Sonntag, 31. Juli 2016

20. Tag: Von Guben nach Łęknica

Heute war der Tag der großen Bäume,

 und der Brückenruinen

Gesprengt sind die Brücken ja schon lange, aber man versteht nicht wirklich, warum sie immer noch herumstehen und weiter vor sich hinbröseln. Das geht noch Jahrtausende, bis die von alleine weg sind. Oder stehen sie als Denkmäler weiter da? Auf jeden Fall ist es wunderbar, dass diese Grenze nicht mehr existiert, dass wir gestern einfach rüberspazieren konnten, um in Polen zu essen, dass polnische Familien im Kaufland in Frankfurt an der Oder einkaufen können und nach dem shoppen mit vollen Tragtüten nach Hause, auf die andere Seite der Oder gehen.

Die Fahrt heute war wunderschön, immer an der Neiße entlang, durch Auen und Wälder. Die Neiße ist ein recht munterer Fluss, ein paar kleine Stromschnellen haben wir gesehen, das Wasser ist braun und sehr flach. Keine Schiffe, keine Kanus, keine Badestellen. 

Und kaum sind wir richtig aus Guben raus gibt es auch keine Cafés und Kioske mehr, kaum mal ein Bänckchen oder eine Raststelle.
Für unsere Vesperpause finden wir eine Stelle unter großen Bäumen- ist ja klar, heute ist der Tag er großen Bäume!-, ein alter Mann sitzt dort schon auf seinem Rollator und begrüßt uns mit diesem berliner-brandenburgischen Akzent: "Na, ist denn die Ostsee schon überfüllt, heute kommen'se alle von unten". Er sitzt jeden Tag hier und schaut den Oder-Neiße-Radlern zu und heute eben fahren viel mehr die Neiße hoch als sonst. Uns fällt das gar nicht auf, offensichtlich fahren wir alle etwa gleich schnell. Und es ist wirklich nicht viel los.
Er gibt mir dann noch den Tipp für eine Badestelle- da ist tatsächlich im Gestrüpp eine kleine Treppe- und ich kann am eigenen Leib spüren, dass der Fluss wirklich sehr flach ist und viel Strömung hat. Sozusagen ein Massagefluss!

Die Gegend hier wird zunehmend einsamer, ruhiger, so richtig ehemaliges Grenzgebiet.
Und dann kommt Bad Muskau mit dem Fürst Pückler Park und Schloss, über das der Manne sicher noch was erzählt.

Und direkt am Park, wir fahren über die Grenze nach Polen rein:


der Polenmarkt!

Und da gehen wir jetzt hin und essen was.


Und jetzt ich:


Es war ein Tag der heftigen Schnitte, und Gegensätze. Wie Friederike schon sagte, landschaftlich wunderschön, - und immer wieder Ecken, die einen nachdenklich werden ließen.
Schon gestern, als wir in Guben die 50m rüber nach Gubin zum Essen gegangen sind, oder heute Morgen auf der Fahrt aus der Stadt. Man muss das wohl selbst und hautnah an solchen Tagen wie heute erleben, was die Europäische Union wirklich bedeutet und was sich in diesem Europa zu besseren gewendet hat. Da können die polnischen Nationalisten und die deutschen Rechtspopulisten schäumen, diese unsäglich vernarbte Grenze abzufahren, die gottseidank keine mehr ist, sollte zum Pflichtprogramm aller Euroskeptiker gehören.


Links haben wir in Deutschland übernachtet. Dort drüben rechts unter dem Turm haben wir superlecker gesessen.
Ich finde, all die Brücken sollten stehen bleiben, die die Nazis gesprengt haben, um den Vormarsch der roten Armee zu verhindern.


An dieser Brücke, die nicht ganz einstürzen wollte, haben sie nach dem Krieg eine Art Treppe hingebaut, um sie wenigstens zu Fuß weiter zu nutzen.

Am 16.11.1961 hat im Spiegel folgendes gestanden:

"Seit 16 Jahren gibt es in Europa kaum eine Grenze, die so scharf bewacht wird, so häufig in den Schlagzeilen der Weltpresse erscheint und so schwierig zu passieren ist wie die 456 Kilometer lange Grenzlinie an Oder und Neiße.
Stacheldrahtzäune, Wachttürme und schwerbewaffnete Grenzpolizisten sichern jene Linie, hinter der die ehemaligen Ostprovinzen des 1945 zerschlagenen Deutschen Reiches liegen; sie beginnt an der Ostsee bei Swinemünde, erreicht südlich von Stettin die Oder, halbiert die Städte Frankfurt, Guben und Görlitz, folgt der Lausitzer Neiße und endet schließlich bei Zittau an der tschechischen Grenze."

Und von alledem nur noch Reste. Brückenreste. Mit Grenzrosen. Mahnmahle.



Und während ich noch in der Vergangenheit vor mich hinradle, drückt von rechts die Gegenwart mit gewaltigen Baggern auf diese verschlafenen Dörfer zu. 



Moment Mal! Hatten wir nicht so etwas wie die "Energiewende"? Sind die Braunkohlekraftwerke, die wir seit 2 Tagen am fernen und nicht so fernen Horizont, idyllische Wolken produzieren sehen, nicht die Technologie von vorvorgestern? Aber die Bagger baggern weiter, und möglicherweise werden einige der Dörfer, durch die wir heute geradelt sind trotz "Energiewende" untergepflügt werden.



Haben da hinten die Zähne der großen Stahldrachen nicht schon angefangen den Wald wegzuputzen!!
Man kann nur wütend werden!

Aber ein wenig Wut im Bauch hilft gegen Gegenwind, den wir über längere Strecken hatten. Und jetzt läßt es sich auch nicht mehr verdrängen, dass wir flussaufwärts fahren. Die Höhenmeter summieren sich langsam.
Aber der "Muskauer Faltenbogen" ist wirklich schön.
Auch wenn man nicht weiß, dass  es "sich um eine der landschaftlich am schönsten ausgebildeten und besten untersuchten Stauchendmoränen in Nordeuropa handelt" 
Was ihr wisst nicht, was Stauchendmoränen sind?? Ich bitte Euch, das weiß doch jeder,
das typisch für Stauchendmoränen, "die sogenannten Gieser sind, ebenso, wie Tagebaurestgewässer, Tiefbaubruchfelder, wo Braunkohle durch Gletscherstauchung an die Erdoberfläche gepresst wurden, Findlinge sowie Moore.."
So jetzt wisst Ihr es.

 Doch am Ende der Stauchmoräne liegt das Highlight des Tages:

 Bad Muskau!!

Ach was gäbe es da für Geschichten zu erzählen, vom fürstlichen Hippie-Feuerkopf-und-lecker-Eis-erfinder Fürst von Pückler.



Welche Geschichte wollt Ihr hören?

Die vom Fürsten-Rebellen-Söhnchen?
Oder die vom fanatischen Gartenbauer?
Dem zig Fachen Bankrotteur? 
Der reich heiratet und das Geld seiner Frau im Garten verbaut.
Die dann noch die Größe hat ihm vorzuschlagen, sich scheiden zu lassen, damit er sich auf dem Heiratsmarkt nach reichen Engländerinnen umtun kann. Was er auch tut. Er inseriert in englischen Blättern: "Biete Fürstentitel, brauche Geld - Ehe Nebensache!"
Dann reist er jahrelang in England rum. Schreibt Bücher. Geht nach Ägypten, bringt eine schöne Nubierin mit. 
Mit der Gattin lebt er noch einige Jährchen   in Muskau, und "verpulvert" weiterhin mehr als er hat, um den Park auszubauen; die schöne Nubierin bleibt seine Geliebte. Warum man zu DDRzeiten das Mausoleum. in der ihr Herz begraben lag, gesprengt wurde, dieses Wissen mögen die Verantwortlichen mit ins Grab nehmen.
Fürst Pückler, wenn nur ein 1/10 von dem stimm, was man über Sie erzählt, dann ziehe ich hochachtungsvoll den Hut!!
Das schöne am Radfahren ist, dass man solche Highlights wirklich erradeln kann, wie letztes Jahr in Versailles sind wir kreuz und quer durch den Park gefahren, - um dann in Łęknica, der Schwesterstadt auf der anderen Seite der Neisse zu landen. Denn der Muskauer Park liegt zu weiten Teilen auf  polnischem Staatsgebiet.

Übergang vom Park zur Stadt ist heftig. Friederike hat das ein wenig lakonisch dargestellt. Das war 
d e r Schock. Stellt Euch vor Ihr fahrt unter 250 Jahre alten Eichen völlig unschuldig und nichtsahnend dahin, und dann dieser Tunnel, diese endlosen Gassen mit Händlern:

"Der Stadtmarkt von Leknica ist ein großes Handels- und Dienstleistungszentrum, das am Grenzübergang und nahe am Park gelegen ist. Der Stadtmarkt Manhattan stellt ein Angebot von über 1000 Händlern aus verschiedenen Branchen dar..."
So weit die Broschüre der Stadt  Łęknica 
Mit anderen Worten: Ich war begeistert!" 
Überall werden einem Kostproben angeboten. Eine Stadt aus Wellblech. Tankstellen und Zigaretten-und Spirituosenläden.




Unser Hotel UNESCO Park Residence Hotel ist direkt am Park und kostet die Hälfte von dem was der Name vermuten lässt.
Das Essen war übrigens absolute Spitzenklasse. Polnisch Bier sowieso! Wodka muss sich Radfahrer verkneifen- wird am nächsten Tag bestraft.
Und außerdem brauchte ich keinen Wodka um den Alptraum der Reise zu erleben.

Verschiedentlich sind wir ja schon angesprochen worden, ob sich auf dieser Reise keine "Gartenzwergepisode" ereignet haben.
Wenn Ihr diese Bilder seht, dann wisst Ihr warum. 



 Was ist in Łęknica  geschehen!! Warum schweigt die Weltöffentlichkeit? 
Sagt Ihr es mir!! 
Bis Morgen!







Samstag, 30. Juli 2016

19.Tag: Von Frankfurt nach Guben




Von Frankfurt an der Oder gibt es nicht viel zu berichten. Gestern nach der 80 km Tour waren wir einigermaßen platt und sind nur noch bis zum nächsten Schnitzelschuppen gegangen und wieder zurück. Trotzdem weiß ich ALLES über Frankfurt. Der nette, und seehr gesprächige Rezeptionist hat mich lange und sehr ausführlich auf den neuesten Stand gebracht: Dass das Kleistmuseum unbedingt sehenswert sei, "da kann man sogar den Schuss hören,  mit dem er sich umgebracht hat."- Hätte das Museum nicht erst um 10:00 Uhr heute aufgemacht, dann hätte mich mir das auf keinen Fall entgegen lassen. Wann kann man schon mal einen 200jährigen Schuss hören. Auch über die Uni und dass dort über 88 Nationen europäisches Recht studieren, dass der Lennépark so schön wieder hergerichtet sei, dass der Boom Frankfurts dank der Solartechnologiefirmen längst wieder abgeflaut sei, "wegen der Merkel und den Chinesen", dass man leider nicht mehr oben auf dem Oderhochaus Eis essen kann. Hat sich ein Berliner Investor gründlich verkalkuliert, "dachte er könne hier Preise wie in Berlin verlangen......"
Wie gesagt, fragt mich, ich weiß Alles über Frankfurt.
Beim Rausfahren aus der Stadt konnte man sehr immer wieder erkennen, dass es noch viel zu tun gibt. Die Immobilienhaie haben sich zum Teil wohl an zu großen Brocken verschluckt.


Es gibt aber auch viele der großen Gründerzeitvillen, die toprestauriert wurden.

Heute Morgen beim Packen haben wir in den Nachrichten gehört, dass dieses Wochenende, erstes Ferienwochenende in Bayern und Ba-Wü, allerseits mit Staus zu rechnen sei. Dass dies uns betreffen könnte, das hätten wir nie vermutet. Aber dann dies:


Ob die Schafe aus Bayern kommen, das konnte ich nicht erfahren. Der Schäfer war es auf jeden Fall.
Als ich ihn fragte, wie wir uns verhalten sollen. "Wos wärst mocha weidafoan halt." Mehr oder weniger bereitwillig haben die Schafe tatsächlich Platz gemacht.

Auch wenn die nächste Station "Eisenhüttenstadt" es nicht vermuten ließ, 


der heutige Tag, nur wenige Kilometer hinter Eisenhüttenstadt, brachte wirklich ein Highlight der Reise. (Badetechnisch gesehen nicht ganz so, wie sich das Friederike vorgestellt hat),
Als ich im Oder-Neisse-Radrouten-Leporello (übrigens die bekloppteste Idee der Kartographie, wenn die 2 m lange Karte aufgeht, und das tut sie mindestens 2x am Tag, dann kann man eine Pause einlegen, bis alles wieder zusammengefaltet ist) lese ich: "Einzigartig ist das 1286 gegründete Zisterzienser Kloster Neuzelle...zählt bis  heute zu einer der bedeutendsten Barockkirchen Mitteleuropas.." Ist ja gut, denke ich, hat ebend ein Baliner geschrieben, wissen wir ja inzwischen, dass die immer das/die/den Größten haben.. Uns Süddeutschen kann doch in Punkto Barock niemand etwas vormachen. Und dann dies:



Nach 3 Wochen Backsteingotik und protestantischer Strenge dieser barocke Kracher!! Es stimmt wirklich, was eine Dame sagte. "Selbst Bayern und Süddeutsche bleiben gleich am Eingang erst einmal ein paar Minuten sprachlos stehen, das hätten sie nicht erwartet". Wir auch nicht. 

Wie kommt so viel Barock in die protestantischen Kernlande?? Die Lage erklärt manches. Das Kloster hat lange zum Bistum Breslau gehört - und auch Einflüsse von Böhmen erfahren hat. Selbst die Preußen haben sich nach 1815 nicht getraut,  das Kloster, das sie von den Sachsen übernommen haben, zu "entbarockisieren". Auch wenn sie entgegen aller Verträge, das Kloster selbst "geschlossen" haben.
Das war wirklich eine Überraschung.
Nur wenige Kilometer nach Neuzelle, müssen wir der Oder "Adieu" sagen. Genau hier, man kann es erkennen, kommt von rechts die Neisse angerauscht, der wir nun bis zur Quelle folgen werden.



Ich hatte ja gestern angedeutet, dass wir ab heute vielleicht nicht mehr ganz so durch "menschenleere" Naturschutzgebiete radeln werden. Doch heute zumindest hat das überhaupt nicht gestimmt. Zum einen haben wir wieder die Spuren von Bibern gesehen. In diesem Fall vielleicht von einem  etwas Größenwahnsinnigen (sicher  ist er aus dem Berliner Zoo ausgebrochen)



Auf jeden Fall haben sie da noch dran zu "nagen"!
Und noch ein paar Schlaumeiern sind wir - wenn auch nur indirekt - auf die Spur gekommen. Seit vielen Tagen wundern wir uns schon über die vielen weißen "Scherben" auf dem Radweg. Heute habe ich mir die Mühe gemacht anzuhalten


Das sind Muschelschalen!!!
Da benützen ganz offensichtlich Vögel den Weg als Muschelknackinstrument. Ganz schön clever!!


So jetzt habe ich Hunger!! Jetzt gehen wir rüber über die Brücke, nach Polen von Guben nach Gubin und werden lecker Abendessen.
Und dann ist Friederike dran.

Und jetzt ich:

Oje, nach dem sehr leckerem Zander auf polnische Art und zwei Fläschchen chilenischem Weißwein (à 185 ml- was ist das denn eigentlich für eine Maßeinheit?) fällt mir nicht mehr viel ein. Der Manne hat zum ersten Mal Klutschkis gegessen und war begeistert, dann noch das Okocim Porter Bier und die drei charmanten Polinnen, die das Rathausrestaurant in Gubin betreiben... also wir beide sind hin und weg.




Heute hätte ich gerne mal ein bisschen kompetent über die Botanik gesprochen, aber entweder ich lege mir endlich mal eine "Was blüht denn da" App zu oder, ich mach eine Standleitung zu meiner Freundin J.E-K, die sich super auskennt. Gell liebe J., aber du bist ja grade auch mit Umzug beschäftigt. 
Auffallend war, dass diese Schafe weder Schafgarbe noch Disteln fressen und deshalb nach ihrem Durchzug durch die Deichabschnitte alles aussieht wie vom Gärtner gepflegt:



Wir sitzen grad noch vor unserem Hotel- in Guben, also wieder in Deutschland- und hören am Nebentisch der Urlaubsplanung von einigen Jugendlichen zu. Offensichtlich geht's nach Spanien und der Wortführer behauptet, dass er mit "Piwo" auf jeden Fall auch in Spanien ein Bier bekommt. 
Ja, die Nebentischgespräche: 
Vorher in Polen im Restaurant: zwei deutsche Männer und eine der charmanten und wirklich sehr hübschen Kellnerinnen...man wollte lieber nichts davon mitbekommen.
Und in den letzten Tagen, die Gespräche von etwas älteren Herrschaften an verschiedenen Tischen: immer wieder fallen die Wörter: "zur DDR Zeit" oder "Nach der Wende" und das ist in den meisten Fällen weder nostalgisch noch verbittert gemeint, sondern ist eine einfache Rechnung die Lebenszeit in Abschnitte einzuteilen. So wie "das war bevor wir nach X. umgezogen sind" oder " da war doch schon unser erstes Kind auf der Welt".
Und jetzt gerade noch am anderen Nebentisch: ein Paar so etwa in unserem Alter, die gerade einen Rundgang durch Guben gemacht haben und er erzählt wie das früher ausgesehen hat, und wo die Bäckerei gewesen ist. Aber anscheinend sieht ganz vieles jetzt anders aus und er versucht bei der Kellnerin- das ist jetzt nicht die charmante Polin, wir sind ja wieder in Deutschland- herauszubekommen, was wo und wie das früher war. Es muss sehr lange her sein, dass er von Guben "weggegangen" ist.

Soll ich mit jetzt noch einen Caipi bestellen?

Freitag, 29. Juli 2016

17. und 18. Tag: von Schwedt über Neu Wustrow nach Frankfurt a.d.Oder

Heute gibt's einen "Zwei--Tage-Blog", denn wir hatten bei der letzten Übernachtung kein WLan. Dafür aber ein ganz besonderes "Zimmer", nämlich dieses wundervolle Safarizelt.


Nun aber zum Anfang des Tages:
Aus Schwedt herauszufahren war sehr entspannt und an der Oder hat Manne ein schönes Plätzchen für Tai Chi gefunden, oder begrüßt er nur diese Mutter und Kind - Skulptur?


Kurz hinter Schwedt ist schon unser erster Stopp, das Nationalpark "Untere Oder"-Infozentrum in Criewen. Manne wird darüber sicher mehr berichten, denn er hielt ein längeres Schwätzchen mit dem "Ranger".
Durch die herrliche Auenlandschaft und immer oben am Deich entlang fahren wir gemütlich Stunde um Stunde. Obwohl, so ganz gemütlich war es gar nicht, denn wir hatten einen ganz fiesen Gegenwind. Aber ich durfte immer wieder in den Belgischen Kreisel- hinten natürlich! Danke!



Eigentlich ist der Oder-Neiße-Radweg eindeutig ausgeschildert, aber wenn man mal ein bisschen anders fährt, dann gibt's keine Hinweisschilder mehr. An den Schleusen von Hohensaaten sind wir plötzlich in eine ganz andere Richtung unterwegs. Die Oder ist auf der falschen Seite. Fast wären wir den Oder-Havel-Weg gefahren, uff, zum Glück hat uns ein netter Aufsitzrasenmäherfahrer wieder auf den richtigen Damm gebracht.
Einen wunderbaren Blaubeerstreuselkuchen haben wir unterwegs gegessen, und natürlich habe ich in der Oder gebadet, die hier schon ganz schön Strömung hat.

Es war ein langer Tag bis wir in Alt-Wustrow in unserer Landpension gelandet sind. In Neulietze-göricke (alter Dorfkern, erste Besiedlung des Oderbruchs) haben wir uns in einem Gemischtwarenladen mit etwas Brot, Wurst und Bier fürs Nachtessen eingedeckt. Die Ladenbesitzerin hat sich über Kundschaft gefreut  und gerne mit uns geplaudert. Leider haben wir sie ganz schlecht verstanden- sie uns offensichtlich auch, obwohl wir uns sehr bemüht haben. Und ein paar Kilometer weiter bei "Elkes Hofladen" gab's dann noch Tomaten frisch vom Strauch und Gurken dazu.
Und dann eben unser Safarizelt im Veranstaltungsraum der alten Wirtschaft in Neu-Wustrow:



Wir hatten den ganzen Saal für uns, es war wundervoll still und sehr liebevoll hergerichtet.
Frühstück 1a mit selbstgemachten Marmeladen, Holunder-Rhabarber, Leute super nett, die Betreiberin eine Amerikanerin, wie die wohl in diese abgelegene Gegend  kam? Liebe?
Und so sah's von außen aus, die sechs Fenster rechts, das war unser Saal:



Und heute, also Freitag, war der superlange Radtag: 80 km sind wir gefahren und dabei haben wir die 1000 km vollgemacht!
Eine wunderschöne Fahrt durch das Oderbruch, immer mit Blick auf diese weite Landschaft mit den großen Weiden und Pappeln, auf der andren Seite Robinien und Eichen, mit Störchen, Kormoranen und sogar ein paar Kranichen, mit lärmenden Bäumen voller Straren, immer wieder die Oder, ein Seitenarm, eine Angelstelle, Schilf, Entenquaken,, .so schön. 60 km ist dieses Sumpfgelände lang und immer wieder wird es überschwemmt. Wir fahren die meiste Zeit auf dem Hochwasserschutzdeich. Einige dunkle Wolken haben unseren Weg überflogen, aber wir hatten Glück. 
Jetzt sind auch andere Fernradler unterwegs, die meisten kommen uns entgegen, aber immer noch keine Massen.
Dann taucht "mein"See auf an der Sydoswiese, wo sogar ein Schild zum Baden einlädt, aber Tiere waschen verboten ist. Und wo schon einige Nackige rumplanschten.
 Foto für die Wessis ohne Nackige:


So und jetzt lasse ich den Manne auch noch ein bisschen was erzählen:

Und jetzt ich:

Sorry, mit dem Wlan, einen Tag ohne Blog. Hat mich auch Nerven gekostet. 
 "Aber nächste Woche soll DSL kommen", meinte unsere Gastgeberin.
Was gibt es von meiner Seite noch zu berichten?
Das Wesentliche hat Friederike schon erzählt.

Zum einen natürlich unsere Fahrt durch die die ehemalige "Stalinallee" von Schwedt. Sah wirklich aus wie die ehemalige Stalinallee zu Berlin, Hauptstadt der DDR (über die Biermann das das bekannte Lied über die Beibehaltung von Straßenbezeichnungen gesungen hat. Aber mal ehrlich Hindenburg/Hitlerstraße, statt Vorstadt? Muss nicht sein)



Aber ganz nett dazu hat unten an de Oder die geführte Radtour gepasst, die von einem ehemaligen NVA Offizier vor Beginn der Tor "vergattert" wurde. Da hat mir gefallen, das habe ich "Vor Antritt unserer heutigen Etappe" dann auch mit Friederike gemacht.



Ja, in der Tat hatte ich ein längeres und sehr anregendes Gespräch im Informationszentrum des Nationalparks Untere Oder zur Criewen, im Linnépark. Zum einen über die Gefahren, die durch die Pläne der polnischen Seite, bei Gryfio ein AKW zu bauen. Zum anderen aber auch über die interessante Partnerschaft, der deutsch/polnischen Oder Feuchgebiete mit einem "Feuchtgebiet" in Moçambique. Die Partnerschaft ist wohl schon zu DDR Zeiten entstanden. Heute aber um so wichtiger, da viele Zugvögel aus Mitteleuropa bis dorthin nach Südafrika fliegen. Dieses Feuchtgebiet ist aber massiv bedroht, da chinesische Konzerne in großem Stil Land ankaufen, um Reisanbau zu betreiben. War wirklich interessant. Ober auch schon mal an einem der Wissenschaftleraustauschprogrammen teilgenommen habe. "Icke, ne ick setz mir in kein Flugzeuch und in keen Schiff, das wirste nich erleben!"

Eine andere Geschichte am Rand. Schon bei der Planung der Reise ist mir aufgefallen, dass es relativ schwierig ist, die Flussseite zu wechseln. Es gibt nur wenige Brücken. Aber immer wieder Brückenreste, die im Wasser stehen. Das hat mich sehr an die Donau unterhalb von Belgrad erinnert.

Bei Garz fand ich dann folgenden Stein.


Kann man´s lesen? Über 200 Jahre hat hier eine Holzbrücke gestanden. Beachtlich!
Dann haben sie 1926 eine Betonbrücke gebaut. die ein Jahr später eingestürzt ist. "Pfusch am Bau?"
3 Tote!
Die neue Brücke hat den 2.Weltkrieg dann auch nicht überstanden. Und seither kein Weg nach Polen.
- Tja, Holzbrücken, waren auf lange Sicht gesehen, nicht die schlechteste Option.

Notwendiger Nachtrag zu Neu-Wustrow. Das war wirklich ein sehr schönes Quartier. Vor allem war es der ideale Kompromiss zwischen Friederikes Dauersehnsucht, mal wieder romantisch unter freiem Himmel zu campieren und meinem romantischen Bedürfnis gemütlich in einem Bett zu liegen und sicher zu sein vor irgendwelchen undichten Himmeln.
Und überhaupt. So genial geeignet für Indoor-Tai-Chi:


Das Oderbruch hat mir sehr gefallen. Die Fahrt Richtung Frankfurt war die ersten 60 Kilometer genial. 
Bei Groß Neuendorf hätte ich allerdings beinahe auch eine eine Unterkunft gefunden, die mir genauso gut gefallen hätte.




Im ehemaligen Umschlaghafen von Groß Neuendorf gab es Appartements in alten Industriegebäuden. Super hergerichtet, mit spektakulärem Blick auf das Oderbruch. In diesem Turm ein Appartement über 3 Stockwerke mit Balkon. Das hat was!! Und dann noch eine Schaukel, mit mindestens 7m Länge. Ein perfekter Tag für Friederike. Schwimmen in lauschigen Seen und  dann auf eine Megaschaukel:



Nach 60 km auf dem Deich und mit überwiegend Wind aus 4- 5 Uhr und dementsprechend gutem Stundenschnitt, war bei Küstrin langsam Schluss mit lustig. Der Wind drehte. 1 Uhr  und heftig. 
Belgischer Kreisel.
Wie es den Anschein hat, müssen wir uns jetzt ab Frankfurt  langsam auf anderes Radeln einstellen. Schluss mit Seeadler, Fischadler, Störchen, Biberdämmen, Kranichen, Gänsedreiecken am Himmel, Kopfweiden, Sümpfen... 



Dieses Bild fasst schön zusammen, was wir die letzten 3 Tage und 250 km gesehen haben. War schon gut, dass überall Schilder standen, dass man nicht in die Sümpfe fahren soll!!

War jetzt ein langer Bericht. Ich denke wir sehen uns ab jetzt wieder ohne technische Probleme.
Bis Morgen dann!!

Mittwoch, 27. Juli 2016

16.Tag: Von Szczecin nach Schwedt



Wer ab und zu in unsere Reisekarte (Link rechts oben) reinschaut, wird heute enttäuscht sein. Denn zwischen Kamminke und Stettin klafft eine große Lücke. Logisch. Mit dem Fahrradroutentool kann man keine Fahrt über Wasser darstellen. Sind wir ja auch nicht gefahren. 

Heute Morgen raus aus Szczecin. Ging eigentlich ganz gut. Das nette Fräulein an der Rezeption hat uns genau beschrieben, wie wir aus der Stadt rauskommen, Richtung Zdroje um auf den Radweg "Grüne Oder" zu kommen, von dem wir gestern in der Nähe des Schlosses eine so schöne Vorankündigung gesehen haben.8 km sehr guter Radweg durch den Stettiner Hafen und diverse Industriegebiete. Ohne jegliche Beschilderung. War trotzdem gut zu finden. Aber dann in Dabie Schluss. Ein großes Schild, dass hier ein Europaprojekt bezuschusst wird. Von der "Grünen Oder" keine Spur. Wir fragen uns durch. Nette Leute, freundliche Leute, hilfsbereite Leute: "Der Weg nach Gryfino?" Kein Problem. bis zur Ampel vor und dann links. Dann immer gerade aus." Ich: "Und da kann ich mit dem Rad gut fahren?" "Mit dem Rad? Äh, nein! Das ist Autobahn!" (Was meinte mein hilfsbereiter Freund eigentlich, worauf ich sitze?) Alle anderen. Gryfino, kein Problem, immer gerade aus. Stimmte auch. Nur leider an einer nicht gerade wenig befahrenen Bundesbahn. Eigentlich gab es auch keine Radweg. Aber eine Art Fußgängerweg, mit Betonplättchen, alle unterschiedlich hoch. Und jede Hauseinfahrt, gepflastert. Und es gab viele Hauseinfahrten, denn die ersten 15 km haben wir uns immer noch im Stadtgebiet von Stettin bewegt. 
Zügig vorankommen geht anders. Ein Schnitt von 10/11km/h und drückend schwül. 
Auf einer Parkbank zur 11:00 Uhr Banane hatten wir Muse, um das Phänomen Radwege definitiv zu klären.
Also: Es gibt 4 Arten von Radwegen:

  1. Radwege, die real existieren. Sogenannte "realexistierende Radwege". Diese findet man leicht, sie sind gut markiert,oft rot von anderen Fahrbahnen abgesetzt und mit gut sichtbaren Wegweisern versehen.  Von dieser Kategorie sind wir auf dem "Ostseeradweg" verwöhnt worden.
  2. Radwege, die eigentlich genauer Radrouten genannt werden müssten. Das sind Beschilderungssysteme, die auch mal über öffentliche Straßen führen, aber meistens ordentlich ausgeschildert       sind.Viele von diesen Routenvorschlägen haben wir auf Rügen und Usedom erlebt. Regionale  Radtourenvorschläge können hilfreich sein.
  3.  Radwege als Absichtserklärungen. Die gibt es auf Karten und als Broschüren. Die kann man    finden, wenn man die Karten genau studiert. Ausgeschildert sind sie nicht. Sie gibt es nur auf  Papier. So ein Radweg ist die "Grüne Oder". Zumindest bis Gryfio. Anhand der Karte haben wir   die letzten 6 km gefunden. Immerhin.
  4. Radwege als Idee und EU-Förderantrag. Davon haben wir auch schon einige nicht gefunden.


Auf dem letzten Stück nach Gryfio, auf dem kleinen Sträßchen,  haben wir junge Erntehelferinnen im Lauchfeld getroffen. Sah eigenartig  aus, wie sie in Bikinis den Lauch geerntet haben, was bei der Hitze sicher kein angenehmer Job war. Wir haben uns gefragt, woher Erntehelferinnen in Polen wohl kommen!

Bei Gryfio sind wir dann reumütig über die Oder und auf den Oder-Neiße-Radweg gefahren.
von da an war es eine wahre Wonne, bis Schwedt durchzufegen.
Na ja, nicht ganz.  
Zuerst wollte Friederike unbedingt noch in einem Strandkorb sitzen, was ihr an der Ostsee so schnöde verwehrt geblieben ist.




 Und dann musste sie natürlich noch ins Wasser



Warum sie aber meinte, sie könnte das Kreuzfahrtschiff aus Basel anhalten und bis Schwedt per Bootsstopp kommen, das war mir ein Rätsel. Aber ich habe mich natürlich gefreut, dass sie bei mir geblieben ist.
Der Radweg durch den Naturpark "Untere Oder" ist wirklich spektakulär.



Was man von unserem Etappenziel und dem Hotel Centra nicht sagen kann.
Schwedt hat schon bessere Tage gesehen. Das Zentrum der Uckermark, Angieland, ist in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft und musste gezielt rückgebaut werden. 
Beim Buchen habe ich leider ein l im Namen Centra mitgelesen, das da nicht stand. Und der Bahnhof Schwedt, ist auch nicht der im Zentrum, sondern der der nahe des Petrochemischen Komplexes liegt. 
Aber was solls, ein Einkaufszentrum ist in der Nähe. Es gab lecker Vietnamesisch und jetzt ist Friederike dran.
Nein, halt!!! Eins noch. Ich glaube, für Morgen habe ich mich übernachtungstechnisch noch einmal ein wenig vertan. In Neu-Wustrow gibt es eine Künstlerkolonie, die auch einen Landgasthof betreibt. Überschwängliche Kritiken. Was ich nicht gesehen habe - kein Internet! 
Gibt es das? 
Es ist also gut möglich. dass ihr Morgen einen Tag ohne unseren Blog auskommen müsst.
Vielleicht blättert Ihr einfach und wartet, bis wir aus Frankfurt an der Oder berichten.

So und jetzt hat Friederike große Neuigkeiten!

Also jetzt bin ich dran:


als erstes möchte ich erklären, dass das Baumsterben-Foto, das Manne vom Naturpark heute eingestellt hat, ein Biberdamm ist. Alles andere war herrlich grün, so wie man es von einem Naturpark erwartet.

Und dann muss ich noch auf den Kommentar von C.H. aus H. antworten:

1. es gibt hier sehr wenig Gartenzwerge und ich persönlich finde Gartenzwerge auch gar nicht so witzig, würde mich nie darüber lustig machen so wie andere Leute.

2. wir haben gestern italienisch gegessen! Ravioli und Spaghetti, Knödel sind uns nicht begegnet.
Und heute haben wir, in Anbetracht unserer City-Außenlage in einem Einkaufszentrum beim Schnellimbiss Chinesisch-vietnamesisch gegessen. Die Alternative "Grillabend für unsere Gäste" vor unserem Centra-Hotel fiel wegen Regen aus. Die Fernfahrer und Montagearbeiter, unsere Mitbewohner, hatten sich schon hoffnungsvoll mit einem Kasten Bier vors Hotel gesetzt als  das Gewitter losging.

3. lieber Bruder gestern habe ich nicht gebadet. Nachdem wir an der alten Werft und vielen Schiffwracks und riesigen Inselbergen aus Phosphorsand vorbeigetuckert sind, hatte selbst ich keine Lust mehr dazu.

Und nun zu den Neuigkeiten:
Gestern Abend hat mir Manne auf der Polenkarte gezeigt, wie wir von Frankfurt nach Breslau weiterfahren können:



Nicht die Spur eines Radweges, schon gar nicht entlang der Odra. Am Fluss entlang gibt's überhaupt keine Straßen! ein kleines Dorf am anderen, keinen See, ...und Manne erklärte den Unterschied zwischen den Straßenfarben und welche man als Radfahrer fahren kann und womit wir da rechnen müssen.  Lastwagenverkehr, schlechte Straßen, Kopfsteinpflaster... Ich sah mich schon an jeder zweiten Kreuzung stehen und dem Manne beim Kartenlesen zuschauen. (Und der macht das nämlich gerne)


Oder uns von netten jungen Männern auf die Autobahn schicken lassen. 

Also Planänderung! tut mir leid Ihr lieben Polen! 
Wir werden nicht die Odra sondern die Neiße auf dem schönen Oder-Neiße-Radweg fahren, den wir heute schon genießen konnten:




Und wir kommen gerne mal zum Radfahren nach Polen, an die masurischen Seen oder so.
Ich sehe jetzt von weitem wie das jungvermählte Paar M. aus KN uns auslacht, denn genau das hatten sie von Anfang an prophezeit. 

Wenn alles klappt werde ich bis fast zur Neißequelle, nämlich bis nach Zittau mitfahren können. Juhu!





Dienstag, 26. Juli 2016

15. Tag: von Benz nach Szczecin

Heute war der Tag der Schifffahrt.
Aber zuerst, am frühen Morgen war eine zügige Runde Radfahren  durch das baltische Hügelland nach Kamminke angesagt. Zum Glück hat uns die nette Frau, die das Frühstücksbüffet aufgebaut hat, schon vorzeitig aufgemacht und wir konnten ein schnelles Frühstück zu uns nehmen. Als sie erfahren hat, dass wir zur Fähre wollen, war sie noch freundlicher, denn sie wohnt dort " da ist die Welt zu Ende" beschrieb sie ihren Ort. Und sie bot uns von den frisch gepflückten Pflaumen aus ihrem Garten an. Die lohnen sich fast nicht zu entkernen, sagt sie, für Marmelade aber die Gäste mögen sie. Stimmt!
Die kurze Radfahrt in der Morgenluft  (immerhin 18 km Frühsport) war wunderschön und ich dachte, dass man eigentlich immer so früh aufstehen sollte, die Welt ist noch so still, frisch,...

Kamminke sieht wirklich so aus, als läge es am Ende der (bekannten) Welt:


Blick zurück auf Kamminke, das letzte Stückchen Usedom:


Die Fähre war schon bevölkert mit Radfahrern und einer großen Gruppe von Leuten, die einen Tagesausflug gebucht hatten. Wir haben drei Schweizer getroffen (Vater mit Tochter und Sohn), die von Lübeck nach Zürich (über Usedom) unterwegs sind, 16 Tage haben sie dafür geplant, Besichtigungsprogramm ist da leider nicht drin. Die haben heute nach der Ankunft in Stettin dann noch ca. 80 km zu radeln. Fast mehr bedauere ich aber die Tagesausflügler, die dreieinhalb Stunden mit dem Schiff nach Stettin fahren, dann eine Bustour durch Stettin, und abends wieder dreieinhalb Stunden mit dem Schiff zurück.


Eine gemütliche Reise durch das Stettiner Haff hinein in die Odermündung bis nach Szczecin /Stettin, Kormorane und Möwen und sogar mehrere Seeadler haben wir gesehen. Ja: richtig große wunderschöne Seeadler,!!!!
Manchmal fuhr ein anderes Schiff vorbei und wir haben gewunken. Es war heiß, windstill und die Sonne auf dem Oberdeck machte uns ganz schön zu schaffen. Der Kapitän erklärte einiges und interessantes, aber es war zu doch so heiß... Auf jeden Fall ist steuerbord rechts, das habe ich mir gemerkt.




Hafeneinfahrt von Szczecin:



Und die Stadt ist nicht grade überlaufen von Touristen:


Aber die Leute sind sehr nett und freundlich, viele können deutsch oder auch englisch. Und ich werde versuchen mir jetzt mal endlich ein paar polnische Wörter zu merken.

"Dobranoc"!

Und jetzt ich:

Friederike verdient meinen ungeteilten Respekt. 7:00 Aufstehen - "kurz" darauf auf `s Rad. Kein Wort des Protestes. Wir sind wirklich beide - müde aber gut gelaunt in den Morgen geradelt.


Und Kamminke war wirklich so wie es klingt, geradewegs aus einer Kurzgeschichte von Siegfried Lenz gefallen. Die Leute, tiefenentspannt, es gibt sie zwar nicht die Orte, an denen die Große Geschichte spurlos vorübergeht, aber manche Orte strahlen etwas aus, dass man sich der Illusion hingeben möchte, es gebe Löcher im Raum-Zeit-Kontinuum, an denen die Zeitläufte spurlos vorüber gehen.
Die Seeadler haben mich sehr beeindruckt. Gleich hinter Kamminken haben wir ein Pärchen gesehen. Die Spannweite beeindruckend. Und dann kurz vor Stettin auch noch einmal ein Adler im Baum und ein Paar in der Luft. Aufnahmen mit der kleinen Kamera witzlos. 2 Punkte am Himmel, aber immer schöne Wolkenformationen.

Das Dauerthema unserer Bootsfahrt - die Farben der Bojen der Fahrrinne.
Also zuerst einmal: Vom Stettiner Hafen kommend gibt es eine Fahrrinne, in der mittelgroße Schiffe hin zur Swinemündung, bei Swineberg, in die offene Ostsee kommen. Die Kaiserfahrt oder wie sie heute heißt der  Kanał Piastowski verbindet also Szczecin mit dem Meer.
Diese Fahrrinne wird ständig mit riesigen Staubsaugern auf eine gewisse Tiefe ausgehoben. Zwei von diesen Schiffen sind uns entgegen gekommen. 
Doch zurück zum Problem:
Wie Friederike schon richtig festgestellt hat,  ist

Steuerbord rechts
und Backbord links

Backbord ist rot /weil der Leichtmatrose, wenn er es nicht kapiert eine Backpfeife bekommt und dann die linke Backe rot ist.
Und Steuerbord ist grün.

Das ist die Markierung  auf den Schiffen, und Flugzeugen ... wenn man es von Heck aus betrachtet.
Soweit alles klar
Wenn man in einen Hafen reinfährt, soweit habe ich es auch noch verstanden, dann stimmen die Farben mit den Farben auf dem Schiff überein. Richtig? Also Hafeneinfahrt backbord/links rot und steuerbord rechts grün.
ABER jetzt kommen wir aus Kamminke, Fahrtrichtung Stettin. Die Kaiserfahrt ist mit Markierungen gekennzeichnet. Wir fahren Auf Stettin zu und jetzt sind die roten Barken rechts



  und die grünen Barken links.




Müssten nicht die rrrroten Barken links sein, und die gggrünen rechts, wenn wir in den Hafen von Stettin einfahren?
Oder ist die Einfahrt in die Kaiserfahrt gemeint?
Dann würde es ja stimmen, aber dann fahren sie trotzdem irgendwann ins offene Meer


Hilfe!! SOS!! 

Halt!Stopp! Ich gehe jetzt runter und hole mir noch ein Bier!! Vielleicht finde ich ja dann die Lösung!
Rot-Grün-Blind bin ich jedenfalls nachgewiesenermaßen nicht!!

So jetzt bin ich zurück, aber die große weite Welt der Seefahrerei wird mir wohl auf immer ein Buch mit sieben Siegeln bleiben, bis auf die rote Backe bei Backbord habe ich so gut wie nichts verstanden.

Die Einfahrt nach  Szczecin war wie eine Fahrt durch ein Schiffahrtsmuseum. Einerseits Werften, die seit über 100 Jahren existieren, zum Teil ziemlich marode, doch immer noch mit kleineren oder größeren Aufträgen. Hauptsächlich aber eher Reparaturbetriebe, 



aber auch ein ziemlich beeindruckender Komplex, den Bilfinger mit einer halben Milliarde in die marode Hafenlandschaft gesetzt hat. - Offshore Windräder werden dort in großen Mengen gebaut.






Um 14:00 Uhr waren wir im Hotel. 
Zeit für einen Stadtbummel. 
Vielleicht wäre es besser gewesen, wir hätten die Fahrräder noch einmal aus der Kammer geholt. Die Highlights der Stadt liegen wohl eher verstreut. Im Zentrum ist Stettin eine seehr autofreundliche Stadt, um es freundlich auszudrücken.

Sehr viel Sonne haben wir heute abbekommen. 
Bis Morgen!!