Klutschkis gegessen und war begeistert, dann noch das Okocim Porter Bier und die drei charmanten Polinnen, die das Rathausrestaurant in Gubin betreiben... also wir beide sind hin und weg.




Heute hätte ich gerne mal ein bisschen kompetent über die Botanik gesprochen, aber entweder ich lege mir endlich mal eine "Was blüht denn da" App zu oder, ich mach eine Standleitung zu meiner Freundin J.E-K, die sich super auskennt. Gell liebe J., aber du bist ja grade auch mit Umzug beschäftigt. 
Auffallend war, dass diese Schafe weder Schafgarbe noch Disteln fressen und deshalb nach ihrem Durchzug durch die Deichabschnitte alles aussieht wie vom Gärtner gepflegt:



Wir sitzen grad noch vor unserem Hotel- in Guben, also wieder in Deutschland- und hören am Nebentisch der Urlaubsplanung von einigen Jugendlichen zu. Offensichtlich geht's nach Spanien und der Wortführer behauptet, dass er mit "Piwo" auf jeden Fall auch in Spanien ein Bier bekommt. 
Ja, die Nebentischgespräche: 
Vorher in Polen im Restaurant: zwei deutsche Männer und eine der charmanten und wirklich sehr hübschen Kellnerinnen...man wollte lieber nichts davon mitbekommen.
Und in den letzten Tagen, die Gespräche von etwas älteren Herrschaften an verschiedenen Tischen: immer wieder fallen die Wörter: "zur DDR Zeit" oder "Nach der Wende" und das ist in den meisten Fällen weder nostalgisch noch verbittert gemeint, sondern ist eine einfache Rechnung die Lebenszeit in Abschnitte einzuteilen. So wie "das war bevor wir nach X. umgezogen sind" oder " da war doch schon unser erstes Kind auf der Welt".
Und jetzt gerade noch am anderen Nebentisch: ein Paar so etwa in unserem Alter, die gerade einen Rundgang durch Guben gemacht haben und er erzählt wie das früher ausgesehen hat, und wo die Bäckerei gewesen ist. Aber anscheinend sieht ganz vieles jetzt anders aus und er versucht bei der Kellnerin- das ist jetzt nicht die charmante Polin, wir sind ja wieder in Deutschland- herauszubekommen, was wo und wie das früher war. Es muss sehr lange her sein, dass er von Guben "weggegangen" ist.

Soll ich mit jetzt noch einen Caipi bestellen?

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