und der Brückenruinen
Gesprengt sind die Brücken ja schon lange, aber man versteht nicht wirklich, warum sie immer noch herumstehen und weiter vor sich hinbröseln. Das geht noch Jahrtausende, bis die von alleine weg sind. Oder stehen sie als Denkmäler weiter da? Auf jeden Fall ist es wunderbar, dass diese Grenze nicht mehr existiert, dass wir gestern einfach rüberspazieren konnten, um in Polen zu essen, dass polnische Familien im Kaufland in Frankfurt an der Oder einkaufen können und nach dem shoppen mit vollen Tragtüten nach Hause, auf die andere Seite der Oder gehen.
Die Fahrt heute war wunderschön, immer an der Neiße entlang, durch Auen und Wälder. Die Neiße ist ein recht munterer Fluss, ein paar kleine Stromschnellen haben wir gesehen, das Wasser ist braun und sehr flach. Keine Schiffe, keine Kanus, keine Badestellen.
Und kaum sind wir richtig aus Guben raus gibt es auch keine Cafés und Kioske mehr, kaum mal ein Bänckchen oder eine Raststelle.
Für unsere Vesperpause finden wir eine Stelle unter großen Bäumen- ist ja klar, heute ist der Tag er großen Bäume!-, ein alter Mann sitzt dort schon auf seinem Rollator und begrüßt uns mit diesem berliner-brandenburgischen Akzent: "Na, ist denn die Ostsee schon überfüllt, heute kommen'se alle von unten". Er sitzt jeden Tag hier und schaut den Oder-Neiße-Radlern zu und heute eben fahren viel mehr die Neiße hoch als sonst. Uns fällt das gar nicht auf, offensichtlich fahren wir alle etwa gleich schnell. Und es ist wirklich nicht viel los.
Er gibt mir dann noch den Tipp für eine Badestelle- da ist tatsächlich im Gestrüpp eine kleine Treppe- und ich kann am eigenen Leib spüren, dass der Fluss wirklich sehr flach ist und viel Strömung hat. Sozusagen ein Massagefluss!
Die Gegend hier wird zunehmend einsamer, ruhiger, so richtig ehemaliges Grenzgebiet.
Und dann kommt Bad Muskau mit dem Fürst Pückler Park und Schloss, über das der Manne sicher noch was erzählt.
Und direkt am Park, wir fahren über die Grenze nach Polen rein:
der Polenmarkt!
Und da gehen wir jetzt hin und essen was.
Und jetzt ich:
Es war ein Tag der heftigen Schnitte, und Gegensätze. Wie Friederike schon sagte, landschaftlich wunderschön, - und immer wieder Ecken, die einen nachdenklich werden ließen.
Schon gestern, als wir in Guben die 50m rüber nach Gubin zum Essen gegangen sind, oder heute Morgen auf der Fahrt aus der Stadt. Man muss das wohl selbst und hautnah an solchen Tagen wie heute erleben, was die Europäische Union wirklich bedeutet und was sich in diesem Europa zu besseren gewendet hat. Da können die polnischen Nationalisten und die deutschen Rechtspopulisten schäumen, diese unsäglich vernarbte Grenze abzufahren, die gottseidank keine mehr ist, sollte zum Pflichtprogramm aller Euroskeptiker gehören.
Links haben wir in Deutschland übernachtet. Dort drüben rechts unter dem Turm haben wir superlecker gesessen.
Ich finde, all die Brücken sollten stehen bleiben, die die Nazis gesprengt haben, um den Vormarsch der roten Armee zu verhindern.
An dieser Brücke, die nicht ganz einstürzen wollte, haben sie nach dem Krieg eine Art Treppe hingebaut, um sie wenigstens zu Fuß weiter zu nutzen.
Am 16.11.1961 hat im Spiegel folgendes gestanden:
"Seit 16 Jahren gibt es in Europa kaum eine Grenze, die
so scharf bewacht wird, so häufig in den Schlagzeilen der Weltpresse erscheint
und so schwierig zu passieren ist wie die 456 Kilometer lange Grenzlinie an
Oder und Neiße.
Stacheldrahtzäune, Wachttürme und schwerbewaffnete
Grenzpolizisten sichern jene Linie, hinter der die ehemaligen Ostprovinzen des
1945 zerschlagenen Deutschen Reiches liegen; sie beginnt an der Ostsee bei
Swinemünde, erreicht südlich von Stettin die Oder, halbiert die Städte
Frankfurt, Guben und Görlitz, folgt der Lausitzer Neiße und endet schließlich
bei Zittau an der tschechischen Grenze."
Und von alledem nur noch Reste. Brückenreste. Mit Grenzrosen. Mahnmahle.
Und während ich noch in der Vergangenheit vor mich hinradle, drückt von rechts die Gegenwart mit gewaltigen Baggern auf diese verschlafenen Dörfer zu.
Moment Mal! Hatten wir nicht so etwas wie die "Energiewende"? Sind die Braunkohlekraftwerke, die wir seit 2 Tagen am fernen und nicht so fernen Horizont, idyllische Wolken produzieren sehen, nicht die Technologie von vorvorgestern? Aber die Bagger baggern weiter, und möglicherweise werden einige der Dörfer, durch die wir heute geradelt sind trotz "Energiewende" untergepflügt werden.
Haben da hinten die Zähne der großen Stahldrachen nicht schon angefangen den Wald wegzuputzen!!
Man kann nur wütend werden!
Aber ein wenig Wut im Bauch hilft gegen Gegenwind, den wir über längere Strecken hatten. Und jetzt läßt es sich auch nicht mehr verdrängen, dass wir flussaufwärts fahren. Die Höhenmeter summieren sich langsam.
Aber der "Muskauer Faltenbogen" ist wirklich schön.
Auch wenn man nicht weiß, dass es "sich um eine der landschaftlich am schönsten ausgebildeten und besten untersuchten Stauchendmoränen in Nordeuropa handelt"
Was ihr wisst nicht, was Stauchendmoränen sind?? Ich bitte Euch, das weiß doch jeder,
das typisch für Stauchendmoränen, "die sogenannten Gieser sind, ebenso, wie Tagebaurestgewässer, Tiefbaubruchfelder, wo Braunkohle durch Gletscherstauchung an die Erdoberfläche gepresst wurden, Findlinge sowie Moore.."
So jetzt wisst Ihr es.
Doch am Ende der Stauchmoräne liegt das Highlight des Tages:
Bad Muskau!!
Ach was gäbe es da für Geschichten zu erzählen, vom fürstlichen Hippie-Feuerkopf-und-lecker-Eis-erfinder Fürst von Pückler.
Welche Geschichte wollt Ihr hören?
Die vom Fürsten-Rebellen-Söhnchen?
Oder die vom fanatischen Gartenbauer?
Dem zig Fachen Bankrotteur?
Der reich heiratet und das Geld seiner Frau im Garten verbaut.
Die dann noch die Größe hat ihm vorzuschlagen, sich scheiden zu lassen, damit er sich auf dem Heiratsmarkt nach reichen Engländerinnen umtun kann. Was er auch tut. Er inseriert in englischen Blättern: "Biete Fürstentitel, brauche Geld - Ehe Nebensache!"
Dann reist er jahrelang in England rum. Schreibt Bücher. Geht nach Ägypten, bringt eine schöne Nubierin mit.
Mit der Gattin lebt er noch einige Jährchen in Muskau, und "verpulvert" weiterhin mehr als er hat, um den Park auszubauen; die schöne Nubierin bleibt seine Geliebte. Warum man zu DDRzeiten das Mausoleum. in der ihr Herz begraben lag, gesprengt wurde, dieses Wissen mögen die Verantwortlichen mit ins Grab nehmen.
Fürst Pückler, wenn nur ein 1/10 von dem stimm, was man über Sie erzählt, dann ziehe ich hochachtungsvoll den Hut!!
Das schöne am Radfahren ist, dass man solche Highlights wirklich erradeln kann, wie letztes Jahr in Versailles sind wir kreuz und quer durch den Park gefahren, - um dann in Łęknica, der Schwesterstadt auf der anderen Seite der Neisse zu landen. Denn der Muskauer Park liegt zu weiten Teilen auf polnischem Staatsgebiet.
Übergang vom Park zur Stadt ist heftig. Friederike hat das ein wenig lakonisch dargestellt. Das war
d e r Schock. Stellt Euch vor Ihr fahrt unter 250 Jahre alten Eichen völlig unschuldig und nichtsahnend dahin, und dann dieser Tunnel, diese endlosen Gassen mit Händlern:
"Der Stadtmarkt von Leknica ist ein großes Handels- und Dienstleistungszentrum, das am Grenzübergang und nahe am Park gelegen ist. Der Stadtmarkt Manhattan stellt ein Angebot von über 1000 Händlern aus verschiedenen Branchen dar..."
So weit die Broschüre der Stadt Łęknica
Mit anderen Worten: Ich war begeistert!"
Überall werden einem Kostproben angeboten. Eine Stadt aus Wellblech. Tankstellen und Zigaretten-und Spirituosenläden.
Unser Hotel UNESCO Park Residence Hotel ist direkt am Park und kostet die Hälfte von dem was der Name vermuten lässt.
Das Essen war übrigens absolute Spitzenklasse. Polnisch Bier sowieso! Wodka muss sich Radfahrer verkneifen- wird am nächsten Tag bestraft.
Und außerdem brauchte ich keinen Wodka um den Alptraum der Reise zu erleben.
Verschiedentlich sind wir ja schon angesprochen worden, ob sich auf dieser Reise keine "Gartenzwergepisode" ereignet haben.
Wenn Ihr diese Bilder seht, dann wisst Ihr warum.
Was ist in Łęknica geschehen!! Warum schweigt die Weltöffentlichkeit?
Sagt Ihr es mir!!
Bis Morgen!























































