Mittwoch, 27. Juli 2016

16.Tag: Von Szczecin nach Schwedt



Wer ab und zu in unsere Reisekarte (Link rechts oben) reinschaut, wird heute enttäuscht sein. Denn zwischen Kamminke und Stettin klafft eine große Lücke. Logisch. Mit dem Fahrradroutentool kann man keine Fahrt über Wasser darstellen. Sind wir ja auch nicht gefahren. 

Heute Morgen raus aus Szczecin. Ging eigentlich ganz gut. Das nette Fräulein an der Rezeption hat uns genau beschrieben, wie wir aus der Stadt rauskommen, Richtung Zdroje um auf den Radweg "Grüne Oder" zu kommen, von dem wir gestern in der Nähe des Schlosses eine so schöne Vorankündigung gesehen haben.8 km sehr guter Radweg durch den Stettiner Hafen und diverse Industriegebiete. Ohne jegliche Beschilderung. War trotzdem gut zu finden. Aber dann in Dabie Schluss. Ein großes Schild, dass hier ein Europaprojekt bezuschusst wird. Von der "Grünen Oder" keine Spur. Wir fragen uns durch. Nette Leute, freundliche Leute, hilfsbereite Leute: "Der Weg nach Gryfino?" Kein Problem. bis zur Ampel vor und dann links. Dann immer gerade aus." Ich: "Und da kann ich mit dem Rad gut fahren?" "Mit dem Rad? Äh, nein! Das ist Autobahn!" (Was meinte mein hilfsbereiter Freund eigentlich, worauf ich sitze?) Alle anderen. Gryfino, kein Problem, immer gerade aus. Stimmte auch. Nur leider an einer nicht gerade wenig befahrenen Bundesbahn. Eigentlich gab es auch keine Radweg. Aber eine Art Fußgängerweg, mit Betonplättchen, alle unterschiedlich hoch. Und jede Hauseinfahrt, gepflastert. Und es gab viele Hauseinfahrten, denn die ersten 15 km haben wir uns immer noch im Stadtgebiet von Stettin bewegt. 
Zügig vorankommen geht anders. Ein Schnitt von 10/11km/h und drückend schwül. 
Auf einer Parkbank zur 11:00 Uhr Banane hatten wir Muse, um das Phänomen Radwege definitiv zu klären.
Also: Es gibt 4 Arten von Radwegen:

  1. Radwege, die real existieren. Sogenannte "realexistierende Radwege". Diese findet man leicht, sie sind gut markiert,oft rot von anderen Fahrbahnen abgesetzt und mit gut sichtbaren Wegweisern versehen.  Von dieser Kategorie sind wir auf dem "Ostseeradweg" verwöhnt worden.
  2. Radwege, die eigentlich genauer Radrouten genannt werden müssten. Das sind Beschilderungssysteme, die auch mal über öffentliche Straßen führen, aber meistens ordentlich ausgeschildert       sind.Viele von diesen Routenvorschlägen haben wir auf Rügen und Usedom erlebt. Regionale  Radtourenvorschläge können hilfreich sein.
  3.  Radwege als Absichtserklärungen. Die gibt es auf Karten und als Broschüren. Die kann man    finden, wenn man die Karten genau studiert. Ausgeschildert sind sie nicht. Sie gibt es nur auf  Papier. So ein Radweg ist die "Grüne Oder". Zumindest bis Gryfio. Anhand der Karte haben wir   die letzten 6 km gefunden. Immerhin.
  4. Radwege als Idee und EU-Förderantrag. Davon haben wir auch schon einige nicht gefunden.


Auf dem letzten Stück nach Gryfio, auf dem kleinen Sträßchen,  haben wir junge Erntehelferinnen im Lauchfeld getroffen. Sah eigenartig  aus, wie sie in Bikinis den Lauch geerntet haben, was bei der Hitze sicher kein angenehmer Job war. Wir haben uns gefragt, woher Erntehelferinnen in Polen wohl kommen!

Bei Gryfio sind wir dann reumütig über die Oder und auf den Oder-Neiße-Radweg gefahren.
von da an war es eine wahre Wonne, bis Schwedt durchzufegen.
Na ja, nicht ganz.  
Zuerst wollte Friederike unbedingt noch in einem Strandkorb sitzen, was ihr an der Ostsee so schnöde verwehrt geblieben ist.




 Und dann musste sie natürlich noch ins Wasser



Warum sie aber meinte, sie könnte das Kreuzfahrtschiff aus Basel anhalten und bis Schwedt per Bootsstopp kommen, das war mir ein Rätsel. Aber ich habe mich natürlich gefreut, dass sie bei mir geblieben ist.
Der Radweg durch den Naturpark "Untere Oder" ist wirklich spektakulär.



Was man von unserem Etappenziel und dem Hotel Centra nicht sagen kann.
Schwedt hat schon bessere Tage gesehen. Das Zentrum der Uckermark, Angieland, ist in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft und musste gezielt rückgebaut werden. 
Beim Buchen habe ich leider ein l im Namen Centra mitgelesen, das da nicht stand. Und der Bahnhof Schwedt, ist auch nicht der im Zentrum, sondern der der nahe des Petrochemischen Komplexes liegt. 
Aber was solls, ein Einkaufszentrum ist in der Nähe. Es gab lecker Vietnamesisch und jetzt ist Friederike dran.
Nein, halt!!! Eins noch. Ich glaube, für Morgen habe ich mich übernachtungstechnisch noch einmal ein wenig vertan. In Neu-Wustrow gibt es eine Künstlerkolonie, die auch einen Landgasthof betreibt. Überschwängliche Kritiken. Was ich nicht gesehen habe - kein Internet! 
Gibt es das? 
Es ist also gut möglich. dass ihr Morgen einen Tag ohne unseren Blog auskommen müsst.
Vielleicht blättert Ihr einfach und wartet, bis wir aus Frankfurt an der Oder berichten.

So und jetzt hat Friederike große Neuigkeiten!

Also jetzt bin ich dran:


als erstes möchte ich erklären, dass das Baumsterben-Foto, das Manne vom Naturpark heute eingestellt hat, ein Biberdamm ist. Alles andere war herrlich grün, so wie man es von einem Naturpark erwartet.

Und dann muss ich noch auf den Kommentar von C.H. aus H. antworten:

1. es gibt hier sehr wenig Gartenzwerge und ich persönlich finde Gartenzwerge auch gar nicht so witzig, würde mich nie darüber lustig machen so wie andere Leute.

2. wir haben gestern italienisch gegessen! Ravioli und Spaghetti, Knödel sind uns nicht begegnet.
Und heute haben wir, in Anbetracht unserer City-Außenlage in einem Einkaufszentrum beim Schnellimbiss Chinesisch-vietnamesisch gegessen. Die Alternative "Grillabend für unsere Gäste" vor unserem Centra-Hotel fiel wegen Regen aus. Die Fernfahrer und Montagearbeiter, unsere Mitbewohner, hatten sich schon hoffnungsvoll mit einem Kasten Bier vors Hotel gesetzt als  das Gewitter losging.

3. lieber Bruder gestern habe ich nicht gebadet. Nachdem wir an der alten Werft und vielen Schiffwracks und riesigen Inselbergen aus Phosphorsand vorbeigetuckert sind, hatte selbst ich keine Lust mehr dazu.

Und nun zu den Neuigkeiten:
Gestern Abend hat mir Manne auf der Polenkarte gezeigt, wie wir von Frankfurt nach Breslau weiterfahren können:



Nicht die Spur eines Radweges, schon gar nicht entlang der Odra. Am Fluss entlang gibt's überhaupt keine Straßen! ein kleines Dorf am anderen, keinen See, ...und Manne erklärte den Unterschied zwischen den Straßenfarben und welche man als Radfahrer fahren kann und womit wir da rechnen müssen.  Lastwagenverkehr, schlechte Straßen, Kopfsteinpflaster... Ich sah mich schon an jeder zweiten Kreuzung stehen und dem Manne beim Kartenlesen zuschauen. (Und der macht das nämlich gerne)


Oder uns von netten jungen Männern auf die Autobahn schicken lassen. 

Also Planänderung! tut mir leid Ihr lieben Polen! 
Wir werden nicht die Odra sondern die Neiße auf dem schönen Oder-Neiße-Radweg fahren, den wir heute schon genießen konnten:




Und wir kommen gerne mal zum Radfahren nach Polen, an die masurischen Seen oder so.
Ich sehe jetzt von weitem wie das jungvermählte Paar M. aus KN uns auslacht, denn genau das hatten sie von Anfang an prophezeit. 

Wenn alles klappt werde ich bis fast zur Neißequelle, nämlich bis nach Zittau mitfahren können. Juhu!





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen