Donnerstag, 21. Juli 2016

10. Tag: Von Sagard nach Zirkow



Nun aber heute wirklich ein "Ruhetag". Wie bei der Tour de France, mit leichten "ausradeln". Von Sagard  bis Zirkow sind heute gerade mal 31km geradelt.
Erst einmal gemütlich aufstehen. Dann etwas Radpflege, Friederikes Rad sah übel aus, kein Wunder das es bei dem Dreck auf den Zahnkränzen gehörig im "Getriebe" geknirscht hat. 
Dann mal wieder Tai Chi und dann los, Richtung Binz. Sasswitz haben wir elegant umrundet und im Nu waren wir in Prora. Wasne Anlage!!! Natürlich hat man schon davon gelesen, aber dann wirklich an diesen Blöcken vorbei zu fahren, ist noch einmal was anderes. D.h. zuerst haben wir das Meer inspiziert und dann beschlossen uns im Sinne guter Aufgabenverteilung erst einmal zu trennen. Frieda an und in de Ostsee - herrlicher Strand, tolles Meer, doch ich will Friederike nicht vorgreifen.
Ich schaue mich noch ein bisschen in Prora um.  Der "Koloss von Prora" ging aus dem zwischen 1936 und 1939 gebauten, jedoch unvollendet gebliebenen KdF-Seebad Rügen hervor. Im Komplex sollten durch die Organisation Kraft durch Freude (KdF) 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können. Danach zog die NVA ein und heute ist in Block 5 eine riesige Jugendherberge, und die Blöcke, die näher an Binz liegen werden saniert und als Appartements verkauft oder vermietet.



Einige der Blocks waren wohl einige Zeit als "größte Freiluftgalerie" angedacht, doch heute sind sie alle gesperrt, in anderen sind Dokumentationszentren und ein NVA Museum.
Richtig gut gemacht und spannend ist die kleine Ausstellung im Wachhaus der Anlage. Hier wird die "doppelte Nutzung" hervorragend dokumentiert. Vor allem auch die Geschichte der "Bausoldaten", der "Spatis". Zwar hatte ich schon davon gehört, dass es für "Kriegsdienstverweigerer", die es ja in der DDR nicht gab, eine Art Schlupfloch gegeben hat. Wer sich zu den "Bausoldaten" meldete konnte zumindest den "Dienst an der Waffe" verhindern. Die negativen Auswirkungen für Berufswahl und Karriere musste man allerdings in Kauf nehmen. Dieses "Schlupfloch" war im ganzen Ostblock einmalig, - wurde aber offiziell verschwiegen. Es gab in kirchlichen Kreisen aber Informationsnetzwerke, die über diese Möglichkeit aufklärten. Die Dokumentation zeigt sehr anschaulich, dass diejenigen, die diesen Weg wählten, bereit waren ziemliche Opfer zu bringen. 
Auch der "Dienst" war alles andere als angenehm. Am besten kamen noch die weg, die für die NVA- Militärs im "Servicebereich" arbeiten durften. Prora war auch Ferienlager für Militärangehörige und ihre Familien. 
Am Schlimmsten waren die dran, die beim Bau von Hafenbefestigungsanlagen in Sassnitz/ Mukran, in die "Glocke" mussten. Das waren "Überdruckkammern", in denen der Boden für die Betonarbeiten quasi unter Wasser vorbereitet werden mussten.
 Diese Arbeiten waren extrem belastend, besonders wenn die Druckanpassung zu schnell geschah, was wohl gar nicht so selten war. Im heutigen Block der Jugendherberge waren bis zu 500 Bausoldaten untergebracht. Dutzende von Suiziden in der Zeit von 1962 bis 1990 zeugen davon, dass man es den "Dissidenten" nicht leicht machen wollte. 
Das Dokumentationszentrum am Wachhäuschen ist ein ehrlicher Versuch, die beiden Seiten von Prora dazustellen, und nicht nur die "Naziseite".



Die schicken neuen Appartements scheinen gut weg zu gehen. In diesen Abschnitten sieht man überdurchschnittlich viele SUVs mit HH oder Berliner Nummernschildern.


Eine ganz besondere Überraschung hat Friederike für mich bereit, angesichts dieses selten schönen Exemplares eines NVA Soldaten vor dem riesigen "NVA-Museum" (120 Räume, so wird behauptet, alle in einer ziemlichen Ruine)


Ganz spontan hat sie ein Zeichen für "Völkerfreundschaft" gesetzt:



Zum Schluss meines heutigen Beitrages habe ich noch eine Frage an unser kunstinteressierten Leser.
Die "Sportler" stehen ganz am Ende von Block V:




Sehr beeindruckendes Exemplar des "Sozialistischen Realismus". Was ich mich allerdings gefragt habe. Was geht dem Herrn Sportler wohl durch den Kopf seine Genossin Sportlerin betrachtend?


Und tut Genossin Sportlerin nur so, als ob sie die Anwesenheit von Genossen Sportler überhaupt nicht interessierte. Oder hat hat sie schon so viele leistungssteigernde Substanzen verabreicht bekommen, dass sie seine Anwesenheit tatsächlich nicht mehr interessiert.



Und jetzt ich:

Ein perfekter Badetag an einem perfekten Badestrand. Die Ostsee ist toll, es hatte Wellen aber man konnte auch schwimmen, Wasser etwa 21 Grad, draußen war's sonnig und warm und das beste war: der Manne war beschäftigt (siehe oben)- und wir hatten keine große Strecke vor uns.
Carmen hat früher hier Ferienfreizeit gemacht und uns einen XXL Strandkorb empfohlen, aber so etwas gab es nicht. Alles war sehr familiär und beschaulich.




Ja, auch der Manne kam noch an den Strand!

Und ich hab sogar auch noch ein bisschen was angeschaut, die Geschichte erschlägt einen ja fast an solch einem Ort. Und da hat es mich doch gejuckt, den Freundschaftsgruß mal auszuprobieren. (siehe Foto oben) 
Lieber C. aus H, im Moment in E. im Urlaub : dies wird das einzige Foto von mir mit dieser Geste sein!

Und nun noch was zu den Einheimischen bzw. den Urlaubern, die uns hier begegnen:
der Ton wird rauher, manchmal ist es vielleicht auch einfach nur die Tonlage, die etwas ruppigere Sprache. Aber manches Mal hört man etwas, und wünscht sich man hätte weggehört. In Sagrad haben Arbeiter an einem Haus laut das Radio an, es kommen Nachrichten und irgendein blöder Politiker wird zitiert, der sagt dass die jugendlichen Flüchtlinge sofort abgeschoben werden sollen wenn sie straffällig werden. Da ging ein "Jawoll" und "Genau" und "Recht hat er" durch die ganze Baustelle. Gruselig!

Jetzt aber noch ein Aufruf an alle: Schließt Büros und Geschäfte, schreibt Abwesenheitsnotizen und besprecht eure ABs und:




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